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Blätter · 1916-02-01 · 2 (2.1916) · p. Seite 1

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Journal
Blätter
Volume
2 (1916)
Issue
2 (2.1916)
Date
1916-02-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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Frankfurt a. Main, Februar 1916. 1 Kriegswaisen. Wenn das jüdische Schrifttum das Schicksal der Ärmsten der Armen, der Verlassensten und Hilslosesten kennzeichnen will, so spricht es von Waisen, die ohne Vater sind. -- Hat ja das Geschick des jüdischen Volkes in der Trostlosigkeit seiner Vereinsamung und einer Hilflosigkeit ohne Gleichen gar oft an Waisen gemahnt, die keinen Vater haben, und der einzige Trost der Golusjahrhunderte war der Aufblick zu dem Vater der Menschheit, der der Waisen vom Hause Jakob immer wieder in Liebe gedachte. — Waisenkinder! — Schutz und Stütze, Lebensgestaltung und nicht minder Lebensfreude ruhen für Kinder in des Vaters schaffenden Händen, in dem sorgenden Sinnen seiner Seele; ist diese Seele vor der Zeit in ihre ewige Heimat zurückgekehrt, so bleibt den Kindern zum mindesten seelische Not und Haltlosigkeit inmitten einer rastlos fortschreitenden Welt. Gesellt sich zu dieser seelischen Not auch noch körperliche, so ist das Scheiden eines Vaters von seinen Kindern ein doppeltes Unglück und vielfach sind die Gefahren, die den verlassenen Waisen in naher oder ferner Zukunft drohen. — Die Sorge für Waisen ist in der Tauroh zur heiligen Pflicht erhoben und ein göttliches Gesetz verlangt, das leidvolle Schicksal des Waisenkindes zu lindern und ihm mit zarter Rücksicht zu begegnen. Nicht soll das vater« lose Kind durch die Fürsorge der anderen des Vaters vergessen; wohl aber soll es über sein trauriges Los getröstet werden, bis es heranreist und imstände ist, aus eigener Kraft sein Leben zu gestalten. — Wenn aber die Pflicht der Waisenfürsorge zu jeder Zeit den Menschen und insbesondere den Juden ans Herz gelegt ist, so gibt es Ereignisse, die diese Pflicht zu unserer heilig st enAufgabemachen. In das Glück so vieler Häuser hat der Krieg mit rauher Hand gegriffen und manches Haus, das von friedlichem und heiterem Leben erfüllt war, zu einer Stätte tiefster Trauer umgewandelt. Aber so schmerzensreich und beklagenswert auch das Schicksal der so tief Betroffenen ist, so gibt es ein Geschick, das an Elend noch größer und vor allem in seinen Folgen noch trostloser ist — das Geschick der elternlosen und mittellosen Waisen- Kinder! Ihnen nach Möglichkeit beizustehen und ihr junges Leben dem Verderben zu entreißen, das ist die Ausgabe, die die Not der Gegenwart von uns verlangt. —

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