Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 2 (1916)
- Issue
- 1 (1.1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Josef Stern-Fulda ׳ Im Osten. Krüinelchen vom Brote: wie erhöht wird diese Freude der Kinder am Geben durch einen Dankbrief, den merkwürdig geschickte Spatzen auf die Garten-- treppe zauberten. Neben dieser allgemeinen Einwirkung auf das Gemütsleben wird natürlich die religiöse Seite besonders gepflegt. Einen eindringlichen Eindruck empfängt man, wenn man diese kleine Schar nach dem Frühstück, das aus Brot, Milch oder Apfel besteht, den Scgensspruch sprechen hört. Nachdem ein älterer Zögling das Tischgebet vorgesprochen hat, sagen es alle zusammen nach. Gewiß hat diese Zeit der Brot- und Milchkarten ihren ernsten Stempel in den kindlichen Seelen hinterlafsen und durch diese frühe Gewöhnung an das tägliche Dankgebet kann und wird mit Gottes Hilfe in die Jugend ein tiefer Schatz an religiösem Verpflichtungsgesühl hineingepslanzt werden. Die bewußt religiöse Erziehung unserer Jugend ist in dieser Zeit, da mehr denn je die ganze Zukunst der Menschheit und besonders der jüdischen Gesamtheit auf unserer Jugend begründet ist, bitter notwendig. Wenn also mit der Erziehung unserer Jugend in unserem Kindergarten die Hamburger Agudas-Jisroel-Jugendgruppe ein ganz geringes Steinchcn zu der ehernen Grundlage dieses zukünftigen Baues beigetragen hat, dann mag uns dieses Bewußtsein stärken und anfcuern, immer weiter alle Krälte zusammenzuschließen und die gewiß nicht geringen Opfer, die der Kindergarten von uns erfordert, aufzubringen. Lebt doch in dieser Schöpfung der Lieblingsgedanke unseres heimgegangenen Führers Dr. Samson Meyer זצ״ל weiter und möge durch das כר צדיק* auch die Tat zur כרכה werden. □ -— Im Osten. Bon Joses Stern-Fulda. Monatelang lagen wir in einem polnischen Nest nahe der ostpreubischen Grenze vor einer der Befestigungen an der Narewlinie. Unser Leben war ruhig und gemütlich, ein Tag verging wie der andere und man merkte kaum etwas von den Schrecknissen des Krieges. Juden gab es in der ganzen Gegend nicht. Das einzige Lebenszeichen von früheren jiidischeu Einwohnern fand ich in einem Bauernhause, das mit alten Nummern des ״Haint" austapeziert war. Bald änderte sich jedoch das Bild, als der russische Rückzug auch an unserer Stellung begann. Die Dörfer, durch die wir zogen, zeigten