Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 1 (1915)
- Issue
- 6 (12.1915)
- Date
- 1915-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankfurt a. M., Dezember 1915. 1 Zur Beachtung! Um Mißverständnisse zu vermeiden, sei bemerkt, daß für sämtliche in diesen Blättern erscheinenden Aufsätze u. s. w. weder der Gruppenverband der Agndas Iisroel in Deutschland, noch die Agudas Iisroel Jugendorganisation eine Verantwortung übernimmt. Auch die Unterzeichnete Tchnstleitung übernimmt nur die preßgesetzliche Verantwortung. —— Aus neutralem Lande von Rabbiner Dr. A. Vohn-Basel. Die Schweiz gehört zu den an Zahl immer kleiner werdenden Staaten, die in dem herrschenden Weltkriege an der Neutralität festhalten. Wenn freilich neutral soviel heißen soll, wie völlig unbeteiligt, so ist auch die Schweiz nicht neutral. Seitdem auch Italien den Kriegspfad betreten hat, sind wir ringsum von kriegführenden Staaten umgeben. Der Handel, der auf Ein- und Ausfuhr beruht, stockt, weil jedes der drei angrenzenden Länder sich wie mit einer hermetischen Mauer abschließt. Der Fremdenverkehr, dem die Schweiz ihre Blüte verdankt, ist durch den Krieg gehemmt und unterbunden. Wer hat noch Zeit und Lust, an den Schönheiten der Natur, an denen die Schweiz so überreich ist, sich zu erfreuen, wenn draußen diejenigen, die unserem Herzen nahe stehen, in Not und Gefahr sich befinden? Vielen ergeht es wie Moses, unserem großen Lehrer, der, während unten im Tale Israel mit Amalek kämpfte, nicht aus einem weichen Polster ruhen mochte, sondern sich einen harten Stein wählte, weil er es nicht gut haben wollte, während seine Brüder litten und stritten. Seit dem Ausbruch des Krieges starrt auch die Schweiz in Waffen. Alle Grenzen sind bewacht, und die Schweiz ist entschlossen, ihre Neutralität gegen jeden, es sei wer es sei, der es versuchen würde, sie anzutasten, bis zum äußersten zu verteidigen. Aber auch neutral in dem Sinne von „keines Freund und keines Feind" ist nur der Staat als solcher. Die deutsch sprechenden Kantone haben Sympathie für Deutschland, die Kantone der welschen Schweiz für Frankreich. Wie traurig aber ist das Schicksal derjenigen Familien — und eine große Reihe von solchen ist mir aus dem Kreise meiner eigenen Gemeinde bekannt, — die ihre Töchter in Frankreich verheiratet haben,