Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 1 (1915)
- Issue
- 3 (7.1915)
- Date
- 1915-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. M. W. Rappaport-Strij, Galizien. 5 Galizien. Bon Dr M W Rappaport, Strij Daß ein Aufsatz mit der Überschrift „Galizien", der in diesen Blättern erscheinen, sich mit den Juden in Galizien beschäftigt, wird jeder mit Recht vermuten, ohne daß es gesagt wird. Es sind aber die galizischen Juden nicht nur an sich, von denen hier gesprochen werden soll, sondern es ist das Galizien, das für die Judenschaft der Welt in Betracht kommt. Dieses Galizien war zum großen Teil streng fromm. Was es nach dem Kriege sein wird, kann man natürlich noch nicht beurteilen. Aber trotz aller Zeichen, die besagen, es würde ein Wechsel eintreten, behalten wir die feste Zuversicht, daß das Land für uns dasselbe bleiben wird, was es bisher war. Vor dem Kriege war das Gros der galizischen Iudenschaft streng gesetzestreu. Es beobachtete die religiösen Satzungen und Gebrauche, und seine Rabbiner und Talmudkenner waren der Stand, der as größte Ansehen genoß und dadurch auch praktisch in das Volksleben einzugreifen vermochte. Das Volk war fromm. Es sah über allem und in allem die Wallung seines Gottes, denn für den frommen Juden gibt es keinen oufall. Als der Krieg ausbrach, da tauchte wohl die Frage nach kr letzten, das ist nach der religiös begründeten Ursache desselben ^uf. Denn zwecklos sendet der Himmel solche Ereignisse nicht auf Welt hinab. Nicht die kleinste Einzelheit im Leben geschieht Fügung des Allerhöchsten, und gewiß kommt ein Krieg nicht ohne fix und gar erst ein Weltkrieg wie der des Jahres 1914. Und o schlugen unsere Galizianer sich an die Brust und dachten: nosti-a müssen gesündigt haben, und die Strafe ist dieses schreck- Mk Ereignis. Lasset uns uns bessern — da, ma-Ei soton da glückte es dem Bösen, das Gute nicht zuzulassen und das Übel Mtzuhalten. Eine Vereinigung der frommen Juden aller Länder, die einen gegen die überhandnehmende Gottlosigkeit bilden sollte, hätte , n lange gegründet werden sollen. Galizien war zur Mitwirkung einer solchen Aufgabe in erster Reihe berufen — schon durch seine Jud in der Mitte zwischen der westlichen und östlichen enheit Europas, aber auch durch die Qualität seiner Judenschaft,