Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1915-05-01 · 2 (5.1915) · p. Seite 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
1 (1915)
Issue
2 (5.1915)
Date
1915-05-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6467833-6467833-9641066-9641070--0026-6468080
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Frankfurt a. M., den 17. Mai 1915. 1 Zum Schowuausfest. (Ein Gruß an die Freunde im Felde.) von Wolf S. Jacobson-Hamburg. Schowuaus, Fest der Gesetzgebung! Welch' wunderliche Bilder zauberst Du uns vor die Seele, welche Fülle herrlicher Gedanken und schöner, reicher Erinnerungen birgst Du, welche weise, tiefe Lehren kündest Du. Tag der Gesetzgebung, da Israel den Ritterschlag erhielt, da ihm der erbliche Adel ward verliehen — Du großer Tag, Du ewig heilige, geweihte Zeit, kling hinein in unsere Tage, die doch auch große sind, tön hinein in unsere Zeit, die doch auch eine geweihte, ja, eine heilige ist, Dein Festlied und Dein Jubelsang? Oder übertönt der Donner der Geschütze, die Melodie der Schlachtenlieder Deinen Hymnus? Lebst Du noch, oder trug dieser Krieg auch Dich zu Grabe? DasFest des Friedens bist Du, Dir zu Ehren schmücken ivir unsere G'tteshäuser mit der bunten Fülle der schönsten Blumen, Dir zur Weihe zieren wir unsere Zelte mit jungem Grün. G'ttes Gesetz zu ehren, ehren wir Dich, G'ttes Willen zu erfüllen, begrüßen wir Dich als die Stunde, die Sein Gesetz uns als Lebensziel, Sein Wille uns als Daseinszweck lehrte und verstehen hieß. - Ja, daß Israel, und durch Israel die Gesamtheit, verstehe und begreife das Warum des Seins und das Warum des Lebens! „Warum und wozu?" Diese Frage ward beantwortet am Sinai und wenn diese Antwort heute keine Geltung mehr hätte, wie dürften wir Dich feiern, ivie dürsten wir schmücken und bekränzen G'tteshaus und Familienzelt? Das Fest des Friedens nennen wir Dich, weil die Tora Menschen erzieht zu friedsertigen Geschöpfen, weil sie ihre Bekenner zu einem Leben verpflichtet, das jeder Habsucht, jeder Eifersucht, jeder Gewinnsucht, und gibt es andere Motiven zum Kämpfen denn diese, entsagt und sich bescheidet und vollauf Genüge findet in einer Wirksamkeit, die den andern fördert und ihm nützt, die ihn aber nicht befehdet, noch befeindet. — Fest des Friedens, weil die Lehren der Tora veredeln den Charakter, adeln die Gesinnung, heben die Gesittung, weil sie zum Endziele haben den großen Gedanken der Menschheitsverbrüderung, weil sie Menschen und Völker bilden wollen, die nicht das Schwert und den Panzer zum Geräte ihrer täglichen Beschäftigung bestimmen, sondern das Winzermesser und die Sense;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.