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Blätter · 1918-12-01 · 12 (12.1918) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
12 (12.1918)
Date
1918-12-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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— 8 Freunde: senket den Willen zu Palästina, der Heimat unserer Väter, dem Ziel unseres messianischen Strebens, als niemals versiegende Triebkraft und als mächtig tobenden Urquell unseres jüdischen Denkens und Handelns tief in die Brustt hinein! Freunde: wenn ihr eine Mizwa ausübt, sprecht nicht nur: Ich handle so, weil es mir Gott am Sinai befohlen — füget jauchzend hinzu: und weil die heitze Liebe zu meinem Volke und zur jüdischen Zukunft, kräftespendend, mich durchglühend, zur Mizwa mich zwingt. Dann werdet ihr euch und euer Judentum mit neuem frischen Blute durchtränken, das ihm so bitter not tut! Uns alle hat, Brüder und Schwestern, die hohe Offenbarung der jüdischen Gegenwart, Nathan Birnbaums „Gottes Volk", tief erschüttert und hoch erhoben. Wer aber darf sich rühmen: ich habe mein Schaffen danach umgestaltet? Solange dieses Büchlein nicht in unseren Taten eine unver. gängliche Niederschrift wie auf ehernen Tafeln gefunden — solange wird aus jenem stolzen Wort die gebieterische Forderung: Wir sollten die wahren Zionisten sein! Sollten wir es wirklich? frage ich wieder. Laßt euch, die Tauro-Jugend, vor dem verderblichen Wahn behüten, als ob das heilige Feuer für Palästina, wenn es in un» serm Innern wärmend und leuchtend lodert, die Torarolle, die Verpflichtungskraft des alten Schwurs vom Sinai zu Asche verbrenne! Nein, Freunde! Bedenket, daß Mizwas Jischub Erez Jisroel nicht das Gebot eines neuen Judentums, sondern e i n Gebot des überlieferten Judentums, nicht alleinige Grundlage, sondern auch Grundlage unseres nationalen Willens sein soll! Und umgekehrt, Freunde: ebenso wie wir allen jüdischen Geboten nach bestem Wissen und Gewissen gehorchen, so müssen wir auch diese Pflicht mit ganzem Herzen, ganzer Seele — und ganzem Vermögen lieben. Aber wenn auch jede andere Mizwa, nach Vorschrift ^eübt, gemäß dem Wort unserer Weisen uns alle 613 Tore des jüdischen Tempels aufsprengt, so wohnt doch der Mizwas Jischub Erez Jisroel eine ganz besondere Zaubermacht inne: Sie offenbart den Gemeinschaftsgedanken, wie nur noch der Jaum Kippur, in strahlender Reinheit, und sie wird, ähnlich ihrer geistigen Schwester „Teschuwo" geheißen, niemals bis zum N'tlv'v bis zur Selbstzufriedenheit des Erfüllthabens, ausgeschöpft. Mit der Kraft des Sturmwindes, gegen den kein Widerstand ist, soll sie uns emporreißen auf dem steilen Weg zum Gottespanier: Heilig sollt ihr sein. Arnold Merzbach.

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