Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 12 (12.1918)
- Date
- 1918-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 6 auffassen, in seiner ganzen Totalität noch vorhanden ist und anerkannt wird. Während von denen, die „sich zu uns gehörig fühlen", etwas Positives gefordert wird, nämlich das Bekenntnis, daß wir eine Gesetzesnation sind, mit anderen Worten das Bewußtsein des Judentums, ist bei den Übertretern des jüdischen Gesetzes nur eine Tatsache konstatiert, nämlich: „die im Leben all das' mit Füßen treten usw. . . Ist auch hier das Bewußtsein des unjüdischen erforderlich oder genügt allein die Tatsache der Abweichung vom Judentum, um die bestimmten Kreise als außenstehend bezüglich unserer Propaganda zu kennzeichnen? Die These gibt darauf keine Antwort, und die Diskussion auf dem Bundestag hat die Frage nicht geklärt. Ein Beispiel wird alles verständlicher machen. Wir im Rheinland haben einen „jüdischen Jugendverband für die Rheinprovinz", der von Cöln aus geleitet wird, und dem schon verschiedene sogenannte Bezirksgruppen angehören. Diese stehen nur durch den Provinzialverband mit der Organisation in Verbindung und Beziehung. In diese Bezirksgruppen werden auch junge Leute aufgenommeu, die tatsächlich — allerdings meist aus Unkenntnis — im Leben all das mit Füßen treten, was uns heilig ist, von denen wir aber fordern, daß sie zum mindesten der jüdischen Sache in u n s e r m Sinne Interesse entgegenbringen, mit andern Worten brauchbares Material für unsere Bestrebungen abgeben. Bewußt liberale Juden können wir nicht gebrauchen. In diesen Kreisen machen wir Propaganda, je nach unfern geistigen und finanziellen Mitteln großzügige oder bescheidene. Ist das verpönte Propaganda nach außen oder geforderte Propaganda nach innen? Wir haben z. T. Mitglieder, die von Schabbos keine Ahnung haben, die draußen oder auch zu Hause tröfo essen, auch vielleicht in absehbarer Zeit davon nicht abzubringen sind, und die doch in unseren Vereinen arbeiten und unseren Bestrebungen Interesse entgegenbringen, die sogar in unseren Vorständen unserer Sache ihre ganze Kraft leihen. Ich muß hier noch einmal fragen, wo hört Propaganda nach innen auf, wo fängt Propaganda nach außen an?! Man kann mir nicht entgegenhalten, daß zu trennen ist die Propaganda der Organisation und die der einzelnen Mitglieder, und daß Propaganda in unseren Bezirksgrüppen nur unverantwortliche Eiuzelpropaganda sei, das, was wir treiben, das ist die Propaganda aus unserer Agudas-Jisroel-Jugend-Organisation heraus, und die Mitgliederunserer Bezirksgruppen gehören, wenn auch nur mittelbar, der A.J.JlO. an. Ich selbst bin Vorsitzender einer solchen Bezirksgruppe im Rheinland, und ich bin von der Richtigkeit unserer Propaganda im ganzen überzeugt. Ich bin davon überzeugt, daß die Verbindung mit echt jüdischen Gedanken in Vorträgen, event. Kursen, durch Unterhaltungen in gemütlichen Zusammenkünften und auf Ausflügen auch unreligiöse Juden — allerdings soweit sie aus Unkenntnis oder