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Blätter · 1918-12-01 · 12 (12.1918) · p. [Seite]

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Journal
Blätter
Volume
4 (1918)
Issue
12 (12.1918)
Date
1918-12-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das jüdische Erlebnis, ein Streiflicht. Bcrthold Strauß, Leipzig. Und ihnen nachspüren, sozusagen den Nähten. Ibsen (Peer Gynt). WohlUroch niemals ist vom jüdischen Erlebnis mehr gefaselt worden, als in der Gegenwart. Wir alle vernehmen diese Manifestation, die als Phrase in das Lexikon unserer geschwätzigen, oberflächlich denkenden Jugend ausgenommen ist, der eine, um sie zu akzeptieren, der andere, sie zu verwerfen. Es ist vielleicht notwendig, vorher zu erklären, daß ich all das, was sich mit dem Begriff „Partei" deckt, einen Moment lang aus der Welt zu schassen versuche, wenn auch die Realität, ob kurz oder lang, jeden derartigen, noch so kühnen Gedankenflug Lügen straft. Die Preise, in denen diese Wettrennen nach dem jüdischen Erlebnis mit einer Permanenz veranstaltet und einer bisher unübertroffenen Heftigkeit proklamiert wird, stehen dem Judentum ganz fern. Nicht ich werfe mich zum Richter über diese Kategorie von Juden auf, sondern derjenige, der nach dem jüdischen Erlebnis hascht, so ernsthaft, wie der Knabe einen Sonnenstrahl zu fangen sucht, richtet sich — »ras seine Bewertung als Jude, anbelangt — selbst. Eine Erlebnis ist das Produkt einer Kreuzung, die spontane, im Augenblick eintretende Auswirkung des Zusammenstoßes verschiedener Geistesrichtungen. Sekundenlang berührt eine bisher ungekannte geistige Macht den bisherigen Gedankenkreis des suchenden Individuums, um im Verhältnis zu seiner geistigen Stufe eine Reaktion hervorzurufen, die stark genug ist, innere Erschütterungen auszulösen, zumindest aber ein Erlebnis zu erwirken. Ein Judentum „erleben" steht im schärfsten Gegensatz ^um Judentum „leben". Ein Leben, in den Dienst der einen Jdcalforderung gestellt, schließt die andere aus, oder deutlicher: Das jüdische Erlebnis kann kein jüdisches Leben voraussetzen, wohl aber ein jüdisches- Leben seine Wurzel im jüdischen Erlebnis haben. Denn in dem Augenblick, wo dieser Wille sein Ziel erreicht, wo tatsächlich — nach der Meinung des Suchenden — urjüdische Elemente in ihm zum Bewußtsein gebracht werden, war sein Innenleben eine Leere, ein Vakuum, an Judentum, er hätte sonst den Unterschied hie: Judentum, da: entjudete Weltkultur nie und nimmer machen können. Jeder, der des jüdischen Geistes Hauch einmal verspürte, ist unfähig zum jüdischen Erlebnis; sein Sinnen und Trachten, diesen Zustand zu erreichen, bedeutet eine unbewußte Herabwürdigung oder aber einen Zuwachs zu Gunsten unserer vom Zeitgeist durchtränkten Jugend, denn niemals kann sich in ihm diese Berührung zu einem jüdischen Erlebnis auswirken.

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