Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 10/11 (Oktober-November 1918)
- Date
- 1918-10-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Ein Hinweis. In der letzten Nummer ist von Führerinnenkurscn die Rede gewesen. Von zwei Seiten wurde ein Lehrplan besprochen. Ohne zu diesen Plänen im einzelnen Stellung zu nehmen, möchte ich aus eines Hinweisen. Es wird für jeden selbstverständlich sein, daß in diesen Kursen auch über Agudopropaganda nnterrichtct werden muß. Oder besser noch, daß Wege gezeigt werden, wie die Mitglieder der Organisation zu wahren Agudisten, zu begeisterten und zur Begeisterung anderer fähigen Menschen herangebildet werden. Niemand wird verlangen, daß dazu neue Wege gefunden werden. Ohne sich zu schämen, -darf man Mittel und Wege benutzen, wenn sie auch von anderen benutzt werden, denen man feindlich gegenübersteht. Die Mittel und Wege müssen nur erprobt und gut sein und zum Ziele führen. In welcher Beziehung ich das Finden eines solchen Weges für unbedingt erforderlich halte, wollen wir nicht unermeßlichen Schaden erleiden, dafür zwei Unterhaltungen mit jungen Freunden. Das erste ist ein wackerer V.J.Acr. Seinem Studium liegt er in unserer jüdischsten Universitätsstadt ob. Er erzählt mir vom Leben im Verein, in den Schiurim und den Kursen, dem Fuxenunterricht und den Kameraden und sonstigen schönen Dingen Ein wundervolles Bild! Welche Freude müssen die alten Herren, die dort wohnen, empfinden, daß eine solche Jugend heranwächft, werfe ich ein. Da wird mein junger Freund „stiller jetzt und trüber". „Da erwähnen Sie einen Wunden Punkt" meint er. Gewiß man äußert oft seine Freude, aber nur mit Worten, sehr warmen Worten, wir wollen das zugcben. Aber nicht mit der Tat. Man macht Besuch, wird höflich und förmlich empfangen, wird zu einem Abendessen eingeladen, macht am Ende des Semesters seinen Abschiedsbesuch. Nichts ist davon zu merken, daß man bei einem „Bruder" ist, einem „Bundesgenossen". Das legt sich wie Rauhrcif auf die Seelen der zu uns Strebenden. Ist diese Beobachtung richtig? Wie erklärt sich dann dieses Verhalten? Was ist dagegen zu tun? Fragen für den Führerkurs! Vielleicht darf ich zur Beantwortung später noch einmal das Wort ergreifen! Meine zweite Unterhaltung soll nicht ein Licht werfen ans das Verhalten der „alten" zu den „jungen" Herren, sondern auf das Verhalten der Jungen zu einander. Ein junger Kaufmann besucht mich. Er ist in einer Gemeinde mit regstem jüdischem Leben in der Lehre, Er selbst ist ein braver Jehudi und guter Charakter — Zionist und Blau Weißer. Er erzählt mir viel von seinem Vereinsleben und -streben. Und wie arbeitet die Agudo, frage ich ihn, der außen steht. Davon merkt man nicht so viel. Ja, es ist eine Jugendgrnppe da, aber man merkt nicht, wer zusammengehört. Die Mitglieder'kennen sich außerhalb der Zusammenkünfte nicht. Nicht wie