Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 5 (5.1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Dein Handeln ist sehr löblich, lieber Freund hast Du aber auch bedacht, ob Du damit etwas spezifisch jüdische Arbeit geleistet hast? Der Begriff des Jischub Erez Jisrool schließt doch wohl zwei Begriffe, fest umschlungen und unlösbar verknüpft, in sich/ Erstens einmal die Verpflichtung, Palästina zu besiedeln und urbar zu machen, zweitens aber auch, es zn einem Lande der Inden und ihres spezifisch jüdischen Wesens, d. h. in erster Linie zu einem Lande der heiligen Thora zn machen. Erst, wenn das ganze heilige Land von Bauern und Städtern bewohnt ist, die im Sinne und Geiste der Thora und ihrer Gebote leben, dann ist die Mizwas Jischub Ere; Jisroel erfüllt. Jeder Schritt vorwärts auf diesem Wege ist Bemühung um dieses heilige Gebot. Gewiß gibt es schon einige Kolonien, die Stationen aus dem eben angedeuteten Wege darstellen ich möchte hier in erster Linie „Potach-Tikwah" nennen aber ein Versuch zu einer zielbcwußten Lösung der Gesamtausgabe ist bis jetzt m. W. noch nicht gemacht worden. Im folgenden möchte ich nun einige Anregungen für eine solche geben. Wir, d. h. die gesamte Orthodoxie also jeder einzelne, in erster Linie auch der natürliche Vertreter der Orthodoxie, die „Agudas-Jisroel" sollten eine Mnstcrkolonic einrichten, die aber als ihren Hauptbestandteil eine große Mustersarm enthält, auf der junge Leute, die gewillt sind, als Kolonisten späterhin im Geiste der Thora und ihrer heiligen Gebote zu leben, zu schaffen und zu wirken, in einigen Jahren die dazu nötige Ausbildung erhalte». Es würden da also junge Leute im Alter von 14 bis IG Jahren ausgenommen und in der praktischen Landwirtschaft unterrichtet werden; daneben würde in den Monaten, in denen der Landmann Palästinas für seine Hände wenig Arbeit hat, ihr Geist ansgebildcr werden. Es würde da Talmud und die besonders für den Landmann wichtige Gesetze unserer Thora besprochen und eingehend studiert werden, dann aber auch profane Studien, insbesondere etwas Agrochemie und Wirtschastsknndc getrieben werden. Verläßt dann nach etwa 3 bis 4 Jahren oder auch entsprechend längerer Zeit der Besucher die Anstalt, so müßte eine Darlehnskassc ihm für eine Reihe von Jahren ein zinsloses Darlehen gewähren zuin Ankauf und zur Bebauung, d. h. Urbarmachung von soviel Land, als man bei einfachster Lebensweise zum Unterlzglt einer Familie nötig hat. Auf diese Weise würde es uns gelingen, einen Stamm von Menschen heranznzichen, die als Bauern und fromme Juden gleich tüchtig wären. Während er das gelesen hat, hat sich wohl jeder im stillen die Fragen vorgelegt: „Woher sollen denn aber die Mittel kommen?" Ich gebe ohne weiteres zn, daß die Lösung der finanziellen Seite sehr viel Mühe erfordern wird. Es ist ein großer Opferwille nötig, und das erfordert eine ausgebreitcte Werbetätigkeit. Gerade darum trete ich auch jetzt schon mit diesem Gedanken hervor, zn einer Zeit, in welcher die Ausführung des Planes noch gar nicht möglich ist. Städten!:. I’ra*kf',irt