Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 4 (1918)
- Issue
- 1 (1.1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 zn selbständigem Leben erwache und langsam beginne, sich der nationalistischen Vormundschaft zu entziehen, veranlasse die Zionisten, in jeder Versammlung und bei jeder Gelegenheit Zusammenstöße zu provozieren. Die Tatsache stehe allerdings fest, daß ein sehr erheblicher Teil der polnischen Orthodoxie lieber mit den Assimilanten als mit den Zionisten zusammengehe, weil die Assimilanten gerade wegen der gewaltigen Kluft, die sie von uns trenne, als ungefährlich für die Jugend erachtet werde, während der Zionismus sehr häufig die Brücke zum Übergang aus der Traditionstreue zum religiösen Radikalismus bilde. Der junge Mann, der den äußeren Beigaben der polnischen Orthodoxie, den Peos und dem Challatt zu entgehen strebe, benutze dazu den Nationalismus, der ihm die innere Begründung für seine „Selbstbefreiung" liefert. Das „Jüdische Wort" erfülle eine kulturelle Aufgabe ersten Ranges. Namentlich seine Prämien, die Übersetzungen Hirsch'scher Schriften ins Jiddische, haben geradezu Wunder gewirkt und üben auch auf die Kreise der weiblichen Jugend eine elektrisierende Wirkung aus. Dringend notwendig seien polnische Übersetzungen dieser Schriften für Diejenigen, die kein Jiddisch lesen mögen. Herr Or. K o h n antwortet den verschiedenen Diskussionsrednern. Einzelne der Herren hätten seiner Ansicht nach national und nationalistisch miteinander verwechselt. National sind alle Orthodoxen in Polen, aber nicht nationalistisch. Das Organisationsstatut habe seine gewaltigen Vorzüge, auch der Oberrat sei unter den in Polen gegebenen Verhältnissen unentbehrlich. In einer nach Schluß der Diskussion mit allen gegen eine Stimme angenommenen Resolution wird den Delegierten der wärmste Dank für ihre erfolgreiche Tätigkeit ausgesprochen. Die Versammlung billigt die Grundsätze, die von den Herren Dr. Kohn und Dr, Carlebach auf politischem und kulturellem Gebiete bisher angewandt worden sind, und erkennt an, daß die Pflege guter Beziehungen zu den Polen und zur deutschen Verwaltung auch weiterhin im Interesse der jüdischen Bevölkerung in er st er Linie erstrebt werden muß. Ohne die grundsätzliche Stellung der „Agudas Jisroel" zur Frage der national-kulturellen Autonomie im Allgemeinen und in anderen Ländern zu präjndizieren, erkennt die Versammlung an, daß es nach Lage der Dinge in Polen nicht angängig sei, eine jüdische Autonomie durch Appell an äußere polnische Instanzen zu erzwingen. Die freie und kraftvolle Entfaltung des kulturellen und sozialen Lebens im Kreise des überlieferten Judentums kann und muß daher im Rahmender öffentlich-rechtlichen Anerkennung als Konfession erstrebt werden. über den Stand der Arbcitervermittlung und Arbeiterfürsorge der „Agudas Jisroel" berichtete, soweit Oberschlesten in Frage kommt, Herr Aron Kober-