Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 5 (1919)
- Issue
- Sonderheft (1.1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Umschwung der politischen Weltlage, der unserer praktischen Arbeit neue Aufgaben stellte, Aufgaben, deren sich der G.A. wohl bewußt war, und an deren Lösung er auch mit Eifer herantrat, die ihm aber ein solches Maß von Verantwortung aufbürdete, das allein zu tragen er ablehnen mußte. Die Erfahrung lehrte ja auch bald, daß der Standpunkt der Leitung in manchen Fragen von gewissen Kreisen der Organisation nicht gebilligt wurde, und man mußte daher befürchten, die Geschlossenheit der Organisation werde durch die inneren Kämpfe leiden. Die Aufstellung eines Arbeitsprogramms besonders führte zu tiefgreifenden Differenzen in der Organisation, ja sogar in einzelnen Gruppen. Von einem Mitgliederausschuß, der sich in Berlin bildete, wurden Rundschreiben verschickt, die zur An» nähme eines Programms aufforderten, das die meisten der von der Kopenhagener Zionistischen Zentralleitung erhobenen Forderungen übernommen hatte, das aber der Organisationsleitung entschieden zu weit ging- Als dieser Ausschuß dem G.A. ein Ultimatum stellte, wonach sein Progranml längstens nach 3 Tagen angenommen sein müßte, schien der Bruch unvermeidlich. Das durfte nicht geschehen, man mußte zu einer befriedigenden Lösung kommen. Alle diese Erwägungen ließeneine außerordentliche Delegiertenversammlung im höchsten Grade wünschenswert erscheinen, eine Delegiertenversammlung, die zu gleicher Zeit mit der Leitung der Stammorganisation, dem sogenannten Provisorischen Komitee, tagte, um Fühlung mit ihm zu nehmen, um wichtige Entscheidungen zu fällen, die der Genehmigung der Leitung der A.J. unterliegen. Natürlich waren unendlich große Schwierigkeiten zu überwinden, Verkohrsverhältnisse und die schlechten Verpflegungsmöglichkeiten. Weder Fulda noch Marburg konnten, durch viele Einquartierung überlastet, die Delegierten aufnehmen, und Halberstadt, das sich als Tagungsort angeboten hatte, kam nicht in Betracht, da es von allen Seiten nur sehr schwer zu erreichen ist. So wählten wir Cassel, und dank der Unterstützung, die wir dort fanden, konnten alle Vorbereitungen gut und schnell getroffen werden. Für die Unterkunft der Delegierten hatte Herr Rechtsanwalt Dr. Elias die nötigen Schritte getan, Herr Rabb. vr. Cohn- Marburg hatte für die Verhandlungstage die Aufsicht über das jüdische Hotel übernommen, sodaß auch die Verpflegungsfrage schließlich in bester Weise gelöst wurde. Beiden Herren sei an dieser Stelle herzlichst gedankt. Als Zeit konnten nur die Tage vom 31. 12. 18 bis 1. 1. 19 in Betracht kommen. Zu bedauern ist allerdings, daß nicht noch ein weiterer Tag zur Verfügung stand; denn die vielen gleichzeitigen Sitzungen der verschiedenen Organe und