Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 36.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 36.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 177 — üesultat meiner Beobachtungen den Leeern der “pst J"H1P3Ö. miteutheilen, am Vielen, die in ihren Ansichten in Besag eaf die Colonisetion Palästinas noch «ohwanken, eine beesere Meinung beisubringen. Findet der geehrte Leeer, dass die Ansiedler doch gar su viele Fehler gemacht haben, ■so möge er bedenken, dass ihnen alle Erfahrung mangelte, dass aller Anfang schwer ist, and dass diese Fehler geneigt haben, wie man'« besser machen mnas. Wer ein Hers für die Oolonieation hat, wird leicht verstehen, dass der Anfang ohne grosse Fehler nicht gemacht werden konnte. Ich will mit der Oesohiohte der Gründung der Oolonie beginnen, auf der ich, seitdem ich im Lande bin, wohne. Am 15. 3K des Jahres 2'VNN ritten fünf Männer auf Eseln und Maulthieren, die ausserdem mit Zelten beladen waren, von Jaffa auf dem Wege, der nach Jerusalem führt. Auf ihren -Geeichtem spiegelte sich die schwere Sorge ab, von welcher ihre Hermen bedrängt waren. Erat ritten sie östlich, bogen dann von der gebahnten Strasse nach Süden ab, und nachdem sie dieses bebaute Land und die Gärten, die sich gegen >(7tnVT mpo. hin erstrecken, verlassen hatten, trafen sieauf einen unbebauten Strich Landes. Hechte von ihnen sogen sich sandige Hügel hin, von links aus der Feme blickten die in Düster gehüllten Berge Judäa’s herüber, vor ihnen erstreckte sich eine endlose Wüste hin. Zuweilen begegneten ihnen Fellachen oder Beduinen. Sie wandten sich endlich links gegen einen niedrigen Hügel, wo die kleine Karawane anhielt. Schweigend stiegen sie ab, schweigend nahmen sie die Last von den Thieren, schweigend, aber mit thräneaerfÜllten Augen betrachteten sie sich den Fiats, — ihren sukünftigen Aufenthaltsort. Endlich brach einer von ihnen das Schweigen und sprach: B Brüder, auf diesem Hügel wollen wir das Fundament für das grosse Werk legen, das wir begonnen haben. Es wird für Viele, die einen ähnlichen Weg wandeln wollen, ein gutes Vorbild sein; nennen wir deshalb diesen Ort pxb pm, (, Anfang für Zijon«). Sie gaben sich schweigend die Hände, erfüllt von dem Gedanken an die Schwierigkeiten ihrer Aufgabe und gaben eich eine Zeit lang einem dumpfen Brüten hin, bis sie von der Sonnenhitze ermahnt wurden, ihre Zelte aufsuschlagen. Hier will ich über den Ankauf des Bodens berichten: Am 9. Ab 5642, an demselben Tage, an dem die Regierang erklärte, dass sie sich der Ansiedelung russischer und rumänischer Juden widersetsen und-die Landung derselben in Jaffa nicht gestatten würde, an demselben Tage wurde der Boden für “pSC^ pTK*l. gekauft, nämlich 3360 Dunam für 42,900 Francs. Neun Käufer waren beim Ankäufe betheiligt, die es im Verhältnisse des Beitrags folgendermassen vertheilten: Li buntin bekam 1680 Dunam, Frima.un 400, Ismann 300, Finberg 300, lebend 200, Chonkin 140, Libuntin 120, Judlibits 120 und Abramovits 100 Dunan. Libuntin trat hierauf 350 Dunam an. sechs arme Familien ab, die den Kaufpreis binndh fünf Jahren absutragen haben. Dieses Geld bestimmte Libuntin für die Errichtung eines Bethauses. Das angekaufte Land wurde jedoch an die einzelnen Käufer nicht abgegeben, um es einzeln zu bestellen; denn die erste Uebereinkunft lautete: Das Land wird nicht vertheilt, sondern gemeinschaftlich nach Bestimmung eines su wählenden Vorstandes bearbeitet, und Jeder der Gemeinde, welcher arbeitet, wird aus gemeinschaftlicher Kasse mit einem Franc täglich bezahlt. Der Ertrag wird im Verhältnisse des Bodenbesitzes getheilt. Jeder zahlte nun 1 Franc pro Dunam an die gemeinschaftliche Kasse, um alle Ausgaben damit zu bestreiten. Fahren wir in der begonnenen Erzählung fort: Die fünf Männer übernachteten an der - Stelle. Am anderen Morgen trafen noch weitere fünf Männer ein. Man wählte nun einen Aufseher, um die Feldarbeit su leiten und miethete noch Fellachen als Hilfsarbeiter. Zuerst machte man Wege für die Wagen; dann suchten sie einen Ort, um einen Brunnen zu gruben. Von der naheliegenden Oolonie „Sero na“ waren die deutschen Ansiedler gekommen, um die Juden bei der Arbeit su sehen. Sie stellten sich sehr erfreut und riethen ihnen, den Brunnen auf dem Hügel su graben, wo sie gewiss bei 20 Meter Tiefe schon Wasser finden würden. Die Leute graben nun bis su 28 Meter Tiefe, ohne Wasser zu finden; sie sahen ein, dass der Rath der Deutschen ein falscher gewesen und begannen am Fasse des Hügels za graben. Nun trat eine Zeit grosser Noth ein; die Hitze stieg von Tag zu Tag, und es gab noch kein Wasser. Sie mussten es von dem eine Stunde entfernten Dorfe 717 D?" auf Eseln holen. Dazu kam, dass sie, wenn der Tag mit ungewohnter harter Arbeit in Hitze und Durst vorüber war, in der Nacht ihr Vieh vor den diebischen Arabern hüten mussten. So vergingen drei Monate; da» Geld in der Kasse wurde knapper, und sie mussten sich entechliessen zum zweiten und später sogar noch zum dritten Male einen Franc pro Dunam zusammen zu legen. Ihr Vieh, mit dem sie nicht recht umzugehen verstanden, wurde immer