Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 19. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 19.
Article
Beilage zu Nᵒ 19.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal additional
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5369809-5935099-5938156-5938274--5109-5377857
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 118 — Dia Colonisatlon P&Utatlna’s. Bericht vom ('oloniHationn-Verein "V,i!T'3..»*) AU die grässlichen Verfolgungen gegen die Juden in KueeUud wütheteu und Mensohen, deren einzige« Verbrechen darin beetand, Abkömmlinge Jakobe eioh au nennen, um ihre« Glauben« willen die unmeneohliohateu und roheeten Gewalttaten erdulden mueeten, da kamen auoh wir, einige Studenten der UnivereiMt Charkow, die wir in dem Wahne lebten, durch würdige« Eintreten in den Beetrebuugakreie unterer niohtjüdieohen Mitbürger alle Vorurteile bannen au können, au der traurigen Ueberaeugung, daaa unter Streben eben nur einem Wahne galt, der durch die trottlote Wirklichkeit aui’e Oriaaliohate illuatrirt wurde. Wir beaohloaaen daher, una wieder mit unterem Volke au vereinigen und dahin Augen und Schritte au lenken, wo der Ruhm unterer glorreichen Vergangenheit und da« Ideal unterer hoffnunga vollen Zukunft ihre höohaten Triumphe feiern. Naoh den Stufen der Zionsburg ging unter Sehnen, und unter Schmachten galt den verfallenen Mauern dea Tempelheiligthuins. Dreihundert an der Zahl gründeten wir den Verein “T'S'2„ und in alsbaldiger Ausführung unserer Devise machten wir unserer Dreiaaig una auf den Weg nach dem heiligen Lande. Vier von una blieben in Konstantinopel, um bei der türkischen Regierung die uöthigen Schritte aur Coloniaation Palästina’« einauleiten. Seohsaehn Monate mussten eie in der Hauptstadt des ottomanisohen Reiches aubringen. Wahrend dieser langen Zeit mussten unsere Delegirten von unserer Gesellschaft unterhalten werden, was grosse Opfer erforderte.**) Denn die Zeit war unserer Sache nicht günstig; die Pforte war in der egyptisohen Frage mit eigenen Angelegenheiten vollauf beschäftigt. Dennoch gelang es unseren Delegirten, in den höheren Kreisen der türkischen Beamten Eingang au finden. Zunächst fanden sie bei dem Kriegsminister Osman Pascha, dem ehemaligen Gefangenen von Charkow, freundliche Aufnahme und Aufmunterung au Geduld und Ausdauer, zwei Eigenschaften, deren Nothwendigkeit bei Verhandlungen mit der türkischen Regierung spater uns klar einleuchtete. Auoh General Wels, der amerikanische Gesandte, hat durch seine freundliche Beihilfe sich gerechten Anspruch aut unseren Dank erworben. Nach den verschiedensten Erwägungen und Verhandlungen in den einaelnen Ressorts beschloss endlich der Ministerrath, unserer Bitte zu entsprechen und behufs Colonisirung uns Grundstücke in Syrien unter günstigen Bedingungen au überlassen, vorausgesetzt, dass die russische Regierung nichts dagegen ein wende, wenn ihre ehemaligen Unterthanen türkische Staatsangehörige werden. Eine in diesem Sinne abgegaugene Note ist von Petersburg noch nicht beantwortet, bezw. die Antwort uns noch nicht augegangen Doch hoffen wir unter Gottes Beistand, diesen ersten und wichtigsten Theil unserer Mission glücklich zu Ende au führen Jetzt sind unsere Delegirten mit uns vereinigt, um gemeinschaftlich den heiligen Boden au bearbeiten. Diejenigen unserer Mitglieder, welche direkt nach Palästina reisten, betraten den heiligen Boden am 12. Tamus 5642. Unser Hauptaugenmerk war auf Ackerbau gerichtet, denn damit wollten wir zunächst uns selbt heranbilden und für die spätere Colonisirung genügend uns vorbereiten, abgesehen davon, dass es auch unser Bestreben war, bis dahin durch eigener Hände Arbeit unser Dasein zu fristen und keine fremde Hilfe in Anspruch au nehmen. Ganz besonders aber bezweckten wir, anderen Emigranten mit gutem Beispiele voranzugehen und zu zeigen, dass wir, die wir vor wenigen Wochen noch in den Hörsälen der Universität uns bewegten, uns nicht zu vornehm dünken, um mit den Aokergeräthen den Boden aufzuwühlen und in dem höheren geistigen Zwecke Muth, Kraft und Ausdauer au finden. So gelang es uns, das weit verbreitete Vorurtheil, als ob Juden zum Ackerbau nicht fähig seien, auf’s Glänzendste zu widerlegen. Unser erstes Unterkommen fanden wir in “<7KaRT' .“PpO,, (der bekannten von der Alliance begründeten Aokerbausohulel Bei glühenden Sonnenstrahlen und der brennendsten Hitze unternahmen wir, an keine *) Aus den Anfangsbuchstabe der Wort«; („1. .2 "7Vt .171 11*21 .12*531 12*5 2j5S' IV2 gebildet. **) Aua diesem Aufenthalte in Konstantinopel retultiren die Schulden unterer Gesellschaft, mit ungefähr 3000 Mark; wir hoffen sicher, dass unsere Glaubensgenossen ausserhalb Palästina’« diese Sohuld auch als die ihrige anerkennen. Denn der allererste Schritt sur Coloniaation, nämlich die Unterhandlung mit der türkischen Regierung, ist von unserer Gesellschaft aasgegangen und nur von der richtigen weiteren Behandlung 1 längt das Gelingen der gansen Angelegenheit ah.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.