Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 6.
- Article
- Beilage zu Nᵒ 6.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal additional
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5369809-5935099-5938142-5938266--4945-5377809- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
schämten ans ihm die Soenen zu erzählen, die wir hier mit den Baoauern and Anderen hatten, dass wir and aach viele Mitglieder der Suocursaloomitä’s genug den Kritiken and Beleidigungen ausgeeetxt waren; wir schämten ans ihm xa sagen, dass hierzulande Jedermann, der sich in Zorohe Z i b a r mischt, allen Schmähungen aasgesetzt sei. Die bessere Classe schimpft zwar nicht, hilft and unterstützt aber auch nicht Herr Veneziani glantte ans auf gleicher Höhe — im Verhältnisse — wie die Alliance in Paris, wo das dortige 6.-6. Millionen für die russischen Flüchtlinge erhalten, die sie zur Beförderung and Rüokbringung derselben nach and von Amerika verwendete ohne dort zu reassiren. Indessen hat keiner der grossen Spender kritisirt, die kleineren gewiss nicht; denn Jedermann weise, dass die Männer, die mit der Alliance arbeiten, gewiss ihr Möglichstes gethan and in bester Absicht. Wenn das Unternehmen misslangen, ist es nicht deren Schuld. Aber hierzulande ist es Jedermann bekannt, wie weit es mit den Kritiken und Beschimpfungen gekommen. Das Alles konnten wir natürlich nicht sagen. Wir besuchten nun mit Herrn Yeneziani die Herren Haifon, Farchiund Em. Rosenthal, hatten dann eine Zusammenkunft mit erwähnten Herren und noch anderen Notabein im 6omptoir der Herren Haifon und im Beisein des Herrn Yeneziani, wo Herr Haifon 2000, Herr Farchi 1000 und Herr Rosenthal 1000 Frcs. für die 6olonie zeichneten und sich noch verpflichteten, 6000 Frcs. von den anderen Reichen in Bukarest zu sammeln und sofort nach Jassy an unseren General - Cassier abzusenden. — Nach zweitägigem Aufenthalte reiste Herr Yeneziani nach Paris und wir nach Jassy, wo wir zwar die meisten unserer Subscribenten abwesend fanden, aber einige doch trafen. Wir erwarteten die 10,000 Frcs. aus Bukarest, um den Reichen Jassy’s ein Beispiel vor Augen zu halten und deren Spenden entgegenzunehmen; aber es scheint ein seltsames Missgeschick über die Armen zu walten, die Reichen haben jederzeit mehr Glück, nämlich: aus Hu karr st traf kein Geld ein und Jassy sah sich also nicht verpflichtet seine unterschriebenen Summen zu bczah/en!/! Als rühmliche Ausnahmen erwähnen wir die Herren: D. Lothringer mit 1000 Frcs.: Dr. Taussig mit 500 Frcs.; Daniel 500 Frcs.; L L.Garfunkel 250 Frcs.; F. Byk 200 Frcs. und andere kleinere Beiträge. Wir sahen uns bereits als einfache Bettelnde — soweit wollten |wir uns aber nicht degradiren. Wir wollen gerne für unsere armen Glaubensgenossen Alles thun: schreiben, fahren sprechen, bitten — aber nicht betteln! — Das wird uns Jeder zugeben. — Es war uns traurig genug, in Jassy von einem Manne, der 500 Frcs. eigenhändig unterschrieben, vernehmen zu müssen, dass er von vornherein in der Absicht unterschrieben, — um nicht zu zahlen! Dieser und noch andere Herren ähnlichen Charakters meinten, mit ihren Unterschriften der Stadt Jassy ein Ansehen zu verschaffen, wie sie sich ausdrückten, da SirOliphant bei der General-Versammlung zugegen war, als der Subscriptionsbogen circulirte. — Herr Neuschote liess zwar seinem Procuranten Ordre zurück, 3000 Frcs. zu geben, sobald der Betrag vervollständigt sein würde; da dieses aber nicht der Fall war, fand Jener sich auch nicht berechtigt, diese Summe unserer Casse zuzuführen! Von Jassy gingen wir nach Folticcni; auch dort giebt es reiche Leut», die einen Unterschied machen zwischen Unterschreiben und Geben. Wir er Hessen ihnen aber die „veralteten“ Zeichnungen, und conventionirten von einigen der reichen Herren 1000 Frcs. — und noch 1000 die sie zu sammeln sich verpflichteten, in Folge einer Predigt, die der ehrwürdige Rabbiner, Herr 8. D. Tauber aus Jassy, der so freundlich war uns nach Foltioeni zu begleiten, in der dortigen Synagoge gehalten. Um kurz zu sein: Auch die Folticener Gelder sind bis jetzt nicht in Jassy eingctrojfcn. Den Gommentar zu alledem möge sich Jeder selbst machen. — Wir mussten dann geschäftshalber nach Gal atz zurück, von wo wir 10 Tage abwesend gewesen. Wir rechneten, dass in Folge unserer öfteren Mahnbriefe in Bukarest, Jassy und Foltioeni wohl noch 18,000 Frcs. Zusammenkommen werden Wir hätten freudig auch das Opfer einer nochmaligen Reise nach den anderen Städten gebracht; da wir uns aber in unserer Hoffnung getäuscht sahen, hielten wir fernere Reisen für unnütz. Wir hatten uns wahrlich geschämt, das Resultat unserer Reise Herrn Yeneziani mitzutheilen, er würde sonst gewiss gesagt haben: Die Juden Rumäniens verdienen ihr Schicksal, wenn die meisten Reichen nicht Wort halten!