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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1884-01-01 · 15. Jahrgang Nᵒ 3. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
15 (1884)
Issue
15. Jahrgang Nᵒ 3.
Article
Beilage zu Nᵒ 3.
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 58 — Der Anschlag einet« Theiles derselben »ui den ehrwürdigen Kabbi Samuel Salant batte aie genügend gekennzeichnet. Von diesen Kreisen also muss ioh mioh fern halten. Dagegen war es mir eine grosse Freude, vor Kurzem eine Mutter mit seohs Kindern nach Odessa senden zu können, welche durch den würdigen Vorsteher vom Kolel Horodeo, Herrn Jsrael Horwitz, bewogen wurde, mit ihren Kindern aus der Mission auszutreten. Den Mann hatten wir sarnint der Familie vor einem Jahre zurückgesohickt, nun war er wieder gekommen, um wenige Wochen nach seiner Ankunft plötzlich zu sterben. Einen jungen Mann, der bereits dreizehn Monate in der Mission weilte und dicht vor der Taufe stand — er war sogar wegen seiner Fähigkeiten zu der edlen Lautbahn eines Juden bekehren« bestimmt!!! — habe ich mit vorläufigen Unterhaltungskosten und einem Billet nach Odessa versehen. Ich verhehle nicht, dass ich mein Misstrauen gegen solche Menschen nicht zurückdrängen kann, aber vielleicht ist doch hier einem fast Verlorenen der Weg zur Rettung geöffnet, und auch dieses Vielleicht ist schon eines Opfers werth. Selbstverständlich sind solche Fälle nicht häufig, sie kommen aber doch hin und wieder vor. Nohon ist mir neuerdings ein reuiger Jüngling aus der Mission angemeldet; für solche fast schon Verlorene bin ich glücklich, einen kleinen Fond in Händen zu haben. Sind es also nur Einzelne, denen mau die Hand zur Erlösung reichen kann, so möge trotzdem unser Eifer nicht erlahmen. Bleiben wir eingedenk des Spruches: „War nur alna jüdische Seele erhält, dem wird dieeee Verdienet eo hoch angerechnet, ale hätte er eine Welt Im Kleinen erhalten!“ L)r. W. Herzberg, Director des Deutsch-Jüdischen Waisenhauses. Die Baron Lionel von Rothschild-Schule in Jerusalem. (Aus dem „Jewish Chronlele“.) Als das grösste Hinderniss für die Verbesserung der Lage der Juden in Jerusalem wird die mangelhafte Erziehung der dortigen Jugend anerkannt und die hieraus entspringende Unfähigkeit der jungen Leute beider Geschlechter irgend eine Beschäftigung zu ergreifen, die ihnen die hinlänglichen Mittel zur Existenz gewähren würde. Die schon bestehenden jüdischen Schulen beschränkten sich auf den Unterricht im Hebräischen und in der Religion, während die protestantischen Missionäre unentgeldlichen Unterricht in guten Schulen gewährten, mit denen überdies auch noch materielle Unterstützung für die Schule verbunden war, Eltern, die durch Armuth getrieben wurden oder in ihren Prinzipien schwach waren, ermangelten nicht, diese heimtückischen Wohlthaten anzunehmen, und zahlreiche jüdische Kinder sind tereits vom Glauben ihrer Väter abgefallen oder fallen noch ab, um, dem Namen nach Christen, in der That aber Heuchler, ohne irgend welches religiöses Gefühl, zu werden. Hierdurch sind die Begriffe ,weltliche Erziehung“ und «Abfall“ in den Augen der jüdischen Autoritäten so identisch geworden, dass sie gegen jeden Versuch einer solchen Erziehung seither immer Front machten, und so oft irgend einer unserer Glaubensgenossen, mit den besten Absichten, Schulen errichten wollte, um den Kindern sowohl eine religiöse als auch eine weltliche Erziehung angedeihen zu lassen, stemmten sich die Rabbiner, besonders diejenigen vom Aschkenäsischen Ritus, mit ihrem ganzen Einfluss dagegen, und. so misslangen alle derartigen Versuche. Um diesem traurigen und sehr ernsten Zustande abzuhelfen, kam Herr Samuel Mont&gue, welcher durch die werth volle Hülfe des Sir N. W. von Rothschild und noch einem oder zwei Freunden unterstützt wurde, auf den Gedanken, den Versuch zu machen, durch Anstellung eines tüchtigen Lehrers, dessen Strenggläubigkeit ausser allem Zweifel stände, sich die gute Meinung der jüdischen Autoritäten Jerusalems zu gewinnen und Grundstücke zu erwerben, auf welchen eine Schule für fünfzig Knaben errichtet, und wo die gewöhnlichen Gegenstände der weltlichen Erziehung mit dem Studium des Hebräischen und der Religion verbunden werden sollte

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