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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 52 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
52 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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.«52. Jüdisch«« 1884. Der träum W Pharao. Von I>r. g «oldlchmldl-Bellburg. — Zuiet Märtyrer. ttin Hapllrl au« d«r Leb«n«aeschlchie der Juden. (®d)lufc.) — Bethel Henry StrouSberu und da» Judenthum. «Schluß.) — Allerlei für den Famlllentlsch: Frank» ^nydSSd« sun a. M. — 8leine jüdische Ldarakterzüg». Id. Der Zeiger laugt nicht».— Alte« hebrttlsche» SprÜchwort. — Rltthselausgaben. — Rütbselldsungen. — Brteikasien der Redacitan. —————— Der Trau« de* Pharao. Znm vochenadschnitt lüid»,. Vitara» sah ia seinem Trau«« Sieden fette K«tz» steigen »n« den Elnthen seine« Nil»«. «n» dann kamen sieden «agr'e. Und di« mager« sie »ersettlangen Nasch die sieden fetten Mit, Und r« mar nicht ,n »»merken. Da« sie sie verschlangen hatten. — Bai» d'ranf sah er, »ritrr träumend, Sieden »ehren, »oll von schmoren Körnern, an« dem Niel« steigen. Ihnen folgten »ieder sieden, von dem Sturm» leergedroschnr »ehren, und verschlangen gierig Ihr« sieden fetten Schmeftern. «keusch, »in Bild ist'« deine« Dasein«. Einem Strome gleicht dein Lrden. Dein» Tag« sind di» Wellen, Die sich unaufhörlich jagen. Ihm entsteige« in der Jugend Bi« zur Om* de« Mauneoalter« Blühend« Kräfte mannigfaltig, Di» da« Joch dir tragen helfen, Di» dir reich« Nahrung spenden. Siedenfach .... »er mill sie zählen k Doch r« kommen dann die Jahre, Di« dir nicht gefallrn können, Wo dem Strom« deine« Veden« Hohl« Kräfte nur entsteigen» Die nicht tragen, die nicht schaffen, Di« mit gierigem Hrißhnnger »Ue frsihern Schaffenakräft« Dhn« Spur in sich verschlingen. Endlich kommt der «roß« Schlinger» Dessen Schlund «in em'ger »dgrnnd, Den dt« Zeiten niemal« fällen. — Wie dn diesen millft entrinnen k La« von Joseph dich delehrrn: Sammle emsig in den Jahren Der Fruchtbarkeit, deiner Thatkraft» Und errichte vorrathakammrrn, Wo den Uedersin« der guten Jahr« dn »orsoralich fortlegst» F«r dt« spätrrn schlimmen Jahre» Die nicht schaffen, nur verzehren. — Tugend, treu« Vsitchterfällnng Sin» dt» sichern Vorrathakammrrn» Di« bewahren nnvermäftlich, Wa« dn in »er Kräfte Bläth« Fär die Emtgkeit »nfspricherst. vr. I. Ooldschmidt-Weildurg. Zwei Märtyrer. »in Kapitel au» der Leidensgeschichte der Juden. (S-dluß.) Awn« Antlitz verfinsterte sich mehr und mehr beim dlnhör«, dieser Erzählung; weder Freunde, noch Verwandte Ikbten ihm unter den armen Brrurtheilten. doch wiederum seuszten Hunderte seiner GlaubenSbrüder unter dem Flucht, der auf dem Bolle lastete; in ohnmächtiger Wuth brach er in entsetzliche Verwünschungen au». .Und Du sangst von Wonne und Glück!" wandte er sich dann an Elija', dessen Antlitz, obwohl marmorbleich, wie von Begeisterung erglänzte, .singe ti noch einmal, da« süße Liedchen! Ein prächtiger Grub für rin zerstörte« Vaterhaus und niedrrgemehelte Berwandte I O, finge doch von süßem Hoffen, singe doch von den Freuden der Liebe!" .Sei ruhig. Aron, sie sollen gerettet werden!" .Gerettet, Du Thor? — Flehe doch de» hungrigen Wolf an, da» geraubte Lamm zu lassen, den nach Blut lechzende» Löwen, auf seine erkänipste Beute zu verzichten." Wa» Elija dem Rasenden antwortete, waren nur wenige, aber wohl inhaltsschwere Worte, denn Aron prallte zurück wie vor etwa« Ungeheuerlichem, er starrte den Jüngling an. al« könnte er den Sinn dieser Worte nicht fassen. „Du könntest — Du wolltest? — wie?! Du willst Allem entsagen?" fiel e« endlich von seinen bebenden Lippen. „Ich entsage nicht! Es ist nichts weiter als ein Tribut der Dankbarkeit für empfangene, unaussprechliche, herrliche Segnungen!" .Und Rachel?' Elija, Deine Rachel! hast Du an sie gedacht?" .Ob ich an sie gedacht!" Da« convulsivischc Beben, da« Elija« ganzen Körper erschütterte, - sagte genug. Nach kurzer Pause jedoch fügte er ruhig hinzu: „Ich weiß, sie würde in gleicher Sache gleich mir handeln. Ihr Geist spricht in mir. mich anspornend, D a S zu thuu, wa« mein Herz mir eingiebt. Was gilt das Glück des Einzelnen, wenn e« sich um da» Leben von Hunderten handelt?" Vergeben« suchte der harte, finstere Aron seine tiefe Erschütterung zu bemeistern, krampfhaft umschlang er Elija und wir Schluchzen rang e« sich von seinen Lippen: ,Bergieb mir! Bon Dir, den ich verhöhnt und verurtheilt, von Dir muß ich lernen, wa» meine Pflicht ist! Wo Du hingehst. will auch ich hingehen. wo Du stirbst, sterbe auch ich; mach« mit mir. wa» Du willst, mein Bruder!" Und die Tage und die Nächte kamen und gingen. Die unglücklichen Juden von Worm« warteten in dem dumpfbrütenden Schweigen der äußersten Berzweiflung. daß sich ihr Berhängniß erfülle. Dir Festsieude de« Passah, die selbst in den düstersten Tagen der Verfolgungen etwa« wie neue Lebenslust und Hoffnung in die wunden Seelen geträufelt, war völlig erloschen und hatte der tiefften Niedergeschlagenheit Platz gemacht. Der Gedanke an da« gleiche Schicksal von Hunderten. Tausenden ihre« Bolle« trat wieder unabweisbar vor ihre gemarterten Seelen: Gott, der allein sie retten konnte, hatte fein Antlitz im Zorn von seinem gcänasteten Bolke gewendet Rur rin einziger Trost richtete sie aus. und im Gedanken daran preßten Mütter ihre unschuldigen Säuglinge, Männer ihre zitternden Weiber fester an die Brust — der Trost, daß Niemand übrig bleiben sollte, um die Anderen zu beweinen, daß sie zusammen sterben konnten.

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