Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 51 (1884) · p. Seite 203

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
51 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492351-8722841-5938257--0253-5377783
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Lfjdi fei Wannt gemacht »orten, di» ganze jüdische 8e> ßzikrlunsolle ohne Rücksicht auf Alter, ««schlecht oder BianD vertilgt werden, wenn nicht die beiden Schuldigen ßngetiefert würden. Eine Frist von sieben Tageit war nÜki, bewilligt. Nudloser Aufruf! Wer sollte sich al« Khäit-r stellen, wo alle sich völlig schuldlos fühlten? Die Uhore der Stadt wurden geschlossen. Lein Jude durfte den «ns,ich machen, sich zu entfernen. Allein dem Träger dieser Schreckens-Botschaft war es mit Gefahr de« Leben» zu ent- »nchen gelungen. _ (6d)lufc fofot', Die Ge»ei«de-Verwalt«»g i« Algier. I C Da« algierische Eonsislorium hat einen au«sührlicheu I-ericht über seine Thätigkeit und die Berwaltuagsergeb- >nße der Etatsjahre 1882/83 veröffentlicht.*) dem wir Ito« Nachstehende entnehmen. Die große Liste der Spender Ina Gaben an da« Wohlthätigkeit«>Eomitö bekundet, daß in llfrifa da« jüdische Herz ebenso warm den Nothleidenden Intgegeuschlägt, al« in Europa. Da« Eonsistorium zerfällt I» 3 Sektionen: 1) für den Lultu«, 2) die Wohlthätigkeit Ind den Religionsunterricht (hier heißt es Synagogenliommission) und 3) Jeschiboh-Eommission. »cl 1) besteht au« 116 Mitgliedern. den Grandrabdin und Eonsistorialmit» Izlieder eingerechnet. Ihr unterstehen die 5 Synagogen (der Ipoße Tempel, die Synagogen Gugenheim. Hör, Babet-Ued und Iet Eugen). Ihre Einnahmen betrugen 1882: Frcs. 17.8v2.lli Int> 1883: Frrs. 16,038.45, die Ausgaben: 14.466.v5 und Il7.v2l.4v. Die Trauungen werden immer htufiger in den khnagogen vorgenommen und bilden eine beträchtliche Einnhmequelle. »ä 2) besteht au« 22 Mitgliedern. — Auch Itr Anordnung der Beerdigung gehört zu seinen Funktionen. > Die Einnahmen beliefen sich 1882 auf 132,654.45 Fr. und 1883 auf 129,131.90 Fr., die Ausgaben 131.873.1V Fr. nd l28,958.8V Fr. Die Einkünfte stammen aus sehr starren Zuschüssen des Eonsistorium«. aus Sammlungen am Purim, '»tu Pessach und Roschhaschonoh u. s. f. Dagegen werden «ich wöchentlich an Arme ungefähr 1500 Fr. vertheilt. •d 3) Die Jeschibah ist eine Art jüdische Hochschule, die llubdiner und Bvrbetn heranbildet. Ihre Lasse wird durch me» zwülfgliedrigrn Rath venvaltrt und. gefüllt durch Jahresieiträge von Privaten, außerordentliche Zuwendungen u. s. s. Die Einnahmen beziffern sich mit 18.278 Fr. 1882 und 10.413 Fr 1883. Die Ausgaben haben ziemlich dieselbe Höhe (GrsomnitjahreSeinnahme ca. 15Ü.VVV Fr.). Unter den vereinen, welche unter Aussicht de« Eonsistorium« wirken, hebe» wir Illobar habothaloth (Ausstattung armer Bräute) drvor, weicher 1882: 45 und 1883: 41 Bräute au« den Anträgen seiner Mitglieder ausgestattet hat. 1500 Frrs. giebt tu« Eonsistorium alljährlich dem Bereine „die Arbeit", weicher I>nige Menschen zu Handwerkern in die Lchrr bringt. Unter dritter Verwaltung de« Eonsistorium« befindet sich die Lchechitah^ die 113—115.VVV Fr. rinträgt, die Talmud-Thora r s. f. Sein Spezialbudget hat ca. 13V.VVV Frcs. Einnahmen wd Ausgaben. An Baardestand war am 1. Januar n. 57,239.53 Fr. in Laffe, während die Gebäude einen Verth von 138,700 Fr. repräsentirten. Allerlei fiir de« Familie«tisch. y«bkittn «»> K««q»ter. Bon seinem Rabbinatssitze in Oberndorf reiste R. Gabriel Adler nach Frankfurt und Hannover; als geborener Frank» f>Ner war er dem Baron Amschel v. Rothschild au« ") Wir könne» »« de» BorstSndrn aller, auch «er kleinsten «ie veinden, nicht dringend genug anempsrhlen, diese« Beispiel nachzuahmen. Oesfenilichkrii erzwingt gute Berwatiung und treibt zu reger ldi!sah«» an de» Genwindeangetegenheite». Da« ist jüngst auch w ^lSshterverfamMlung der isr. GemeindeMitglicher in Wien gesnrdert va« Borstande auch zugesagt worden. Klnen Jugendjahrea bekannt und wurde von ihm eina,laden. abbi Bär Adler führt« seinen Bruder. Rabbi Gabriel, der schüchtern und ängstlich war, bei dem Baron mit den Worten ein: "»«V 7«2 2*N.*) Lr besuchte den Baron öfters, beim Abschied stellte e« der Baron in seiner Wahl, ob er al« Andenken einen schönen, werthvollen Pokal, oder eine Summe Gelde« haben wolle. Rabbi Gabriel erwiderte, er möge di« zugedachte Summe i n den Pokal legen und ihm beide« überreichen, wa« auch der, Baron bereitwilligst that. Ei» Am vergangenen Jomkippur eiferte Herr Prediger vr. L. im Hamburger „Tempel" gegen die schwache Betheiligung der Mitglieder der Tempelgemeinde am Gottesdienste an den Sabbath- und Festtagen. Ein Bonmotist bemerkte hierzu: „Daran habe dir Inschrift über dem Hauptportal de« Tempel- Schuld, welche da« Jahr der Erbauung nach der sogenannten „kleine» Zahl" angiebt, sie lautet: p"® ' "71 DW2 1*271 "[PC „Gesegnet so da kommen im Name» Gotte« — in kleiner Anzahl". Falgrisve» wird dem Kaiser Franz Joseph nacherzählt: Ein Höfling, der die Juden nicht leiden mochte, bemerkte auf einer Reise zum Kaiser: „Dieser Kreis ist von Juden voll. Wohin der Kaiser au» seinem Schlöffe in die Umgebung sich bemüht, findet er nicht« al« Häuser und Güter der Juden!" — „So iff« recht", meinte Kaiser Franz Joseph, „ich bin ja auch König von Jerusalem und der König wohnt von Rechts wegen inmitten seines Bolle«". Kleine jüdische Eharacterzüge. Bon Up. Rk. in Brandenburg. 14. Der A«»»r1e«»*grl. Ein Ehason (Borbeter) hatte eine schöne Stimme, aber spottwenig Verständniß der hebr. Gebete, die er vortrug. Ein Gelehrter machte ihn aus die Nothwendigkeit dieses Berständniffe« aufmerksam, aber alle solche Vorstellungen waren vergebens. Da« verdroß den Gelchrten. und als sich einst der Ehason um eine andere Stelle bewarb und der Gelehrte um Auskunft über ihn gebeten wurde, antwortete er: „Unser Ehason ist der reine Kanarienvogel". Diese lakonische Antwort verstand man aber nicht recht und man ersuchte den Gelchrten um Aufklärung darüber. „Nun, erwiderte er. unser Ehason singt eben so schön und versteht die hebräische Sprache eben so gut, wie der beste Kanarienvogel". — Derselbe Gelehrte erwähnte einmal in einem Gespräch mit einem Gemeindevorsteher die Wannte Ansicht der Decisoren, wonach ein Knabe von 13 Jahren, der versteht, was er betet, auch wenn er keine angenehme Stimme habe, einem unwiffenden Aeltern mit angenehmer Stimme, selbst wenn das Volk an diesem Wohlgefallen findet, als Vorbeter vor» zuziehcn ist. Das gloffirte der Herr Vorsteher, der nicht gerade zu den gebildetsten Juden gehörte, in der ihm eigenen Weise, der Gelehrte aber erwiderte nichts. Als das Neujahrs¬ und Versöhnung-fest herannahte, suchte der Herr Vorsteher für diese Zeit einen HilfSvorbeter. Es meldete» sich mehrere Männer, die hinsichtlich der Stimme und de« Gebctverständ» niffe« die besten Zeugnisse eingesandt hatten, aber alle verlangten, wie der Herr Vorsteher vermeinte, ein zu große- Honorar, alle waren ihm „zu theucr". Er klagte seine Roth dem Gelehrten, und dieser bemerkte ihm in echt volkspädagogischer Weise- .Herr Vorsteher, ich weiß einen viel billiger» Vorbei«, der Ihnen. doch genügen muß — ich meine Ihren Kanarienvogel". *) „Cin Rabbiner, wie er in ber Bibel steht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.