Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 47 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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»R 47» Jüdisches 1884. - t Jüdische Eilhourilni au» Maiizirn. Bon Raitz«« Eamukly. UV. Biel Liirm. (Schluß.) — Heinrich Redlich. Prosesior vllUÜtl! der Rnpsrrsiichkunst. Bon Lin» Bkorarn-ern. — Allerlei siir den Familientisch: Ramsgalc. — Alzey. — London. — ” Rußland. — Bloniefiore-Aldu«. — Pari». — Kiew. — Richsel-Ausgaben. — Rilihsellitsungen. ll Jüdische Ki1ho»rtter» ««« Galixie«. Bon Rathan Eamuely. XIV. «ies Lärm.') (Schluß». Born, wo der Rebbe mit den Vornehmen der Gemeinde sich befände», halte man nicht die leiseste Ahnung von der Aufregung, welche die Menge hinten beherrschte, weil ja die »irre» Rufe, dir in der widersprrchrndslrn Art von verschiedenen Seiten gleichzeitig ertönten. sich gegenseitig verschlangen und in dem allgemeine» Summen, Flüstern und Lärmen wie in einr« brausenden Meere verzischten. „Rebbelrd, gehe» wir schon!* wandle sich einer der Vornehmen an den Rrbbe». .Sofort* erwiderte dieser .bald wird er ja komme»!' .Bald wird „Sr* ja komme»!* sing einer die letzten körte de« Rrbbe aus und schmetterte sie wie einr Trompete in die Menge .der Rrbbe sagl: .Sr* wird bald kommen!* „Sr wird bald kommen!* wiederholte rin vielsiimmigr« Scho. „Kommen wird .Sr* sagt Redde!' pflanzte e« sich von Mund zu Mund imttrrr Weiler. .Wer wird bald kommen?* fragten wieder mehrere Neugierige. .Ru. Sie wiflrn nicht, wer beim Rrbbe .Sr* heißt?* .Wer heißt beim Redde .Sr'?* ,Ru, der Mrschiach I**) .Mrschiach wird kommen* ging es elektrisch durch dir Menge .der Reble sagt: Mrschiach wird bald kommen!' .Horcht«, Mrschiach wird kommen — der Rrbbe sagt»!' sprang Süre Heidemach wie toll umher, mit seinen taugen, stoßenden Händen sich mitten durch die Menge Bahn brechend. .Mrschiach ist gekommen! Mrschiach ist gekommen!* zischte, flüsterte und summte e» von allen Seiten . . . * .Hier brennt» ja nicht* sagte die Rachbarin. die mit der frommen Gruendel soft athemlo» bei der vcrmeintlichro Arandstrüe augelanat ist. ,Wa» soll ich da sprerben mit einer Kuh. die nicht versieh«, wa« man zu ihr spricht?* eiferte die fromme Eeuendel. .Muß denn gerade schon breunru? Wenn der hnligr Rebbe gesagt hat. so wird'» gewiß.bald hier brennen — lannst darauf Gift nehmen!" ..In diesem Hanse wohn« ja der Rebbe selber"' wendete bir Nachbarin ein. ..Darum hat ja eben der heilige Rebbe, der Alle» immer »otau» sieht, hergcschickt, damit man sich vorbereitet mache!" .Und wozu der kleine Hawrelku?* wollte die begriff«- stutzige Nachbarin immer nicht verstehe« . . . .Wa« soll ich da mit einem Klotz sprechen!" erwiderte deunidrl wegwerfend, da sie keine bessere Antwort bei der Haud hatte. _ •) 2» Mt. «r. 1. «p. U. L «e« .«nud»kch«N»* ß .«oht nlnr». Dir bescheidene Nachbarin gab sich mit dieser Erklärung zufrieden und beide standen, die Hände über die Schürze verschränkt, und wartete» bi» der Brand durch den Schornstein emporschlagen werde . . . m * » In der Gruppe vor dem Schnapshause, wollte man über diese Frage genauer unterrichtet sein . . . „Wo ist der Jude mit dem kleinen Hawrelku verschwunden?" ftagtc einer dieser ehrenhaften Gesellschaft . . . ,Hm" machte ein Zweiter, ein handfester Metzgrrgeselle— .Da« «st ja sonnenklar!" .Wa» ist sonnenklar?' „Wohin er verschwunden ist." „Wohin? So sag'« Mechrilr!" „Wisset Ihr, wa« nächste Woche bei den Jude» ist?" begann er. ,Wc>»? Wa«? Wa« ist nächste Woche?" „Da« Osterfest ist nächste Woche!" „Da« Osterfest!" stießen Alle mit ahnungsvollem Rufe au«. „Und wisset Ihr, wa« die Jude» für diese« Fest brauchen?" „Shristerdlut!" tönte e» al» Antwort von vielen versoffene» Hälsen. „Und versteht'» Ihr jetzt schon, wohin der Jude mit dem Ileinrn Hawrelku gegangen ist?" „Ihn abschlachte»!" klang r« im Ehoru« . . . „Al>er der Hawrelku ist ja mit ihm gutwillig gegangen!' äußerte der frühere Zweifler. „Dickschädel Du!' belehrte ihn der Metzger. „Mußte er ihm denn gesagt haben, wohin er ihn führt?' ..Wa» denn hat er ihm gesagt?" „Er hat ihn verlockt!" „Aber die Jude» schlachten ja nicht selber?' äußerte der Frühere sein Bedenken. ..Wa« liegt daran? Wird ihn der Schlächter mir dem Schlachtmeffer abmurkscn l" „Aber Ihr Schlächter schlachtet ja auch nicht am Sabbath?" ..Dummkopf Du! Nur Thirre nicht, aber Menschen und besonder« Shristrn zum Gebrauche für ihre Mazzr«. ja!" Jetzt war schon auch dem Dickschädel die Sache einleuchtend. .Dir verdammten Juden brauchen unser Blut!" belferten alle zusammen und die ohnedies von. Fusel erblühten Augen traten brennend und mordgierig weit au« ihren Höhlen hervor... " „Und wa« machen wir jetzt?" „Wir stürzen un« auf die verdammten Judrnhunde!" „Aber die verdammten Judenbunde sind ja hundertmal un« an Zahl hier überlege»?' äußerte der Dickschädel. „So laufen wir um die Polizei!* In diesem Augenblick trat der Gobbe mit dem kleinen Hawrelku au« dem Hause. Letzterer trug etwa« Feuerrothe« und beide im schneUsten Galoppe, ohne an die Fragen der Bauern sich zu kehren, schlugen sich in die Richtung, wo