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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 44 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
44 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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44. Jüdisches 1884. 3ir jUntrrliilttna«. ör Ir fcrm fir Dir iarirlitifdif Zvand. Mllt 3nx llntrrljilting i. Kelthr»«-fir die isriklitifchk Jngmi). Der Einheit»,».,!,«. — Der Jendlt. Bo» Nathan Samuel». (Aorllchunft) — Zur Montefiore-Ieirr. Magdeburg. — Magdc- » bürg. — Magdeburg. — Hannover. — Bodenselde. — Brrnburg. — Stargard i. P. — In Nvrdbausen. — Lublinip. — Au» » A Ilona. — Mainz. — Meiningen. — Eolberg — Prag. — Au« Italien. — Berlin — Allerlei für den ^amilientisch: Klausenburg — Pari«. — Philadelphia. — Der Iiömmlgtei, Klage. — Au» dem Spruchlchap de« Talmud. — Rälhscl-Ausgaben. Der VinheitSthurm. Nachdem Noah, fromm und bieder, jrochbetagt gestorben war, Ließen sich die Menschen nieder In dem Laiide Lchinear. Immer größer wird die Menge; Unabsehbar ist der Ln, Wo sich lagen da« Gedränge, Und verkündet wird die« Won: »Einen Thurm au» Ziegelsteinen Bau n «,r bi« z»m Himmelszelt; Er soll ewig un» vereinen, Er un» siet« zusammenhalt. Immer mehr wir un» vermehren, Noll, un« au«eina»derjagt: Der Zerspliitknittg wir toehren, Wenn der Thunn zum Himmel ragt!" — Doch dem Herrn, de, ewig Ivalin, Die« Beginnen nicht gefiel: Nur durch Böller, vielgestaltet, Wird erreicht der Menschheit Ziel! Aus dem großen-Nund der Erde Lei bewohnt rin iede« Land, Und der eine (Wo,, nur weide. Aller Menschen El»hril«dandl Und Gott stieg vom Himmel»wagen Nieder aus der Menschen Thurm lind verwirret ihre sprachen Und zerstreut sie, wie im Sturm. Und Er sprach: .Nun sollt ihr sehen Iür den Thurm, den ich euch nahm. Einen Elnbell»slurm erstehen'. .Und Gott sprach zu AdrahamI" vr. I. lßoldschmidt-Weildurg. Der Lendik. Bon Nathan Samuely. iIortseßung.) -Lvll er auf da» Hufgrrufmnwrbni verzichten, verzichten *i die grüßte Ehre der Synagoge? — Nein, da» geht »ht! — Aber ein Mann, der durch einen Lolpak sich da» ätschen eine» Gemeindevorsteher« geben kann und durch >>» Leser Tora Kindersegen sich ersetzt, weiß auch in riner stichrn Verlegenheit sich Rath zu schaffen. Allerdings mußte *°« ihm noch jemand in» Brrtrauen gezogen werden. aber to* ist Kleinigkeit, der fand sich in der Person de» Syna» Kmdiener». Mit diesrm nämlich traf er da» Ueberrinmen. jedeSmal» so oft er zur Thora aufgerufen werde, *bn> ihm zu husten, so laut und so lange, daß er mittler- *il( Zeit gewinne, etwa« vor sich hinzumurmeln, wa» einem «gnisjpruchr ähnlich sieht, ohne daß jemand davon ein zu hören bekomme. Eine Zeitlang ging Alle» ohne Störung. Der Schamesch") kfom immer zur rechtm Zeit seinen chronischen Keuchhusten, *) Der Synagogendiener. Amrom Josef murmelte da« erste Beste >va« ihm in den Sin» kam und Alle« hatte seine» glatten Verlauf. Da« Gehcimtiiß sollte aber endlich doch einmal in die Oefsrnllichkeil kommen Weiß Gott, war e« vom Schamesch arger Muthwillen, oder nur Vergessenheit — ich will hier nicht die Ursache erörtern — die Thalsache aber kann ich nicht verschweigen, daß der Schamesch endlich einmal doch sein chronische« Leiden verloren hat. Der arme Awrom Josef, er bestieg den Almemor — der Schamesch hustete nicht — schon sland er vor der Thora — noch immer kam nicht der erlösende Huste» — der Vorleser deutete ihm die Stelle in der Thora an — der unglückliche Awrom Josef stand wie ein angemalter Och« da. er vermochte keinen Laut heworzubringen . . . .Ru!" mahnte der Vor» sirher bei seinrm Ständer, ihn so auffordernd, endlich einmal den Segensspruch zu sagen — der Aermstc öffnete einige Mal wie ei» Karpfen im Trockenen den Mund, aber ein Laut wollte just nicht herauskommen. — Wa« hätte er auch sagen mögen? Der Segensspruch war in seinem Gedächtnisse ausgrtrocknct. .Nu, 3tu!" drängten von allen Leiten die „Beter" jeder vor seinem „Stände^' ... der Arme fühlte seine Kniee wanken, Schweißtropfen in der Größe von Haselnüsse bedeckten seine Stirne, aber der verdammte Schamesch hustete noch immer nicht. Jnzwischr» zischte, summte, sauste und flüsterte e« von allen Seiten: »Nu! Nu! Nu!" Jetzt überkochte dem Annen ganz die Galle und in einen. Ansall von Wahnsinn packte er den Lchameich beim Kragen und knirschte: »Wirst Du einmal schon husten. Du Nasche *) einer!" Wa» brauchte e« mehr? Jetzt hustete nicht blo« der Schamesch, sondern die ganze Shnagvge und zwar so, daß e« wie eine Katzenmusik klang . . . Tag» darauf hustete die ganze Stadt. Keinen Ladcnkommi», keine Dienstmagd, ja keinen ehrsamen Krämer gab c«, der nicht bei seinem Anblick in sich den Kitzel verspüren sollte, ein bischen au« voller Kraft zu huste». Zeigte er sich gar auf der Gaffe, dann brauchte e« nur eine« einzigen Signal» von irgend einem Gaffenjungen, da« sich mit WindrSschnelle von Hau« zu Hau» fortpfianztr und schon dröhnt! e« von allen Seiten her, r» hustete der Schneider mit seine Gesellen, der Schuster und seine Gehülfcn, der Melamcd und alle seine Talmidim **) die Küchcnmagd, der Laufbursche, der Kommi». alle in der Stadt befindlichen Soldaten; kurz, alle die mit kräftigen Lungen begabt tvaren, husteten dem armen Awrom Joseph zu Ehren. Und iu gar verschiedenen Tönen äußene sich die Epidemie, in einem Brüllen, Blöcken, Schnurrci:, Heulen, Bellen, Brummen und Miauen; kurz, i» einer ganzen Menagerie von Tönen. Wer gar damal» in der Nähe de« Unglücklichen sich befand, genoß rin gar traurige» Schauspiel. Gegen zwanzig bis dreißig Gassenjungen hängten sich wie Kletten an seine Ferse und weitumher klang eine ohrenzerreißendr Musik, zusammengesetzt von allen jenen Tonarten, während er wie wahnsinnig Miffethäier. *•) Der Kinder lehren und seine Schüler.

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