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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 40-41 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
40-41 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M4» 41. Jüdisch«» 1884. Z»r llntrrliltvng i. $f (drang str die israelttische Ingen). Der Feslslrautz. Zum Laubhüiieuseste. — Wenn man nicht lesen kann. — Der Sendik. Bon Rathan Samuely. — Di« CVtlhrtlt* Geschichte meine« Großvater«. (Schlutz.) — Die tlinweihunft der neuen Synagoge in Zürich. — Ä Iler lei sür den ^amllten» »isch: Gin zartfühlender Gläubiger. — Roben tzamerling. — London. — Libau. — Bukowina. — dlneedotische«, mitgetheilt von Alex. Elsätzer. — An eine« bekannten Rosche. — Au« dem Spruchschad de« Talmud. — Räthsel-Ausgaben u. -Lösungen. Der Festftrauß. A»« ^«»ßßiitte»feß«. f|ro§. Saling ^yrt' nid ßwl Eich si» Strang! M Iti «rill }ir irtrofrrnbt fityrt *tt tx'i $ani! — g^iiilt fern #tftftrmg ti bteftltte, JgltttT -Mn. Um. (trfri Ztaa, wir -lamndüstt. M n m fad) spM'il!*) €|ro§ btt in gifte |Ult M Drti -ist inkRtIt: fttl Iti gBaano toi tUn Füllt. M » Sei} nt Etist m Di. tn lhtt llch Ulttu . Mtfdjlolfti Ubt, W ktnülh hi» jn* Ntrtiit ßll ln -Mn» llrett. — Silin — Salut—Jrldjtt rttfg Oil N StrSaft gebrüht. Ms!« Wolktahöht MM Sn. SörtB m Aadna licht: M rti zlnablld mir bt* knltn Inkn'i oijat Sns, In Hi Ad) allein (thilttn | Wl lu tut irj. ’) Aach Midrasch radda Levit. 30. Or. - ch«r»> Myrthr — iln’gt Sllstr oonchk Sn, Mit not Sit»' Itfttü. Stmtr Sich ja schiien bronchll Sn, Ob and) Fracht Sir M! Sicht kann lloi} Ml Söht rag» Itbn tzochgtittzrt. jrt«bt Sttbn ittmtragrn, -eint, lll itnotbrL SJftbt— anltiSadjngnnbt Snt| Sich nit httnisacht: Sir olltin. llttz' Seint Schaidt! Fehlet Stuft nid Fracht. — Ach. gting gttbt'i Setangitlchtn Seidn ti dn Welt. Srnt Ftiltollranl alo Uarnnng»- }tichtn -ill Sn mgtstllt. — €|rog. Snlaw.Mgrth'nnd Wttdt, Sngitich ihr trschtint: Frei Itdoch non Zloi} nnb Seide Ench dn Strang itrttnt: -rlldn. lernt in diesn Ztnidt ßitdtn and otrstlk'a. -eiatr soll om -rndndnadt Anogeschiossen sein! sch midi, M««A01»er in MNGnrg. Wen« mau nicht lese« kau«! Eine wahre Geschichte au« Galizien, von M. R. E» war a» einem heißen Sommrrnachuiittage de» >*hres 1834. Moschele Dan», ei» behäbige» Männlein von etwa I Mjig Jahre», saß auf der Bank vor seinem Hause; er hatte fc lange Pekesche abgelegt und schaute nun. den Dampf «t der Pfeife recht behaglich in die Luft blasend, die unge» Msime, staubige Straße hinab, strich mit der fetten, sibchei,reichen Hand den Bart oder die kurzen. geölten «lwlöckchen zurecht und lächelte. Er hatte auch Grund, vergnügt zu sein. Im ganzen ötakrii, welcher größlentheil» von Juden bewohnt war. die *Ä>rend der gouzen Woche mit dem waarengefüllten Sacke dem Rücken von Dorf zu Dorf zogen, um farbige Tücher, schimmernde Glasperlen und allerhand Kram und Flitter gegen Hasenfelle. Eier und andere Naturprvdnctr einzutauschen, war er der reichste Man», besaß — der einzige — ein steinernes Häuschen und dahinter einen allerdings ungepflegten Garten, in »velchem die Ol'stbäume sich ganz mit grünem Moo» überzogen hatte», und das Gemüse, auch einige Lilien und Sonnenblumen mit dem wuchernden Unkraut einen unerbittlichen Kampf um» Dasein führten. Moschele Dann war eben ein Oekonom; in früheren Jahre», als er noch selbst rin ruhelose» Leben führte, spöttelte man oft über die zärtliche Sorgfalt, die er seinem Weibe angedeihen ließ; seine Benvandten, besonder» dir weiblichen, stellten ihn zur Rede, machten ihm harte Borwürfe darüber. Ja. diese hübsche Frau, die ehemalige Näherin, de» Tempcldiener» Tochter, durfte daheim der Ruhe pflegen, während alle übrigen Frauen, ihre» Männern in dem mühsamen Erwerbe behilflich, handelnd und schachernd durch» Land zogen. Er lachte dazu. Dabei zwinkerte er mit de» kleinen, blauen Augen, wodurch sein Gesicht einen geheimnißvollen, . schlaue» Ausdruck erhielt. Aber kein Mensch merkte die» Gehcimniß. und jeder wunderte sich, wie da» kleine Männchen, trotz aller Mühseligkeiten, seine lustige Laune nicht verlor, ja daß gerade in Augenblicken de» höchsten Unbehagen», wenn Sturm, Gewitter oder strenger Frost sie auf der offenen Landstraße überfielen, sein Gesicht förmlich vor Glück strahlte. Sir hießen ihn einen Narren, denn er störte ihren Trübsinn. Daheim aber merkten sie, daß doch etwa» dahinter stecken müsse. Schon auf dein Wege nach ihrem Flecken, welchem sie müde, verdrofieu und voller Sorge zueiltcn, übcrkam sie eine Scheu vor dem unscheinbaren Moschele. der ruhig, beinahe andächtig »eben ihnen herging, wenig sprach, wa» sonst seine An nicht war, und nur vor sich hinlächrlte. Wie sonderbar sein Benehmen auch war. sic wagten e» nicht mehr, ihn zu verspotten. Zwar seine Frau beschlich zuweilen eine Regung von Neid, wenn sie ihrer einfachen Kleidung wegen zurückgesctzt wurde von den Weibern, die allwöchentlich kostbare Dinge heimbrachten au» Krakau, um am Festtag damit zu prunken und sich gegenseitig zu ärgern: Seidcnzeuge, Sammetinäntel, theure» Pelzwerk. Brillanlschmuck. Korallen und Perlcnschnüre; aber Moschele erzählte ihr. wie dieselben stolzen Frauen am Samstag Abend ihre Herrlichkeiten tviedcr zusammenpacken und »ach Krakau schleppen mußten, damit ihnen der Großhändler gegen diese» Pfand wieder für eine Woche Waaren leihe, — wie sie. nur sie beneidet,verde »vegen ihrer gleichmäßigen Lebensweise, ihrer zarten Haut, ihrer weichen, .weißen Hände. Da» schmeichelte ihr, noch mehr aber, daß gerade ihre Wohnung an Sabbath-Rachmitlagcn, iven» draußen der Schnee unter den Füßen knirschte, von den bärtigen Männern so gerne besucht wurde und daß diese die blank gescheuerte Bank um den warmen Ofen nicht genug loben konnten, weil e» sich dort gar gut sitzen und schwatzen ließe von den Plackereien de» Leben». der Unverträglichkeit und BerschwendungSsucht ihrer Weiber.

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