Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 39 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 89» Jüdisches 1884. Jit |lKt(tl|tltiig Hl Kelehrng fit die israrlttische I»-evl. »«I ntdre in der Frk»d«. Bon Meyer Spanier, Altona. — Die Geschichte meine« Großvater«. (Fortsetzung.) Erzählung von Fanni Reuda. — Roch Etwa« vom Dudnoer Magoid. — Line geschichtlich« Remintscenz. — Der Judenhaß aus Reise«. (Schluß.) ^IU/IUI. Allerlei sür den Famtltentisch: Folgen de« Dtaza-Lßlarer Prv^sse«. — Lin Qoipro «juo. — Au» dem Seebad« Sylt. — Luriosum. — Kleine jüdische Lharaktcrzuge. — Au« dem Spruchschatz de« Talmud. — SÜithselausgabtn. — RäthsellSsungen. Kol »idre i» der Fremde. 9« |*l >ttr« wfar» **<«»***, W«ch Ao» «Um, nrajtni W*V»l VU «nr locht. Cm «Mklnin, »tarnt M* •%***’ um 1»*' «t» lots». 9*** tat» «it*« Oota»«tch»l>lil»»» Wtauch»» «t» v«* gmrt trtUUtm, ftaf* doch |«tm |MII«|«fh|) 9t* «tfai |ntM f*ts nrf4fitt*ra. W»ch tatz Mwttl, n» ftaafc* stoche» >» do» GolchM« «otae« Eloch«». FS» d*A A*ch» st» ch»S»Ot« O»ch»», 9«» »» t» M* gm’ iihtitn. ^U*«a. _ W»,»» K»««t»». Die Geschichte meine» Großvater». Lr^lhlung »on Fanni Reuda. VIH IttMHn« Mtton.l Hk»»erß»fft L«»«t tft (Fortsetzung.) Da gab mir eine» Tage» ein günstiger Zufall ein Bo( in die Hand, mit dem eine neue Arra, ein helle» Aorgenroth in meinem Leben anbrach. (£» war die» nämlich » Buch von dem auch in außerjüdischea Kreisen berühmt zevordenen Mose» Mendelsohn und enchielt die von ihm «* dem Urtexte übersetzten Psalmen. Obgleich dir Psalmen mir schon von früher Jugend auf »läufig waren, so goß doch die schäne, poetische Sprach« «Kn neuen Geist darüber au», der meine Seele mächtig «»nff- Ich la« nun auch die anderen Mendelsohn'schen Schriften, »d durch diese angeregt, erwachten in mir Ideen und Fragen, * mir bi» dahin fremd gewesen. Reue, hähere Wünsche Nächtigten sich meiner; ich schwur mir zu. daß auch ich, »»>> auch nach meinen schwächeren Kräften, ein Dolmetsch Kt Aotte»wotte» und der höchsten Wahrheiten sein wolle, «> Lehrer, wenn auch nicht der Menschheit, wie der von vr verehrte Mendelsohn, so doch in dem Kreise, in dem zu *rtm ich berufen bin. Seitdem. Kaiserl. Hoheit, bin ich — wohl noch ein Lob» ttmer de» Talmud» — zugleich aber von dem Streben mrchdrungen. auch auf anderen Gebieten Wissen und Wahr» « zu suchen.' Freundlich und beifällig hatte der Erzherzog zugehärt. gefiel der Mann, wie ihm einst der Knabe gefallen E» fwutt ihn, daß er sich in ihm nicht getäuscht. A die großmüchige jugendlich« Wallung, dir ihn zum Be- Dtzer jene» armen Kinde« gemacht hatte, sich nun so gerecht» W zeigt». Nach einer Paus« sagt« er: ..Do» ist ein WjK< Ziel, zu dem ich Euch Glück wünsche. Habt Ihr **$ schon eine Rabbinerstellr?" , .Noch nicht, K. Hoheit. Auch habe ich mich noch um keine beworben'. ..Nicht? und warum nicht?" Der Befragte erräthete und erwiderte verlegen: .Ich möchte nicht eher einen Posten bekleiden, al« bi» ich ver» heirathet bin'. ..Ist e» etwa wider Euere Gesetze, unverehelicht Rabbiner zu werden?" bemerkte Karl etwa» venvundert. .Da« nicht, Kaiserl. Hoheit', war die noch verlegenere Antwort. .Die Ursache ist eine rein persönliche". ..Und darf ich die nicht wissen?" Auf diese wohlwollend« Frage de» Erzherzog« erzählte nun Moi« von Sarah und seiner Neigung zu ihr. Anfang« that er die» befangen, doch bald quoll sein Herz über und zeigte sich in der Gluth und der Poesie einer treuen Liebe, deren Offenbarung selbst elektrisch auf einen jugendlichen Zu- Hörer wirkt und dessen Theilnahme weckt. So vernahm auch Karl mit Interesse von Sarah'« Liebreiz und ihren Tu» genden; wie innig sie dem Liebenden ergeben sei und wie sch sie zu ihm halte, ungeachtet ihr Bater gegen ihre Verbindung mit ihm sei. Der junge Mann sprach weiter von dem Schmerze, den sie Beide über die Hemmung ihre» Glücke» empfänden, von ihrer bald steigenden, bald sinkenden Hoffnung. den Bater doch endlich zu gewinnen unv schloß damit, daß er au» Furcht, diesem Ziele entrückt zu werden, seine Vaterstadt nicht verlasse«, nicht einen Posten in der Ferne annehmen wolle. .Und au« welcher Ursache' fragte Karl „ist der Vater gegen Eure Verbindung?' .Sein Stolz. Kaiser!. Hoheit, ist da» Motiv. Mein Vater ist Hausirer, und der Hausirer paßt ihm nicht zu seinem Titel .Vorsteher und Armeelieferant". .Armeelieferant? Wie heißt er?' ..Läb Lvw ist sein Name, Kaiserl. Hoheit". .Läb Löw ist e«, inein Armeelieferant?' rief Karl. .Ist der so stolz? Ein braver Mann sonst; aber die»mal hat er Unrecht, wir wollen mit ihm sprechen, wollen ihm zu Gewissen reden; vielleicht nützt e» wa«. Oder solltet Ihr wa« dagegen haben?" „ Jftaiferlicbe Hoheit", rief der junge Mann freudig be> wegt, .Kaiserlich« Hoheit wollten da» wirklich chun?'" „Gewiß", erwiderte der Erzherzog lächelnd, „wenn Ihr nicht» dagegen habt?" ..Kaiserlich« Hoheit! mein Dank — o ich habe nicht Motte dafür! Alle« Glück meine« Leben» soll ich so unverdient durch die Hand meine» hohen Herrn empfangen!" — Die Dankergießung de« freudig Erregten wurde hier abgeschnitten. Sie hatten da» Hotel .zur Sonne' erreicht, wo der Erzherzog dir Rächt über blieb, um am andern Moraen zu einer wtchtigen Konferenz nach Olmütz weiter zu reisen. H fnfrriH JUrf» Wesnch M (Hum fitfltfexuiUn. Acht Tage später zeigte sich Proßnitz beflaggt und festlich dekoritt. In feiettiche« Schwarz gekleidete Männer, geputzte