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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 37 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
37 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M97* Jüdisches 1884. 3«r |ntrrMltii| nl Keletzr««- fit die isrtelililchk ligrnb. 3>k «efchichte meint* OrotMtn*. (gortfttnng.) — er^lhlung Bon ganni Ntuda. — Dtr Talmud in Japan. Bon vr. Ad. 3*ll*ntf- — tUlerlel für btn gamilientisch: Hin ntutt Shapira-Betrug. — Au» Horodno. — Au» Ntn>»f)ork. — » Pari*. — Sincinnati. — Kaiser granz Joseph. — Beim Tode meine* Kinde*. Bon Beriha Lpeier in Heiuebach — Iemenzen. — Au« dem Sprachschatz de« Talmud, von Moritz Weinberg. — «üchselausgaben. — iRäthseUSsungen. Die Geschichte «ei«e» Großvater». Krplhlung oon ganni Nruda. VH. sN»chhr»ck vrrHetr».) ZN* Mrttzche. Kurze Zeit nach dieser Unterredung sab eine« Tage« nnser .Pwger" in seiner Stube im Studium vertieft vor einem Stotz Bücher, al« er durch die flüchtigen Schritte der Echwester gestört wurde, welche eiligst bei ihm eintrat. Ihm einen Brief überreichend, rief sie au«: .Sieh nur die prächtige Luische vor unserer Hau«thür! Der Kutscher gab mir die« Schreibe« für Dich." Rachel blieb neugierig stehen, um von dem Bruder zu hören, wa« da« Schreiben enthalte. Dieser sah überrascht, datz e« eine Zuschrift von seinem Freunde war. den wir unter den Nomen .der Meißner" seinerzeit in Prag kennen gelernt hatten. Sie war in hektischer Sprache -und in der dabei üblichen, orientalischen lleberschwenglichkeit abgefatzr, ungefähr lautend: »An die Perle der Talmudisten, an den Fürsten der Seiehrten, der schon jetzt in seinen jungen Jahren, wie die »ürzige Traube ein Labsal für die Menschheit ist. um später ßlnch dem edlen Weine, Gesunde und Kranke zu stärken und Si erquicken. Rn meinen berühmten Schulfreund und »llegen. .Wunderbar sind die Fügungen Gotte«, der die Ehen im Himmel schlietzt, auf Erden aber seine Vermittler hat, hie nicht rasten, bi» sie hier unten zuwegegebracht und au», «sühn haben, wa« oben geschrieben und gesiegelt worden, vo ist e« denn gekommen, datz ich, der Sachse, nach Mähren vrbeigezoaen worden, um Lea. die wie eine Rose unter den Rädchen blüht, al» Weib heimzuführen. Sie ist die Tochter kt Brauer« in Wischau, welche« Städtchen Du wohl kennst, ta f* nur ungefähr drei Meilm von Deinem Wohnorte liegt. Morgen ist unser Hochzeiwtag, und wie dem Durstenden «ine lebendige Quelle, wäre e» meiner Seele eine Wohlthat, wenn Du. mein geliebter und berühmter Freund, den Trauaft an un« vollziehen würdest." .Ich bitte Dich innigst, diesen meinen Wunsch zu er» IlUlen. und ich schicke Dir zur Fahrt hierher meine« Schnneaerhater« Wagen, der Dich auch wieder gesund und heil zurück» hnngen wird i" »Ich fahre" sagte Moi» nach kurzer Ueberleguna. Während er gelesen, war auch die Mutter, sich da« Treppensteigen nicht verdrießen lastend;, herausgetommen, be» Sng. von dem Sohne zu erfahren, wa« die Kutsche vor der üre. die schon die Neugierde ring«um geweckt hatte, bedeute. Er theilte den beiden Frauen de« Freunde« Berlanyen aut und datz er gewillt sei. e« zu erfüllen, worauf diese M«ü seine Au»rüstung zur Reise Vornahmen. .£« hat keine zu grotze Eile nüthig." sprach er. .Du. pte Mutter, bemühe Dich nicht: Rachel allein wird fettig A«t «ft. Ich reise nicht vor 4 Uhr Nachmittag»." 2r selbst hatte auch noch seine Vorbereitungen zu treffm. Er setzte sich an seinen Tisch, kauete nachdenklich an der Gänsefeder, die er zur Hand genommen, und fing dann zu schreiben an. Nicht etwa eine Trauungsrede war'«, die er sich da auffetzte, eine solche war zur Zeit nicht üblich; wohl aber hatte er einige sinnvolle Watte, einige zu dem Anlasse paffende, scharstinnige oder auch witzige Erkläoungen von Bibelstellen au-zudenken und zu notieren, die er. so war e« ziemend, während de« Hochzeitmahle« den Gästen zum Besten geben sollte. Mi, dem vierten Glockenschlage stieg er in den Wagen. Vielleicht spann er seine Gedanken hier noch weiter au«, er alaubte sich ja allein. Aber, hast Du nicht« dagegen, lieber Leser, so steigen wir hinter ihm auf; wir können un« wieder ein wenig so eine Hochzeit von .Anno dazumal" anschauen. Der Reisende bemerkt un« nicht, und die Pferde greifen trotz der vermehtten Bürde gut au«. Mit der Abenddämmerung gelangen wir zu unserem Zielpunkte. Eine gaffende Menge umringt da» Brauhau« zu wischau. darunter befindet sich eitre Gruppe Dorfmusikanten, die mit einem schmetternden Tusch den heranrollenden Wagen begrüben. Alle« umdrängt denselben, um zu sehen, wer au«steige, den Ankommenden von allen Seiten zu begucken und auch, ihn im Hochzeit»hause dann zu melden. Der Bräutigam, gefolgt von dem Hau»herrn, stürzte herbei und umarmte sehnlichsi den gewünschten Freund. Bon Freuden«bezeugungen begleitet, wurde dieser in einen hellerleuchteten Saal geführt, tvo die Braut und ihre Gäste an der Festtafel satzen. Hier mutzte er. nach der gegenseitigen Begrüßung, den Ehrensitz einnehmen, während aller Augen neugierig auf ihn ruhten. Au« dieser ihm peinlichen Musterung wurde er jedoch glücklicher Weise bald durch ein neue« Ereignitz befreit. Bor dem offenen Fenster erhob sich nämlich ein den meisten Anwesenden wohlbekannter, eigenthümlicher Gesang. .Da« sind die .Hochzeitsnarre»" sagte erklärend die Braut zu einigen nicht jüdischen Freundinnen, die neben ihr satzen und aufhorchten. Die .Hochzeit«narrei>", da« waren die Spatz- und Lustigmacher, die aemiethet und bezahlt wurden, datz sie beim Festschmause durch Possen und Ha»«wurstspiele die Gäste unterhalten und zum Lachen bringen sollten. Heute jedoch, al« am einleitenden Borabende de« feierlichen Berehelichung»- akte«, hatten die Narren die Aufgabe, die Braut und ihre Umgebung in Rührung und Thränen zu versetzen, indem sie, von der Musik unterstützt, in einer bestimmten Sangweise herzbewegende Reime vortrugen. Die zu Bermählende wurde dann ermahnt, da« Elternhau«, da« sie verkäste, nicht zu vergeffen, eine dankbare Tochter zu sein, eine treue Gatttn, eine »vohlthätige Frau zu werden. Rach diesem Karmen begann da» Mal. Dank den lanaathmtgen Pausen zwischen jedem Gang, nahm e» eine gebührend lange Zeit ein. 4)ie Jugend wurde darüber schon etwa« ungeduldig, denn die freute sich schon lange auf oen

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