Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 34 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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S4. Jüdisches um. Jir |lRtrr|ilt«nf mb Ktlthrmfit die torirlitifdjr Z«-k«d. iJr' ^1UIU- “ Dt« aMd)id)ir mein«» WrotMIfr*. llrzllhlung von Aannt Aeuda. — Jlldilch« Lilhourlten an» Gallzlrn. von -iaihan Samnelq Hl.!Mrb kMfrr, b*r paman. (ftortf«|»iiig.) — Klllftl«! für d«n ftamiMriiti(d): Bilmart und W* 3«b«n. - Ufber bfn 2l#*a ttfjlartr Vrojrn. — Cb«ffa. — Ylu« d«m Wud) drr i?i»m. 15. Iabrhundert. Von Um II Lehmann. — tta» d«m Spruchschap de« Talmud. Von Waj Welnderg — Mthlel »Ausgab««. — Mthlei-Lösungen. »p. Leopold Z««z. Weni dir Weltgeschichte nicht lediglich rin Register von! Fürsten, Völkern und Ländeln, von geschlagenen Schlachten »nd diplomatische» Schachzügrn ist. drr fühlt bet drin Ramrn Zunz rin gute« Stück Wrltgrschichlr an sich vorüberzirhen. Loht iveilt rr »och unter unS. drr edlr Kämpfer für Wahr» hn« und Recht, in settener Rüstigkeit und GeistcSfrischr und die Geschichte ist nicht befugt, über einen Mitlebenden ei» abschließende« Unheil abzugrbe»; allein die außergewöhnlich lange Lebensdauer, die ihm Gott verliehen, und welche ihin ßkfiattrt hat. da» gesammelte Material zum großen Theit zu »crarl>eite». sie getvähN uns schon jetzt eine» weitreichenden »nd erquickenden Urberblick über sei» Streben und Wirken nnd erzeugt in unS jenen Grsommteindruck, den rin ganze« der Wissenschaft gnveihte« Leben hervorzurufen pflegt. Der Beschreibungen seines Lebens sind vor 10 Jahren schon so viele und gute erschienen, daß es schwer halten Bürt*, zu diesen noch viel Reue» hinzuzufügen, da seit jener Zeit wenig ErwähnrnSwcrtheS sich für ihn ereignet hat. Darum wollen wib uns in dieser Hinsicht nur aus die hauptsächlichsten Notizen beschränken. Jomtow Lirpman» (Leopold) Zunz wurde am 10. Aug. 179-1 in Detmold geboren, kam als Kind mit seinen Eltern »ach Hamburg und siedelte nach dem Tode seine» Vaters vo» dort nach Wvlfenbüttel über (1803). woselbst rr die Lamson'sche Freischule besuchte. Hier legte er den Grund pi seiner umfassenden Kenntniß de» Talmud und absolvirte (1811) bat dortige Gymnasium. Verschiedener Umstände halber ging er erst 1816 nach Berlin und studirte vornehmlich Philologie. 1820—22 war rr Prediger in dein Jacoblohn',chen Tempel, seit 1824 Mitredakteur der Spenrr'sche» Zcitung und seit 1825 Direktor drr neu gegründete» jüdischen hiemeindeschule. Doch legte er bald in Folge der Urberbürdung diese letzte Stelle nieder (1829) und stellte bald daraus (1831) auch seine Thätigkrit in der Redaktion der kpenrr'schen Zeit», g ein. 1835 nach Prag als Prediger bkrufrn, kehrte er schon im folgenden Jahre nach Berlin Muck, da er sich dort nicht selbstständig genug gefühlt hatte »ad übernahm 1839 das ihm übertragene Direktorat des in demselben Jahre errichtete» Lehrrrseniinar». welche» er bis p> besten Auflösung (1850) verwaltete. Seitdeni lebte er. frei vo» jeder amtliche» Thätigkeit, nur seinen Studie» und Arbeiten. 1 Hat diese kurze Skizze seine« Lel*nSga»ge« gezeigt, wer Zunz war und ist, so wollen wir jetzt untersuchen, was er unS ist, d h. wa« er gefühlt, erstrebt, gewirkt, geschaffen. Wir habe» da« Gefühl vorangestrllt und in der That legen da« seine Worte und Schriften, da« innerste Getriebe inner seelischen Empfindungen unverhüllt und unumwunden dar. Tirselbe Tiefe de« Gemüih«, dieselbe Festigkeit de« Charakter«, dieselbe Begeisterung für Wahrheit und Recht, welche un« in allen Verhältnissen seine« Leben« entgegenlretrn, sie durchwehen und durchdringen auch seine Schöpfungen u»d verleihen denselben dir überzeugende Kraft von ihrem tiefen, sittlichen und wissenschaftliche» Gehalte, der gewaltigsten Einfluß auf die Herzen der Hörer und Leser. — An« der ungeheuren Menge von Beispielen, welche diese Worte erläutern könnten, sei hier nur ein« hervorgrholv», welche« gar zu charakteristisch ist für seine Denk- und HandlungStveise, und wohl mächtig genug in d e Seelen der Leser drang. In seiner Vorrede zu den nn Jahre 1843 veröffentlichten Predigten sagt er unter andrem: Er widme seine Predigten nicht bloß de» Besuchern der neuen (Jocobsohn'schrn) Synagoge, sondern allen seinen Älaubenbrüdcrn. die nach dem Worte de« Herrn sich sehnte», insbesondere der Aufmerksamkeit der Wenigen, welche, nachdem sie den Verfall der neuen Synagoge hrrbcigeführt und die Stimme der Wahrheit verachtet hatten, von häßlichen Leidenschaften gestachelt, durch ihre Kränkungen und ihre» Aberwitz, mich dahin brachten, daß ich e« meiner Ehre, meinen Grundsätze», meinem Gewisse», selbst dem Wohle de« Ganzen für angemessen erachtete, meine Predigcrstelle trotz Einkommen, Eitclkeit nirderzulegen." Da» Streben und Ziel seines ganzen Lebens ist im Großen und Ganzen beständig ei» und dasselbe geblieben: Die arg verkannte, weil eben nicht gekannte. Wissenschaft de« JudrnthnmS und damit das Judenthum und seine Vertreter und Glieder wieder zu Ehre» zu bringen und Heil ihm! er hat erreicht, was er erstrebt, er selbst hat es erlebt, zu sehe», wie dasjenige, wa« bisher verachtet und übersehen wurde, nunmehr zu einem wichtige» Factor der gesummten Wissenschaft geworden. Die Geschichte meines Großvaters. Erzählung vo» ftanni Neuda. IV. i«tach»rud wclottn.l (storisepung). Dort »»gekommen. ließ man Erfrischungen reichen und lagerte »>an sich auf eine die Mühle umgebende Wiese. Die Herren machten ein Spielchen, sprachen dazwischen vo» Geschästen; die Damen unterhielte» sich vom Theater und von Moden, bi« sie auf da» beliebte Thema übergingen, da« in der zersetzenden Kritik ihrer abivesenden Brkannten und Freunde bestand. Es war merkwürdig zu sehen, wie da plötzlich manch matter Blick sich belebte, schivcigsame Lippen beredt wurden — wie ein sonst hübscl-es Gesicht durch den spöttelnden, sich höhnisch verziehenden Mund fast abstoßend wurde. Auch war e« bezeichnend, daß ein zarte« Fräulein, da«, wie cS sagte, kein Blut zu sehen vermochte und lein Fischchen hätte tödtcn könne», doch mit behaglichem Vergnügen Theil nahm a» den spitzen Reden und Anekdötchen, welche de» lieben Nächste» in den Grund bohrten. Unsere Sarah, von Haus aus nicht geübt in dem losen Spiel de« Seel» und Ehrabfchneiden«. vielleicht auch zu jung dazu, oder hier zu fremd — fand r« viel amüsanter, auf der Wiese die Blumen zu pflücke», die ihr entgegen lachten. Da waren Vergißmeinnicht, hier Schlüsselblumen, dort dunkle Glockenblüte», die sie lockten und so lief und sprang