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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 33 (1884) · p. Seite 131

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
33 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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— 181 — Junge erlangte: .Ru. wenn» Ihnen so nicht gefällt, sie nach Hause und machen Sie'» bester I- Uber auch Reb E»ra sehnte sich am Ende mit Reb Leiser al» dieser wieder sgenesend, die Chewra kadischa mit namhaften Summe und ihn besonder» mit einem reichen golb beschenkte. Qm diese Zeit erhielt auch Reb Leiser ein Schreiben seinem Sohne au» Amerika, in welchem er ihn mit enden Worten um seine väterliche Verzeihung bat und mittheilte, er sei in da» Geschäft seine» Onkel» einge-- er werde hier recht brav sein und er hoffe ihm einst recht viele Freude zu verursachen. .Ter Scheigez. der Hultai, ich will von ihm nicht» mehr n!» brauste der unversöhnliche Bater nach dem Lesen Briefe» aus und spendete zugleich, beglückt von dieser ht. eine hohe Summe für Arme, während er seiner ,n einige hundcwt Gulden hinwarf mit den Worten: hick sie ihm. Dein Kalb muß ja in Amerika auch grasen — tzchrigez, der Hultai, nicht» wissen will ich von ihm!" Leit dieser Zeit hörte der Sohn nicht auf. den Bater ieslich um seine Bergebung anzuflehen. Auch der Schwager Leiser'» versäumte nicht!in jedem Briest zu betheuern, dessen Sohn sich ganz in» Geschäft hineingelebt und daß i eia braver, tüchtiger Mensch zu werden verspreche ... Immer nach einem solchen Briefe schäumte der unveralichc Bater iu Scheltworle über, die stet» in den Refrain «ngra: .Der Scheigez der Hultai. nicht» wiffen will ich ihm!" Der Scheigez, der Hultai jedoch, von dem er nicht» wallte, brachte ihn in Verzweiflung, wenn über die vdnie Zeit sein Brief au»blieb und versetzte ihn in fast »innige Freude, wenn er ihm etw>i» Erfreuliche» von miitheilte... Au» Consequenz jedoch wollte er ihm nicht schreiben — »tt sich aber der Sohn nicht über da» Befinden de» r» beunruhige und von ihm doch manche» Lebenszeichen and wieder zu Gesicht bekomme, fand er einen Ausweg schrieb an ihn von Zeit zu Zeit mit eigner Hand! {triefe im Namen seiner Frau. So, iu der Eigen» oft al» Mutter, durste e» ihm nicht verwehrt sein, alle llichkkit. die er für sein Kind empfand zum Ausdrücke bringen, er versäumte jedoch nie am Schluffe de» W», ebenfall» im Namen bet Mutter hinzuzufügen: „Der l&ter sagt. Du seist ein Scheigez, ein Hultai, er wolle von |Str nicht« wiffen!" Seit jener Zeit bildete bei ihm Purim den größten Ißmideniag de» Jahre», denn mit regelmäßiger Pünktlichkeit llngte für ihn Jahr um Jahr am Purim ein Schreiben von Isnaem Lohn an. welchem seine Photographie beigeschlossen Iwr. die ihn immermehr überzeugte, daß .sein Scheigezsich I> der neuen Welt recht wohl befinde und zu einem immer |fefoer„, blühender» Mann entwickle... (Fons. folgt.) vethel Henry Strousberg und daS Judenthum. Bon M. W. (Fortsetzung) >Da» schnelle Lmporblühen der Juden, und zwar de» "Trigen Theile» derselben, ist überhaupt eine merkwürdige Erscheinung, und fühle ich mich gedrungen, im Interesse der laichen Rare näher darauf einzugehen, um dadurch zu be» Nisni, daß e» falsch und ungerecht ist, die Juden alle al» Klasse angehörig zu schildern, und somit alle für die Mer Einzelner verantwortlich zu machen, um den Haß und * Äeringschätzung de» christlichen Publicum» gegen sie zu *r»chren. E« haben die Sinder Israel« überall gelitten auf sämmtliche hat die Unterdrückung schädlich eingewirkt, e haben sich aber stet« ganze Geschlechter davon befreit und Mk haben in allen Ländern und von Anfang an hervorragende Stellungen unter Glauben»genoffen und Christen ein» genommen. Biele Tausend der edelsten Sühne diese« großen Geschlechtes sind in allen Zeiten zum Christenthume übergeiietreten und dem Judenthume verloren gegangen. Die Rachommen derselben sind heute unter den höchsten Familien zu finden; leider aber hat der unverdiente Haß der Christenhttt viele begabte Juden zum Uebertritt veranlaßt. Dadurch sind nach und nach die Spuren ihrer Herkunft gänzlich verwischt worden, und somit ist für die Gesammtheit eine große Quelle der Ehre und Anerkennung versiegt. ©ne Folge der Emanripation der Juden, wenigsten» in Deutschland, und wahrscheinlich auch in anderen Ländern, war. daß die alten, ehrwürdigen und unter den Juden al» adlig anerkannten Geschlechter untergegangen sind, während beinahe ausschließlich au» den niedrigen Schichten sich zahl» lose Männer auf fast jedem Gebiete, sei e» Handel, Kunst, Wissenschaft, Litteratur, ja selbst in der Politik heraufae« schwungen haben. Bon guter Herkunft unter den jetzt bedeutenden jüdischen Familien sind nur diejenigen, deren Borfahren zur Zeit der Emameipation schon in größerm Städten große Geschäftshäuser hatten. Diese Erscheinung beweist, welche großartige Kraft in der jüdischen Roce trotz achtzehnhundettjähriger Unterdrückung latent geblieben ist, sie erklärt aber auch,'ohne damit Grund für eine Verdammung de» jüdischen Geschlecht» zu geben, wie so mit dem Emporkommen de» modernen Judenthum» sich vorübergehend Anschauungen und Gewohnheiten in fast alle Berufszweige eingeschlichen haben, die mehr oder minder verderblich sind. Da die Majorität der wohlhabenden, ja ich will es sagen, jetzt gebildeten Juden Emporkömmlinge in obigem Sinne sind, so wird meine Anschauung sicher Gegner finden. E» giebt aber noch Biele, die sich erinnern, daß in früheren Zeiten Adel und nicht Geld bei den Juden die Hauptrolle spielten, daß verarmte vornehme Geschlechter in den Synagogen die ersten Plätze hatten, und daß Reiche und weniger Angesehene es sich zur Ehre schätzten, durch Heirath mit solchen Familien verwandt zu werden. — Um aber auf mein Thema wieder zurückzukommen, so ist die von mir erwähnte Erscheinung leicht erklärlich. Bon dem Augenblicke, wo den Juden da» Bürgerrecht eingeräumt wurde, zogen aus den dicht gedrängten und verkommenen Gemeinden der Provinzen Posen, Schlesien und Westprenßen zahllose Familien in die Gegenden, wo ihre Glaubensgenossen früher ein freie» Feld für ihre Thätigkeit hatten und daher ohne Wucher und in ehrlicher, anständiger Weise dem kaufmännischen Beruf nachgehen konnten. Mit weniger Ansprüchen und Bedürfnissen, und ungenirt von Skrupeln jeder Art, war es den neuen Leuten leicht, zu bestehen, Vermögen zu erwerben und die Alten zu verdränge», und die» geschah nicht nur in den kleinen Provinzialstädten, sondern allmählich auch in den größeren Orten, selbst in Berlin. Der kleine Produkten-, Fell- und Talg-Händler, wohlhabend geworden, zog nach einer größeren Stadt und wurde der Commissionär seine» früheren College» in der Provinz — die» der Ursprung unsrer größeren CommissionShäuser. Da» kleine Geschäft in der Provinz war, wie die» heute noch der Fall ist, meisten» auch mit kleineren oder Srößeren Vorschüssen verbunden, e» entwickelten sich daraus eine Wuchergeschäfte and die sogenannten Geschäft« Usanzen im Produkten-, Börsen- und Bankivesen. die sich jetzt auch in da» große Geschäft übettragen haben. Der Berliner Eommissionär wurde de» kleinen Wucherer» Wucherer und allmählich verwandelte sich da» Commissionsgeschäft in da» sogenannte Bank- und Commission»-Geschäft und brachte au» seinem saulen Ursprung weite» Usanzen mit sich, die sich in der Neuzeit auf da« ganze kaufmännische- und Börsenwesen übertragen haben und dem heute leider gleichmäßig von Juden und Christen gehuldigt wird. Kinder armer Juden der Provinz kamen nach Berlin und anderen großen Städten, wurden Lehrlinge, Handel«- Commi« event. Händler. Kaufleute, Wechsler. Bankier» und Fabrikanten. Selbstverständlich muß da« Auftreten der so

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