Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 30 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 11» — Eine» Laars nämlich kehrte Josef von der Börse etwas «rsiimmt zurück, was Zila bei ihrem Scharfblicke nicht ent. «hm konnte, trotzdem, daß er sich Müh« gab munter wie »mer zu scheinrn . . . Sie wollte jedoch nicht mit Fragen an ihn drängen ,ud wartete bi« er sich ihr selber eröffnen werde. Al« er ,der diesmal da« Hau« wieder verließ, dachte sie nicht ein- «ol mehr daran ihren geheimen Gang zu machen, sondern in stillen, ernsten Gedanken verloren. In später Rachmittagsstund« kam Josef von der Bvrse (iriicf. diesmal aber so verstimmt und zerstreut, daß er nicht nnmal daran denken konnte, ihr seinen Kummer zu verbergen. Jetzt vermochte aber auch Zila nicht länger den Schein der Unwissenheit zu drnxchre». ..Guter Joseph?- begann sie mit ihrer warmen, liebe» wllen Stimme »Ist es recht von Dir. daß Du mir, Deiner Frau, die mit Dir Freud und Leid theilen soll, da» zu verdämlichen suchest was Dein Herz bedrückt?' »Ist ja nicht schlechte Absicht dabei" rechtfertigte er sich. Hh wollte Dir ja nur Kränkung ersparen. Nun, wenn lu es durchaus wissen willst, so muß ich Dir leider sagen, daß in der Börse jetzt ein scharfer Win'' zu wehen anfängt; «t fanden Paniqur« statt, wie sie alte Börsianer nicht ge» dmken. — Diese haben mir seit gestern beinahe ein halbe» Vermögen weggrschwemmt." ..Wird noch alles aut werdentröstete sie, indem sie ihrrn vollen runden Arm schmeichelnd um seinen Lol« schlang. Börsianer müssen auf große Verluste immer gefaßt sein — doch würdest Du mir nicht zürnen, wenn ich Dir einen Antrag stellen sollte?- »Warum zürnen. Zilchen? Habe ich Dir je gezürnt?* »Gut den»!- nahm sie wieder auf. mit ihrer weichen, zanrn Hand sein wirres, aufgesträubtes Haar zurrchtglättend. ^ch meinte, die Börse sei doch em gar so aufregende« Geschist und für einen braven, soliden Menschen, wie Du einer dm. nicht die rechte Thätigkeit. Wäre es nicht vielleicht an der Zeit, daß Du sie fahren läßt, diese höllische Börse und lich einem reelle». Dir mehr entsprechenden Geschäfte zuwendest?' »In den letzten Tagen", erwiderte er, »dachte auch ich schon einmal daran, doch wird sich erst später davon mn'ter sprechen lasten, »veil ich ja vorerst den Verlust wieder heiauSrrtten muß." Der verblendete Josef, sagte dann Zila. als er sie wieder »erließ. zu sich selber, meint, die Börse gebe ihre Beute wieder pirück. vielmehr ist es zu erwarten, daß sie noch alle« Uebrige »Mchlingen iverd« — und die Wahrheit gesprochen, würde ich mich sogar darüber sehr freuen, damit endlich auf einmal de Brücke hinter ihm abgebrannt wird, die zu jener höllischen .Wrsc führt." tSchlu«, folflt.) *och eilt Urtheil eines christliche» Gelehrte« über das Ä«de«th»m. Wir haben in Nr. 28 dieses Blatte« da« hochbedeutsame, ^e weltgeschichtlich« Bedeutung des Iudenthum« anerkennende »»twortschreiben des ehemaligen französischen Gelehrten Et. Hilaire auf die Frage: .Sollen die Juden Ehnsten — gebracht, wir fügen heute hieran da« Urtheil andern christlichen Gelehrten Frankreich« über die «Mische Race". Im belgischen »Sonntagsblattveröffentlicht « französische Gelehrte Reinol einen Artikel über den Mischen Stamm, in welchem er unter Anderem schreibt: ..Dir Juden bekunden eine außerordentliche Widerstands» Nt und zeigen sich fähig für jedes Klima. Sie leben in E»topa. in Asien, in Afrika, auf den ozeanischen Inseln, in Nerika. überall, und zwar mit einer größeren Fruchtbarkeit Ehen und einer geringeren Sterblichkeit in der Kindheit irgend rin anderer Bolksstamm. (Es fällt erst auf 48 1 Todesfall, während bei den anderen Böllern schon N N) Diese geringe Sterblichkeit bei den Juden kann nur au« ihrer außergewöhnlichen Mäßigkeit, au« chrer regelmäßigen und geordneten Lebensweise erklärt »verden. Die jüdische Race ist. wie gesagt, eine der widerstand«» fähigsten, welch« auf der Erve rxistirt, und daraus allein erklärt es sich» wie die Juden den schmählichen Hetzen und den grausamen Bersolgungen während der Jahrhunderte widerstehen konnten. Besteht hier eine eigene höhere Lebenskraft, welche dem jüdischen Stamme erblich ist, die sich so lange unverändert erhalten hat? Oder liegt die Ursache diesem Vorzüge in der genauen Befolgung der Gesundbeltsvorschriften, welche MoseS den Juden gegeben hat? Vielleicht in ihrem Sinne für Regelmäßigkeit, Sittenstrenge und Familienleben? Wie dem auch sei, die jüdische Race ist unstreitig eine der schönsten, stärksten und begabtesten; sie hat in ihren über dir Erdkugel zerstreuten Vertretern die größten Berühmtheiten in der Wissenschaft. der Kunst, der Litteratur, der Philosophie, dem Handel geliefert, und diese Leistungen sind derartig, daß der Glanz keiner andern sie jemals übertroffen hat. Die jüdische Race steht durch ihre Natur wie durch ihre Eigen« schäften an der Spitze der weißen Raren, sowohl physisch wie moralisch: wir sagen es ganz offen und wir fühlen uns glücklich, diesen Mitgliedern der großen Mcnschenfamilie, denen mir unsere Bruderhand reichen, den gerechten Tribut der Wahrheit zu zollen, auf den sie ein Recht haben." Zum Schlüsse sagt Herr Reinol: »Die Menschheit hat au« der alten Welt drei Lehrer: einen Religion»- und Sittenlehrer, die Juden; einen für allgemeine Wistenschastcn und Künste, die Griechen; einen besonder« für Staatswissrnschaftrn. dir Römer. Von Griechen und Römern haben wir Alle» gelernt, wa« von ihnen zu lernen war; um aber dir alten Herren nicht gänzlich umkvinmen zu laste», genießen sie al« Sprachlehrer ihr Gnadendrod an unseren Gymnasien. Der Jude aber will sich auf keinen Fall pensioniren lassen; er nimmt kein Gnadrnbrod an. sondern will sich lieber auf eigene Faust durch die Welt Ä. Da» auSerwähltr Volk ist noch heute frei prakti- Religion», und Sittrnlehrer. Die Aufgabe der Juden besteht darin, die Ehristrn praktisch zur sittlichen Lebensweise zu ermahnen. Trotz christlicher Religion nimmt da» Verbrechen immer zu. Bei uns wird mit Nächstenliebe geheuchelt. Um theuerr« Geld werden Missionäre nach Afrika geschickt, damit sie den Negern christliche Nächstenliebe predigen, »ährend bei uns daheim Ehristrn zwischen Ehristrn verhungern. Sind wir nun nicht Heuchler? Ter Jude ist ein praktischer Mann; puch er geht in alle Welt und predigt, aber nicht durch Worte, sondern durch die Thal: Juden verhungern zwischen Juden nie. Ist der Jude also nicht unser Lehrer?"_ Eine Eholera»«eminiseenz. Zur Belehrung und Beruhigung theilt dir »Posrner Ztg." folgende zeiegrmäße Reminiscenz mit: Die Eholera herrschte im Jahre 1831 in Provinz und Stadt Posen zum ersten Male. Feldmarschall Gneise nau, damals hierorts stationirt, der Oberbürgermeister Ta hl er und andere notable Personen fielen der Krankheit zum Opfer. War die Panik schon hierdurch eine große, so wurde dieselbe durch die Sperrmaßregeln noch erhöht, von denen nicht allein ganze Ortschaften und Stadttheile, sondern auch einzelne Häuser, welche Eholerakranke bargen, betroffen wurden. Der damalige Oberpräsident v. Flottwell legte eine ganz außerordentliche Fürsorge an den Tag; fast täglich erschienen von ihm theil» belehrende, theil« warnende, therl» beruhigende Publikationen. Bor Allem suchte er darzuthun, daß nur ein vernünftiges diätetisches Verhalten sicheren Schutz verleih«. In diesem Sinne publizirte er am ü. September Folgendes: Die Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeind«, an ihrer Spitze der Ober-Rabbiner Herr Eiger, zeichnen sich durch eine schr rühmlich« Vorsorge für ihre Glaubensgenoffen aus.