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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 30 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
30 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdische» uwüuii*!/^ 3«r nd Ktlthr»ß flr die israelitische Z>-ea-. « Mrtl und Statflfrlt. Von MabMnrr Dr. »oldfchmldl in Wetlburg. — Die «eschichie meine* «ro|#nler*. ,ff»nfern>n,.) — Jüdische «iidouenen nu* Gattzten. v,n «aihan «amuel». XI. MI, gleicher Miinze zZütUl» — ein Unheil eine*chNstiichen Oelrhnen über da« Judenchum. — EineEhvlera-Nemtntscenz. — Allerlei für de v lisch: Vaienieriheilnna — Au»dem«pruchschatz de« Daimud. «,n Mar «einder«. — Näldfel.Auf gaben: I. — II. dedrälstbe« Mllldlel. — Auftdfun, der Näihfel in »,r. Nr. Erzählung von Aannl Münze. (j Aorifetzung.) den Kami lien- AriihmogNph. Zeit und Ewigkeit. (Mach Hat» nt nI Midrasch ) Pt» li Jfifrtt» (■ «ni-tt ui Mi riirm jrrin itti, ptln Hf, ti OtmulilUMt. junmiti iuitn fum: Jm, gll in li DiUn «ule Ptln Mr Kilft'u M. M Xt in nf inrrm Dfiit Ptzi rrrtiin Jrilglftt!" — SX kr 0m spricht:.Mt-ittt ptrt nutz ilmiermtzr ntziirt! U» Mr Cvtflluttrs ptttr (Wlt ln AKchfig Itti Itwrtzn. 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Wir be» Wm da» Hau» de» greisen Rabbi Ezechiel Landau in Prag «ab blicken in dessen Lehrsaal. in die sogenannte »Schir» stube". E» ist die» ein langer Raum, an dessen Wänden große oüchrrschränke mit Folianten stehen, in seiner Mitte ist ein «"grr. schmaler Tisch, um den dichtgedrängt, die zahlreichen «huler de» Rabbi sitzen. Ihn selber, in seiner hohen, ehr» iurchtsgebictenden Gestalt, sieht man obenan am Ehrenplätze, kr täglich einen mehrstündigen Bortrag hält, ohne Entgelt *"b Lohn, nur in dem Streben, die Wiffenfchaft de» Talmud» ^fördern und für weit und breit Rabbi und Lehrer zu Au» den entferntesten Gegenden kommen die Schüler 'm herbeigeströmt 'und diese waren von verschiedenstem man sah darunter Jünglinge von 15 und Männer von SV Jahren. Die Wenigsten der iüngeren Klasse hatten jedoch einen bestimmten Leben»beruf dabei vor Augen: sie kamen um zu lernen, da» war vorläufig ihr Ziel; später erst wendeten sie sich rtnem beliebigen Fache zu. Denn welchen Berus immer Einer sich ivählle. tin Talmud durste er damals nicht unbewandert sein, wenn er ans Achtung wollte Anspruch machen, wte anderseits auch der Aermste ans Rücksicht, ia anf Ehrerbietung rechnen durste, wenn er dieser Wissenschas« Meister war. Die Unterrichtsstunden waren ost sehr belebt. Gewöhnlich gab der Rabbi Themata, die er erläutert l-a««e, seinen Schülern aus. darüber sie zu Hanse Nachdenken und sich ihre Meinung bilden sollten. Bei den nächsten Borträgen, dir n über die Lehrsätze hielt, schaartr» sich die Borbereiteten und Etsrigen um ihn, und wenn dann ihre Ansichten mit den srinigen disferirten. so schrurten sie sich, bei aller Bekehrung für den greisen Gelehrten, nicht, diese kund zu geben. Das war keine Beleidigung für den Meister, sondern Brauch und Sitte. Sogleich bildeten sich sodann zwei Parteien — für und wider — und ein lebhafter Disput, von dr» mannigfachsten Gestikulationen unterstützt, wurden von de» Versammelten gefühtt. Zuweilen blieb der Schüler Sieger; dann war sein Ruf al» »guter Kopf" begründet. Heute ist es unser Moi», de» wir in diesem Kreise glänzen sehen. Drei Jahre ist er bereit» in Prag. Talent und Fleiß haben chm einen guten Namen erworben. Körperlich und Seistig vorzüglich entwickelt, stfht er da, al» der schönste und urigste der Di»putanten. Er hat eben durch seine Ansicht einen Zankapfel auf den Tisch geworfen und verficht seine Meinung mit Scharfsinn und Berstand, bi» endlich der Rabbi lächelnd den Streit mit den Worten beendet: »Ehre, dem Ehre gebührt, Moi» hat Recht". Inzwischen ging e» am unteren Ende der Tafel leiser, doch nicht weniger unterhaltend zu. Da saßen die weniger Lernbegierigen, die sich um den Pilpul nicht kümmerten. Der Eine erzählte »um Zeitvertreibe Schwanke und Anekdoten. Der Andere ersann tolle und muthwillige Streiche, und manche» Kichern war kaum zu unterdrücken.' Plötzlichwinkte Rosenheim, der Rothkopf, den Andern zu. und der Schalk ttat auf seinem sommersprossigen Gesichte hervor: »Seht, da» polnisch Jüngel schläft". In der That sah man einen jungen Polen (Polaken) den Kopf auf den Tisch stützend, sich der Süßigkeit des Schlummer» erfreuen. An jeder seiner Schläfen sah man eine schön geringelte, lange Locke, die sogenannten »Pei»". Mit stolzem Selbstbewußtsein ttug er sie stet» zur Schau, drehte sie sorgsam und liebäugelte mit ihnen. So ost seine Mitschüler ihn damit neckten, rief er höhnisch: »Hättet Ihr nur solche i Au» Neid wollt Ihr mich dazu haben, daß ich sie abschneide!" Jetzt, wo er da so sanft ruhete, schob der Rothkopf eine dieser Locken sachrr unter die Pudelmütze; darauf rüttelte er ihn. Verblüfft fuhr der Erweckte aus: »Wa» gibt»?" »Sich nur." wurde ihm die Antwort. »die schlimmen Jungen haben Dir die rechte Pei» abgeschnittrn". Erschrocken griff der Pole hin; richtig, weg war sie. »Weh'," rief er. »wer hat nur da« gethan? Ich werde e» vem Rabbi sagen!" »»Mach' keinen Lärm; wirst Du auch dem Rabbi sagen, daß Du ge-

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