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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 26 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
26 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisch«» 1884. utUifi ‘§lntf ~ Iriilrtoi-Jrilögf der„Jscarlitifdif* Wochenschrift". Inhalt Ter stehn ir. Von Prrdlaer M. Echerbel, «umdinnen (Lchlubi. — Jüdische Silhouellr/» au« «alizien. Von Raihan Samnrly. » flllr» und Dalle«. ,Lchluü). — Allerlei für den Famlltentlsch: stu Heine'» Memoiren. — JetaierinoSlaw. — Galatz. — « «üthsel.Ausgaben: I. Preis-Püihsel. — ll. Arllhmogrvpb-— Ausldsung de« Väihsel« in Ar. 2ü. -- Inserate. — Abonne- «eni«-Sialadung. Der Zehnte. von Prediger M «cherbel, ütumdinnen. lLchluh.) Wer möchte e» nun unserem Loksch zum Böse» anmbne». daß er in einen fürchterlichen Zorn gerieft), als er tu« der Schul kam, und den Kunden verduftet fand! Ein ßcfiörlcs (Geschäft ist auch für jeden anderen Kaufmann, und I Mm andern Ursachen herbeigeführt, kein angenehmes Erlebnis, »nd was muß daher nicht von unsrem Loksch empfunden mnden sein, als er die Arbeit eines halben Tages in dieser Leise vernichtet sah! .Ja, ja, er soll mir nur noch einmal kommen" — schrie er mit heftiger Geberde. — .am Kragen wird er von mir hinausgrbracht. Das schwöre ich!" — Dieses war der Ziefram der Schimpsfluih, dir er über das Haupt des armen echamme« ergötz, obgleich er nicht zugegen war. JKeb Moscheh indes, schien die Liebe zu ahnen, die bei Loksch für ihn wohnte, denn er zeigte sich in den ersten drei Monaten nicht wieder bei ihm . . . ES war in Mitte des Winters, der Schnee lag fußdick ui den Straße», und es fror so heftig, daß die Slubenivärmc loum im Stande'war. die Eisblumrn von den Fenstern zu lösen. Der Abend ist hereingrbrochen, und Schmul Loksch Hai sich bereit» au» seiner Grschäftsthätigkeit zurückgezogen. 3a. »och mchr. Wir sehen ihn ganz aus seiner alltäglichen ltncheinung herausgrkommrii — d. h. im höchst eleganten Anzüge — auf dem Sopha sitzen. Zehnmal hat er die vor ihm auf den> Tische liegende Zeitung zur Hand genommen, und zehn Mal sie ungelesen auf den Tisch wieder zurückßelegl. nachdem er sie an allen vier Ecken besehen hatte. iDewitz, ein beredte» Zeichen der in ihm waltenden Ungeduld. Der bereitstrhrnde Eylinder verkündet uns, daß Loksch die Absicht habe, auSzugrhen. So spät am Abend »och?— llad zu »velchem Behuse? — Hören wir. In dem Wohnorte unsere» Loksch bestand ein Klub, ü> welchen einzutreten, Schmul schon längst die Absicht hatte. Allein immer fanden sich stimmen vor, die seiner Aufnahme widersprachen, man nörgelte an seinem Charakter, an seiner Bildung. an seinen sonstigen Gepflogenheiten herum, wie als »>> es gälte, in dem Himmel ausgenommen zu werden. Jndeß hatte Loksch auch Freunde, die in dieser Beziehung für ihn lhäiig waren, und seine Aufnahme in den Klub durchaus ermöglichen wollten. Einer derselben »vollte in der heutigen kitzung da» Wort für ihn nehmen, und im Falle er Anklang iäadr, Schmul zur persönlichen Borstellung abholen. In Ikdem Falle sollte derselbe sich bereit halten. Da« that denn auch unser Loksch, wie wir gesehen, — K hielt sich bereit. Aber eine Stunde nach der andern ging hin, ohne daß ö«r Freund sich zeigte. Die Ungeduld Loksch'S wuchs zusehends. wird ihm nicht gelungen sein, genug der Stimmen für Deine Ausnahme zu gewinnen" — sprach sich Frau Loksch 2* mit einer Handarbeit beschäftigt war. bereits zum dritten ">al über da» Ausbleiben de» Freunde» au». »Und doch, ** wird, e» muß ihm gelingen;" — antwortete Schmul ebenfalls zum dritten Male — »er hat mir versichert, daß ich die b.sten Aussichten habe". — Wiederum ging eine Stunde, in welcher Schmul Loksch wieder mehremal dir Zeitung vorgeuommen. und ungelesen zurückgrlegt hatte, vorüber. »Ich denke. Du machst Dir'S bequem und ziehst den Schlafrock an, denn mit dem AuSgrhen wird es am Ende heute doch nicht« werden" — meinte Frau Loksch. „Nein, ich bleibe dabei, er wird doch kommen." — .Aber e» ist bereit» spät." — .Und doch wird er kommen." — behauptete hartnäckig Loksch. In diesem Augenblick vernahm er i» der Thal Tritte vom Hausflur au», und bald darauf stieg Jemand die Treppe heraus. »Wa« sagst Du nun?" ries jetzt Loksch, seiner Frau einen triuinphirruden Blick zuiverfend, au». — „Hatte ich nicht Recht, als ich behauptete, er müßte kommen'?" — Er griff nach Hut und Handschuhen und ivandte sich der Thüre zu. an welcher er eben horchte. Allein aus das freudige .Herein", welches Loksch dem Anpochenden zurirf, trat nicht der erwartete freund in das Zimmer, sondern Schmul Loksch sah. — und stand wie vom Blitze getroffen, — den Scham me» Reb Moscheh. eine bren- »ende Laterne in der Hand haltend, als späten Abendbesuch bei sich erscheinen. .Guten Abend, Reb Schmul" — begann der schreckliche Verfolger desselben. — .Möchtet Ihr nicht so gut sein, und mit mir herüber kommen'? Wir wollen eben die Lewanah mekadeschd) sein, und da fehlt uns »och Einer, der .Zehnte" zu Minjan." — Es wäre in der That vergebliche Mül)e. wenn wir versuchen wollten, die schreckliche Enttäuschung zu beschreiben, welche unser armer Loksch anheimgesalleu war, und die Entrüstung und der wilde Zorn, der sich naturgemäß daraus ergeben mußte. Nachdem er de» Eingetretenen einige Augenblicke mit stiller Wuth beobachtet hatte, rief er: »Ha, seid Ihr wieder da, Ihr Unverschämter. Ihr Flegel! Seid Ihr wieder da. nun laßt Euch gesagt sein, daß Ihr mir mit solchen Geschäften vom Halse bleiben sollt! — Hinaus aus meiner Stube, Ihr frecher Mensch! Fort mit Euch die Treppe hinunter! Sieh nur, Jettchen, wie er die Stube und den Teppich mit Schnee besudelt hat." — .Aber Reb Schmul" — .Hinaus", — sage ich Euch, — kein Wort mehr!" Und der SchammeS machte, in der That, in richtiger Vorausberechnung dessen, Iva» noch kommen könne, daß er hinaus kam. Aber Schmul Loksch konnte sich immer noch nicht soffen, und in die rauhe Wirklichkeit hineinfinden. Starr vor sich hin starrend, stand er da, und zerknitterte die seinen Glaee'S, die er in der Hand hielt, in der unbarmherzigsten Weise. Seine Frau wagte kein Wort zu sprechen, denn sie kannte sein ausfällige» Wesen. •) Da« Mond begüßung»-«« bet zu sprrchrn.

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