Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 24 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 80% known words query
- IRI
…/6492351-8722841-5938220--0124-5377679- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 99 — ,WaS ist rr nicht allM, birfcr (Hfjdf!" begann Einer ] v<>n ibnen . . . Und darauf antwortctc r» in der Runde: ..Ein seltener ftouf ..Ei» Vorderer ohnegleichen!" „Ter desir Schoserblaser- ..Ter grobe, ehrliche Jüd!" ..Ein gar lusligrr Bruder!" „Ein vermögender Hans- und Hanklsksiyrr!" ..Und ein gar läufiger Eriminalsitzcr!" schlaft de» Refrain jtt-rele Marschalek ab. ein 'possirliches Mäunlei» mit chnigen. zugekniffenrn Acuglcin. Ter Witzbold halte auch keine llinvahrhcit gesprochc». Mm in der Lbat war aiuki Gezele. — allerdings wie man bin wissen wollte, »»schuldiger Weise — wiederholt abgc imiit worden . . . (SiWiiii!>»,».) BekehrungSspeeulanten. Unter dieser Aufschrift schildert Bauingarten s «Der Cnnit” *) nach der Fürstin von Belgiojoso <Asie mineure ei Sviie) das Irak» der Missionare ivelches wir als Zcit- Acm-ilde im Ausluge wirdcrgck». «Man scheint in England nto die klägliche Rolle kr letztere». kr zahlreiche» Missionäre und Bikllmnsierrr. noch ganz >n> Unklaren z» sein, denn ^sbr aus. Jahr ein spendet ina» ungeheuere Summen dafür, unb die Bekehrung ist heute für kn Orientalen ei» sehr eininglildes Gewerk gemorkn und der Neukkehrtc, welcher bicsc Rolle rinige Male gespielt hat. wird rin sehr zahlungsftdiger Man», rr ksitzt Kapitalien und wird vermögend. Iic Geschichte gellt in fast alle» Sekten und Religionspartcie» dieses rianks auf folgende Weife vor sich: Nachdem der Konvertit einige» Vorlesungen iilwr dieüchrc des Ehriflenlbuiiir kigeivolnit okr auch nicht kigewohnt hat, erhält rr nnr Gratisieativn okr eine Pension, die jedoch nur so lange k>al)lt wird, dis man eine anständige stelle für ihn gekunkn bat. Tie Pcnsiv» wird ihm alsdann entzogen, akr damit mH sein GlaukiiSeiscr. Er ivankrt weiter, sucht eine Provinz auf, wohin die Misionärc seltener kommen nnd kehrt zu seinem militre» Glaube» zurück okr »imm«, weil» er Jude war. m» oft vorkomml, k» Isla», an, alles dieses hängt vo» llwiäiik» ab. die mit km Glaukn nichts zu schaffen hak«, reine moliamedanischen Glaukiisgenossrn, ksonders ivenn sie gut geivählt sind, ivettrifern au Freigiebigkeit, wenn auch aubt an Einfalt mit de» protestantischen Missionären: sie bewillige» km Eonvertiten keine Pcnsion, — eine abendländische VerfahrungSiveisr, — sic gekn ihm auch keine Arbeit, wnl diese Rn kr Aufmunterung zum Prosklytenmachen wenig geeignet wäre: aber sie öffnen ihm alle lhüren. Der Hange ükrnachtct bei dem Eine», speist bei dem Ander» >«d las» sich vom Dritte» kleikn. Da» dauert so einige Ronale, bi» die Erinnerung a» die Brtchrung schwächer ud der Eonverti» veriiachlässigt wird. Dieser geht »»» fort >»d tritt wieder in Verbindung mit einem frommen protnuiiiischr» Missionär, natürlich nicht auf km schauplatze inner srulferen Operationen, wo er seinen ersten Wohltlfäter Ec» könnte. Es giebt iiianchc Schelme, welche Jahre lang 8>n Kirche zu Kirche ziehe» und rin Faullenzerlekn führe»: sw drmgki, nur dir sonst sehr ehrenwertt-en (?) Anstrengungen ön englischen und amerikanische» Geistlichen in Mitzeredit nnd machen sie znwrilen selbst lächerlich-. Hierzu krnerkt br Verfasser, datz kr Bericht kr evangelischen Gesellschaft lnr die Bekehrung kr Ink» vorn Jahre 1871 diese Mit- ^nluugc» vollständig bestätigt, den» I.'l Jude» ivurdrn i» '' e Ii. V'ufli||ui(utKr. * «Tn Crifttt". Ilm Lpaziergang Nur» die m»b«mmed»»iich, mdilch» «sni. Ikibndgriwdilche ilt«»r»tIkr-Bii»c>. Sille», Scene», Böh-'U WtA) ivfn „euesten Mid beste» Quelle» ixardeitei r>c>» sn .leim,,,,», Baumgarie«. S»»>g»ri. Rtrperlche Veilagsbii«- wndiunq fnmt. (Ruf blefr« Buch sei geiegeuilich e»piehieud ausmeii iited.i jenem Jahre bekcht und die Kosten für die Verwandluiig eines solche» Hebräers i» einrn «zwcifelhastcn Nazarenerktrugen ctrva 4000 Pfund sterling — NO,000 Marl!! Folgende, EHarles Eduard nacherzähltc späfte lassen da« Kuriose »och drastischer hcwortretrn. »Der Reverend Mr. I. S. Wolf, ein prerbqteriairischer Missionär, lgrtte «als tüchtiger Sprachkenner. kvor er seine Missionsreise im Sudan antrat, sich die Mundart seiner künftige» Zuhörer angvignet. Aknd» iven» die Eingeborenen vom Felde znrückgckchrt waren, nahm er ernsthaft das Wort und erklärte ihnen die Geheimnisse seiner Theodicöc. Die Neger lagen int Kreise herum und verwandten kein Auge von ihm. So hörte» sie ihn, ohne sich z» rühre», mit offenem Munk an, bis rr »ach einer oder zwei Stunden naiver Biklerklärung mit de» Warten schloft: «Nun meine liebe» Briikr. habt Ihr es begriffe», fühlt Ihr Euch überzeugt?" «Jawohl! jawohl!" brüllten seine schwarzen Zuhörer, indci» sie auf ihn zuspraiigen, «mir wolle» alles glauben, was sie wolle», aber bitte, bitte, einen kleine» Backschisch! Backschijch! <Trinkgeld!». Der Reverend griff in seine Tascl)e und die fupfcrucit Geldstückchen, die Pa ras. wankrten i» die der Neger. Ruch der Glaube in ihre Herzen? Wer iveift es? Die Wege kr Varschn iig sind iiurrfoifchlich. — Ein ankrrr cnglisckfer Missionär zeigte [an der Table d’liöt« de« Signor Battista >» Behreuth seinem Tischnachbar da« Protokoll-Buch der erlangten Abschwörungrn, die durch Unterschrift und arabische Siegel beglaubigt ivaren: auf der Rückseite stand da» Verzeichnis der den Nevphyten gegebenen Backschisch und Summen. Es war dies eine Propaganda mit doppelter Buchführung, wie sie sich für jede» auf Ordnung sehenden Kausmann ziemt. Er selbst erhielt, wie billig, eine Prämie für jede Bekehrung, den» er »inftte ja für kostspielige, ermüdende »nd manchmal gefährliche Reisen schadlos gehalten iverden. Ob akr die Bekehrungen aufrichtig waren, ist eine andere Frage-. Allerlei für den Familientisch. Heinrich £««be über bie |«ben. Man krichtet über eine» neuen Roman Heinrich Laube'». Dcrselk heiftt ,Rukn" und der. Autor, der gegenwärtig im 78. Lebensjahre steht, kbandelt darin die Judcnfrage. Der Inhalt ist kurz folgenkr: Rüben, ein junger jüdischer Kaufmann. hat eine» Herzenabund geschlossen mit kr Nichte einer Patrizierin i» Triest, Signora Molitvre. Er hat kr Familie verheimlicht, daß er ein Jude sei. und nur durch da» Eingrcisen eines eifersüchtige» Nebenbuhlers wird das Geheimnitz alifgedeckt. Der Ink Rüben forkrtc den Indiskreten. Ein Pistolenduell in Udine wird kreinbart. Akr ivährend kr Jude ans dem Kampfplätze erscheint, entschuldigt sich kr Geforkrtr «wegen k» Regcnwcttcrs". Das läfft fast scheinen, al» ob der Autor für das Jukuthum Partei nehme. Trotzdem ist rknso viel gegen al» für die Juden gesagt, und al» sich die l'irknkii schliesilich durch eine konscssionsloS-bürgerlichc Ehe vereinigen, läftt der Signore Bellosi die Bemerkung falle»: «Gott sei Dank, wiekr ei» Jude weniger!" — «Sie hassen also doch die Iukn?' fragt ina» ihn erstaunt. — «Hasse»? Warum nicht gar! Aber es kan» Einem doch eine Rare lieber fein al« dir andere I" — Au» dieser Schlukwenduug lägt sich die Tendenz des Romans folgern. Sie lautet: »Man soll kn anständige» Juk» nicht gering achten, iveil er kein Ehrisi ist: akr man soll cbensoivrnig den «in» anständige» Juden höher achten, uhmI rr ein Jude ist." De« -«de« Dl«che. Am 18. Mai Vormittag» war im Dorfe Berkowitz (Litonur» grvfte Bauernversammlung. Im Jahre 1881 war vo» der Bauernschaft km Jude», Gntspächter und Brannttveinbrenner Jtzig Ltetelmann ein Grundstück auf 12 Jahre verpachtet und erlaubt ivorkn, daft er ei» Hau» daraus