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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 24 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
24 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches 1884. Kiilktri-Kkilsßt >rr ^sraelitischtv Utlhev/chrifl". Trr :Uhnif. t»pn Di. £«irtb(l, Muaibimirn. — Jüdijchr sitt>»ukllk» »»« (»nli.iirn. Po» Gattin» sammln. HIU-* und fitt. Uf*' — V>lkt>iu»ftk!priiilaui>u. — Hllrrlri für dcn ftamillf nti|d>: (vinrid) VtiuUc ulvr die 3'iben. — To« 3»dk» iO111)""' ündif. — Kaub riar« ^iibrnlinbr«. — Hu* km Lpluchschnb bk* lulmut'. iWtijdi libnicpl von Mar jöe i»tierg. — «Slbikl «»'andkm I Tikiülbi,k tfbaiak. — II. Hkbiiiischk» ««,bir>. — «u«l»f„„„ k* Sldlbfd* i» Ar. 24. -- Znskral,. Der Zehnte. Pou M scherbcl, caumtuaiikii. Cr halt»' feine Leiden, wir er sagte, Schmnl Lvcksch, der r* im Sieben mit km Schult Shnagvge». Wellen niemals nufi graomateu t>ottc. iii(t)t4kfipivrnigcr ukr uuu Red Mosche, dem SchammeS. ^ernfm wurk.so oft rr zum Minjan fehlte. Cr butte es mit km Schulgekn niemal» rmft gcnomuien, und batte kiuoii als Stint» schon ein überzeugenk» tVijpirl gegeben. Als ihn zu jnier Zeit ,'ri» Pater rinfi fragte, warum rr kmt ks Margen« ku Gottesdienst immer venchlase. und fid) mdtt keile, nach kr Schul .zu gehe», wenn kr Schammes m die Schul „klopfe"? — anlworlele kr kluge Schmul: „Cs ift mir gar nicht recht das svtNvährende Schulgeheu, niili dazu tiKMti mau non km Schammes so gröblich, ja sozur uni „Mlri'p" gerufen wird. Wie soll matt da gern bi», lieben' — Wim;, anders ift es akr wenn man zu einer libofiem:*) kommen soll. Da kommt der Schammes und sagt: .31»! feil gebetet! zur Ettasseue. — und man gel,l bei einer jolchen Etnladnttg auch schnell und freudig hin!" — WaS thun nicht Eltern Alles ihrer Kinder Igtlkn' — Dieientgen unsere» lieben Schmul veradrekleu mit dem «chammes, das». wenn er am nächfle» Morgen nach der -chul „Hopfe", er doch zu ihrem Kleinen nach kr Stube komme, ihn zu wecken, und ihm zu sagen, daß er gebeten sei. »ach der Schul zu Inmitten Richtig (am auch am ander» Morgen kr Schammes. tntd nachdem er kn junge» Loksch au» dem Schlaf gerüttelt halte, sprach er im einlaknkn Tutte: „Schmul, du bist gedetin noch kr Schul zu kommen". — Schmul schlug die Äugen aus und sah sich den Schammes ganz verwunkrt an. Bald akr die Situation begreifend, envikrte er dem Manne sehr schlagsert'g: „CS ist gut Red Mosche, ich Iah mich auch schönsten» bedanken" — und warf 'ich auf die ankre Leite. Da» iHitte Lchmul Loksch schon in seiner Kindheit gechan. woraus wir etkenne», das» er das Schulgehen niemals zu den angenehme» Pflichten gezählt hrtkn must. Und wie er später Älter, gtüster und klüger wurk, so wurkn auch iller und klüger seine Ansichten und verschÄrsten seine Ab- »eiguug. gegen da» tägliche Lhttagogeuksuche». Da« rvüre nun an und für sich noch nicht schlimm gewesen. Den» wie es sich herausgestellt batte, trirr die Schul diese! k gebliek», als Lehm ul Stoisch sie auch nicht mit seinem Besutlte!>eel>tie. und kr liek Wett Imtle auch Niki wenig "«gebüßt. Allein kr Schammes Reb Mosche batte auch seine Mentm,g. mit ihm auch noch viele andere Mitglieder kr Wemeittk, unb diese schienen e» daraus abgesehen zu hak», schwul mit Gewalt in die Schul zu bringen, um ihm also t»r Seligkeit zu verhelfen. £kr sie hatten ihr eigenes Interesse babri im Spiele. Jen» wie e4 einmal bei kn Juden Otrjey ist, so müssen zur «dhaltung de» Gottesdienste« wenigstens zehn Männer ver- *- Hochzeit. einigt sein. Da« Fehlen eines einzigen schon macht den öffentlichen Gottesdienst nnmöglich. Man kann sich also wohl selbst das Preeäre denken' da» eine solche halbberechiigte Persammlnng in sich trägt, und daß. wen» also neu» Männer vereinigt sind, sie mit aller Sehnsucht ihrer Seele nach km „Zehnten" Begehr haben. Man sucht denn nach diesen „Zehnten" wie nach einem Schah. Loksch, dessen Wohnnng und Geschästslvkal, — wie der gute Mann meinte, zu seinem Unglück — in der Nähe der Shttagoge gelegen war. ninsite »int in kr öftersten Weise schon, in seiner Person kn gesuchten „Zehnten" Itergebe». Cr that e» immer mit einer gewissen Verdrießlichkeit. Folgenkr Fall akr trieb seinen Widerwillen gegen diese Crgänzungsfunktion bis ans die höchste Spitze. Eines Tage» besaud sich Lchmul Molsch in seinem Gesck»ästslveal und war eben eifrig bemüht. einen harten Knitkn zu bearkiten. l Unter „harten Kunden" verstehe» wir. »nd verstand auch Loksch eine» solchen Käufer, der immer die Hälfte von dem Preise bietet, welchen kr Katisinann für die Waare gefordert hat. und es kr Lunge und Zunge des Letzteren überläßt, ihn in stunktilangem Ringe» den rechtmäsiigen Kanfprei» herauszupressen. Eine» solchen Ktttiden hatte eben Schmnl Loksch vor sich. Der Mann war halb nach Mittag eingetreten, ntn Zeug zum Anzug zu kaufe». Die Slnnde» gingen im fortwährenden Drängen um Pfennig und Groschen dahin, mid jetzt dämmerte bereit« der ttknb. — Die Galle unseres Schmnl hatte in dieser ^it Wnnderbirres zu leisten gehabt, und wir brauchen eS erst nicht z» sagen, das> ei» Rerger in ihm waltete, womit er sicher »och zehn andere hätte betheilen können. Und doch »tnstle er ksck»eiden. ja höflich bleikn. Sv viele Groblieiten er auch ans kr Znttge hirtte, er inußte sie krttitterschlucken, und dein „harten Runden" Schmeicheleien ükr Schmeicheleien jagen, tun sich das Geschäft nicht entgehen aii lasse». Pier Stunde» ks Zn- und Ueberreden» waren verflossen. In diese» vier Slnnde» hatte der Knnk vier Silbergroschen zugelegt, »och vier ntnszten ihm abgernngen werk», wen» der Katts zu Stank komntett sollte. Inzwischen begann e«, wie kreit* gesagt, zu dunkeln, und es war die Zeit kt. das Minchah-Gekt zu verrichten. Wenn nun anch Schmnl Loksch sich weniger nm diese Pflicht kümmerte. so kümmerte» sich doch die drüben i» der -rhttagoge kreit» versammelten neu» Männer sehr viel daritnt. Sie wollten da» Minchah-Gekt verrichte», die Zeit drängte — und e« fehlte der „Zehnte". Man beauftragte k» SchammeS, daß er hittükr zu Schmnl Lokjch gehen, und ihn nach der Shttagoge bitten möchte. Der SchammeS wußte wohl tva» es kknte, den Loksch zum.Zehnten" zu rufen; er hatte in dieser Beziehung schon böse Erfahrungen gemacht, er kannte seinen Papenheimer. Inkß, er konnte nicht wikrsprechen, und mußte seine» Amtes walten. Bald darauf tritt er in das Laknlvkal von Schmnl Lokjch. Dieser hatte nicht allsobald den Eintreienden erkannt.

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