Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 23 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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>23. Jüdisches 1884. «^tavl i r n-f/tf// |f«ilfloi«6fila|f brr .ZsrarliWtv W-chrvschritt". Inhalt Ift Dubnoer Waggib. <>»» l)r. I Uolbfdjm ibt. Rabbiner in Weilburg a. d. 1'. (3d)luf|i. — Jüdisch« Siltu'iifttfn an- Äalijie». Bo» Raldan «amiielv. Ntadriel der Lügner iJorisevung.) — Allerlei für den Janiilienliicb: Amerikanisch. — Der Jude von tvorid. — Au» dem «pnichschad de« Dalmnd Poeiisch üderirdi van Mar Weinberg. — silben Rüllhel. — ÄnsiSjnng der 4 Rälbsel in Rr. 22. — Inserate. Der Dubnoer Moggid. 2>an I)r. A. Violdschmidl, Rabbiner in Weilt,,irg a. d. V. (Schlus,!. Hinsichtlich de» stolze» auf irdische i^ade» erzählt er: .lfinr Gesellschaft russischer Saufleiite reiste einst nach Leipzig zur Messe. Dir -Herren hatten in Leipzig Kredit, und den nutzten sie auch »ach Bedarf, der Eine >nel,r, der Ändere »niigrr, au». Auf der Rückreise trafen sie wieder zusaminr», und da hatte der Eine eine hochausgeschichtete Wagenladung, während rin Anderer nur einen kleinen Pack hatte, u. s. w. Lie reiste» ganz einträchtig nrheneinander, der Herr der graften Wagenladung stolzinr nicht gegen den mit dem llrinen Pack, denn — sie hatten ja Alle» auf Eredir genonnnrii. »nd somit, wenn der eiue ein größere» Quantum Waare» hatte, so hatte er auch dafür ei» größere» Quantum Schulde», »nd »mgekrhrt. Unterweg» aber »vandte sich ihr ehrlicher kmn; sie deschlosse». Leipzig nicht mehr z» besuck>en und ihre lireditorrn nicht zu lwzahlen. Mit diesem Entschlüsse war aber auch ihre Einträchtigkeit zu Ende, der Herr der größeren vaarrnmengr stolzirlr nun gegen den Herrn der kleinern, denn da sie sich nun al» dir Eigenthümer der Waaren betrachteten. entstand el>e» unter ihn » auch ei» Bennögen»- »mnschird. — Die Ainvendung ist folgende: so lange der Mensch die irdischen Gaden al» rin Darlrl»en betrachtet, da« ihm nitsprechende Verpflichtungen auferlegt. so lange giebt e« innen Vermögen»- und sonstigen Unterschied und so lange kann von Stolz keine Rede sein. Wo Stolz sich regt, da »eiilt man eben nicht an'« .^sahlen". — Die Bibelstelle: „Q>ott erschuf dickt, daß du vergäßest, und du vergißt den Gott, der dich erschaffen", erklärt er mit ivlgnider lustige» Schnurre; „Rillen schuldete einst dem Eimon eine Summe Gelbe». Von dein Gläubiger gedrängt, ging er zu Levi. sich Rath« zu rrholni. Ln» nrth ihm »u». ivriin Simon sich wieder bei ihm blickru ließe, so solle er, der Schuldner, nur Verrücktheit simulirrn. So geschah e»i al» Simon kam und seine Schuld forderte, fing Rul>en an. unsinnig zu blöken und allerlei verrückte Purzelbäume t» schlagen, und ko wnrde er den Simon lo». Rach einige» tnt nahm Rüben rin Darlehen von Levi, der ihm dir>e» ath eben gegeben. Al« später Levi sei» Darlehen zurückvrrlangtr. fing Rüben rbrnfall» sein Geblöke und seine verrückten Purzelbäume an. Da beklagte sich Levi mit Recht: »Bin ich e« nicht, der Dir mit diesem Rath beiarstanden. »nd nun rvendkst Du ihn gegen mich an!" — Da» Vermögen : zu ve»gessrn. ist dir Wohlthat. dir der Mensch au»! brr Hand der Vorsehung empfing, und der Mensch wendet diese Wohlthat gegen den Wohltäter an. indem er der Vorkchung vergißt". — Wer denkt da nicht a» Phalari» und Perillu»? Alle» gab unserem Dubnoer Maggid Anlaß. rin Hülhche« Meichniß zu ersinnen. Wen» verschiedene Lesarten in kinem 4'(it den Philologen so viel Sopszrrbrrchrn machen, um die nchiigc ru ermitteln, »vußte der Dubnoer Maggid durch ein Bleichniß e» plausibel »u machen, daß beide richtig sind, z. B. sprechen am ersten und zweiten Abende de» Passahdir Itrarlittu mit dem Hinwei» aus da» vorgeschricbene. ungesäuerte Brod. »ach einer Lesart: »Die« ist da« Brod de« Elend», ivelche» unsere Biter in Eghpten aßen", und nach einer anderen LeSart: .solche« war da« Brod" rc. Unser Dubnoer spricht: .Beide Lesarten sind richtig, und zivar entsprechen sie verschiedenen Zeiten, wie dich folgende« Gleichniß ül«erzeugen wird. Einem arnlcn Hausirer hatte einst Fortuna freundlich gelächelt, er fand eine» inächtigen Schatz, der l» srül>eren Jahrhundcrlen von »»bekannter Hand vergraben worden sein invchtc. Er eilte nach Hause und begann ei» neue« Leben. Er kaufte ein schöne« yau». hielt sich eine Equipage, eiue» Erzieher für seine Kinder u. s. w. Aber übermüthig ivurde er nicht; im Gegentheile. einen Sittel, ivie er ihn zu tragen pflegte, bevor er de» Schatz fand, venvahrtc er sorgfältig i» einem eigen« dazu gemachte» Schrein in seiner .guten Stube", »nd alljährlich, ivenn der Dag kam. an dem der Umschwung in seiner Lage eingctretc» ivar, »ahm er den schlechten Sittel l)eraus, zog ihn a». versammelte seine Freunde »m sich und seine Familie, gab ein t^astinahl, gab den Sinder», nachdem auch die Armen bedacht waren, reiche Geschenke, indein er sprach: seht Ihr, eine» solchen armseligen Sittel trug ich vor so uud so viel Jahren. Man denke sich dir Freude der Sinder, ivenn der Vater an deu Schrein, der da» ganze Jahr r>erschlossen blieb, hintrat und de» Sittel herauanahm! Scho» im Voraus freuten sie sich der schönen «beschenke, die da nie auSblirben. — Allein .Fortuna ist eine Metze", sagt Hamlet — sie wandte ihrem Protägä auch wieder den Rücken; sein Vermögen verminderte sich, er schaffte den Erzieher ab, verkaufte die Sutsche, sei» Hau«, dir schöne» Möbel, endlich aiich die guten Slrrder, und e» blieb ihm nicht» übrig, al» — den Schrein zu öffnen, den Mittel de» Elend« wieder heraus zu nehmen und wie in früheren schlinimr» Zeiten anzulegen. — Die Sinder, al« sie den Pater den Sittel herausnehmen sahen, freute» sich kindlich in Envarluiig der reichen Geschenke, die nu» kvmmrn würde». Der Pater aber lächelte bitter, indein l>eißr Dhränen ihm über die Wangen rollten, und sprach: .Ach, liebe Sinder, heute freut Ihr Euch umsonst! Frittier legte ich den Sittel an, um Euch zu zeigen, tvie schlimm e» früher mit mir bestellt war; jetzt lege ich ihn an, »veil r« eben jetzt schlimm mit mir bestellt ist. Früher sprach ich: solch eine» Arbeitakitttel trug ich zu der und der Zeit; jetzt aber spreche ich: diesen ineine» Arbeitskittel" rc. — Diesel!* BAvanvtniß hat e« mit den zwei angeführten Lesarten: für glückliche Zeiten ist die Lesart: .Solch Brod de» Elend« aßen unsere Klater i» Eghpten". für schlimme Zeiten, im Joch« to« Fanatismus: .Diese« Brot de« Elend« u. s. w." — Den Beschluß möge folgende Anrkdol« machen, die zugleich von seiner seltenen Schlagfertigkeit Zeugniß ablegt. Der Dubnoer Maggid ivurde einst gefragt. >va« er denn frittier fertig l-alv: da« Gleichiiiß. oder de» Gedanken, den da» Glrrchniß veranschauliche? Er envidcrte: „Da« will ich Euch durch ein . . . Gleichniß beaniworten. Bekanntlich", sagte er. .müssen königliche' Prinzen Alle» lerne», »nd so kam den» bei dem Dhronfolger eine« großen Reiche» endlich auch dir Reihe an'« Scheibenschießen. Natürlich wurde dazu rin besonderer Mentor berufen, ein Meister seine» Fache«. Der Priuz erhielt täglich einige Stunden Unterricht im