Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 21 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
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■rftijic Exisien,z Wohl wissend, daß sein juridische- Wissen L nur dann von Nutzen sein würde, wenn er vorher den Urgrichriebencn lange» LrhrkursuS i» englischen GerichtS- Mc„ durchgemacht haben würde, faßte er de» Entschluß E« zu thun. und obschvu tut hohen ManneSaltcr stehend, Mchmahte er es dennoch nicht, mit siebzehnjährigen Studenten Bit einer Bank zu sitzen, um sich da» »örhige Wissen anzu- Encn. seinen kümmerlichen Lebenüunterl)alt verschaffte er Ich nkilircnd dieser Studienzeit dadurch, daß er für ver- Mtdeur Zeitungen Artikel schrieb und diese Beschäftigung Mte er fort, bier die ersten Früchte seines seltene» Fleißc- Intrii konnte, Im l'auff der Zeit dehnte sich seine Prari- ■rtart au», daß seine jährlichen Einnahmen sich auf mehr :iU0,00(> Mark beliefe». Aber nicht allein sein Rcichthum, ladern auch sein Ansehen bei seinen College» in den englischen «erichi-hösen wuchs mir jedem Jahre, und als er im vorigen Kdbrr auf Anrathen de» Arzte» von seiner juridischen Uchaligleit sich zurückziehen mußte, gaben Letztere ihm zu «re» rin Abichiedsbanquet, woran die ersten Richter des Dacde» sich betlniligten. wobei sie den Gefühle» ihrer Hoch- Könung für den au» ihrer Mitte «cheidendendcn warmen Dliiidittck gaben, Qbscho» Mr. Benjamin kein orthodoxer lüde war — er tseiratheir nämlich eine Christin — so blieb Kr dennoch dem Iudenlhum treu und verlrugrc seine Ab- Kuounttng nicht. Als einst in einer warmen Debatte ein Kaerikanischcr Senator ihm seine jüdische Abstammung vornan. gab er diesem dir berühmt gewordenc AnNvort: .sie, »err Senator, sollte» doch bedeiiken. daß, wahrend Ihre Mllkivilisirten Borfahrcn noch de» wilden Bären in den Waldein Schlesiennachjagten, die Mrinigen schon Prinzen p Laude waren - Da« Urttzeil ci«r* jüdische« K«adrn »der )»K««. I Neulich nimmt rin dreizehnjähriger jüdischer «nabe, Ißecundaner des hiesigen Gymnasium«, der Ihre geschätzten piätter, verchrter Herr Redakteur, setir häufig und zwar mit dnenderer Borliebe, liest. Ihm mir Nr. 17 de- „Jüdischen iLilteraturdlatteS" zur Hand, und kaum hat er einige Zeile» Maat, höre ich ihn lwrzlich lache». Ich frage, was ihn in ane so l>eitrrc Stimmung versetze, und er antwortet: .Da idllt mein Blick zuerst aus den Anfang der Beleuchtung des Zm'tus'schen Iudensoiegel», in welchein letzter» Cholhamoäd Ul» .rin Fest der Juden, im Frühjahr und im gerbst, an dem eine jegliche Gcschästüagitation streng verboten" sei, erklärt wird. Nun habe ich wiederdoll gelesen, daß man diese» Justus für einen getauften »olnischt-n Juden hält, der in der Jugend ein wenig Talmud «lernt habe.*) Diese Ansicht über IustuS kommt mir jetzt, *> ich seine Erklärung des Cholhamoöd sehe, so komisch vor. daß ich darüber lachen muß. Ich glaube nicht, daß unter »olnischen oder auch nur deutschen Iudeil, welche letztere doch im Allgemeinen weniger Talmud lernen, iveniger streng de Feile begehen und daher auch iveniger die bezüglichen Satzungen kennen. ein irgendwie religiös erzogene« Sind iholhamoöd in der erwähnten lächerliche» Weise erklären — .Bicllcicht aber, ivarf ich ein, crklän dort Justu» wider dffsere» Wissen so. weil es ihm in den Kram paßt?" »Da» ist, erwiderte der Dreizehnjährige, wohl nicht gut «ziuiehmrn. IustuS ist allerdings plump genug im Entstellen dn Wahrheit, aber er wird da« doch gewiß dort seinvorsichtig ««erlassen, weil jede« jüdische Kind da« Richtige weift und verspotten könnte, ja. weil jede» jüdische Lind den Christen, « dem IustuS glauben, sagen biirftc: Geht doch einmal de» Halbfriertage» iChv l ha »ivüdl i» die Gc» *• ttlf .Hamellz", durch unferr Notiz in Nr. 1V aufmertfai» gr> 7^. »och hinjusilai, lst .Iusiu» Brnmanu" derfelbe, drr vor ü Iadre» Ar »rau i» «allpen als HJW sitze» lleh, im (Mag alsdann mit dem ywwuin de la Mol zusammen (am, und IHH1 in Berlin mit grsillschien J5»1'» del den Bontetzern der v"V-<lhewral> vorfprach und sich dann "«W lauten lirfi. (Med ) schäftSl okale frommer Israeliten, welche dieselben am Sabbath und Fest streng geschlossen haben, und ihr werdet euch mit euren eigenen Augen überzeugen, wie euer IustuS lügt!- (In flüchtiger Parenthese sei hier nur auf die Anmerkung zum Schluß des § 92 in dem deutschen Lehrbuch der israelitischen Religion, nach den Quellen bearbeitet von dem ebenso talmudkundigrn wie strenggläubigen sel. Rabbiner Dt. B iv Auerbach, hingewiescn: .Geschäfte, deren Unterlassen Einbuße de« Besitzes, oder Berlust seltenen Bortheil« wäre IMeßzeitj. Kauf und Berkaus von Speisen und Geräthen rc. sind an den Halbfeicrtage» erlaubt.) Falls auch sic, verehrter Herr Rcdacteur, gleich mir, das Urtheil jenes Knaben der Bcröffentlichung werth halten, stelle ich Ihnen dieselbe ergebenst anheim. Dt. Krön er-Brandenburg. Allerlei fiir den Familientisch. A»tzka»d. In Machnowki (Kiew) wurde rin alte» El»epaar aus folgendeni Anlasse crntvrdet. Den strengen Dorsherrn zu schädigen, hatten Bauern Stallungen und Scheune» in Brand gesteckt, ohne daß die Tl-äter entdeckt wurden. Da ging der alte Jude, der sonst nur am 1. Januar das Haus des Herrn betrat, um Pachtgeld zu zahlen, kurz vor Pesiach zu diesem, um einen Wagen Holz von ihm zu erbitten. Die Bauern, fürchtend, er ivollc sie vcrrathen, liefen in sein Haus, erwürgte» seine Frau und ihn. sobald er seine schwelle betrat; darauf zündeten sie da« Gehöft an. das jedoch gelöscht wurde, bevor die Leichen verkohlt wctrrn. — In Radziwillischek (Kiew) hatte dir Civilbchörde es nicht gewagt, einen Soldaten, den ein Jude eines Diebstahles beschuldigte, festzuhalten. Der Kerl entlief und nun hieß eS: Die Juden haben ihn todtgeschlagen. Am letzten Tage Pesiach erst wurde der Deserteur cingefangen, wodurch die Juden Ruhe bekamen. (Hameliz.) In Kschernitscht« (Dorf-Bezirk Berditschew) hat eine arme jüd. Frau ihr Kind einer Christin übergeben, um ihre Dienstpflicht erfüllen zu können. Die Pflegerin ries zivei Bauern zu sich und forderte sie aus. zu bezeugen, daß die Jüdin ihr das Kind geschenkt habe, so daß sie nach Gutdünken init ihm verfahre» könne. Bon den Beiden begleitet ging sic zum Geistlichen, drr das Kind taufte. Trotz aller Berwendung ist das Kind der Mutter bisher noch nicht zurückgegeben worden. Der Geistliche ist von den Juden verklagt worden. AuS Imerit«. Die Kolonie .Alliancein Wineland. welche eigentlich eine Bersuchsstation hatte sein sollen, von welcher au« die Erprobten nach Dakota als Ackerbauer zu verpflanzen waren - ist zu einer llaetheilten Colonie mit circa 70 Familien geworden, welche außer mit Ackerbau auch mit Cigarrrnfabrikation beschäftigt wurden. D ese Fabrik ist niedergebrannt, doch es werde» die Arbeiter mit Wegebauen und Baumwurzrlnroden für 40 Cent täglich beschäftigt. Der Boden ist schlecht und S mal zu theuer bezahlt. Bielleicht — wenn sie aushalten, daß da« Buschlano später Obst und Gemüse trägt! 3WU«1 a«f de« Sinai. Da« Brdürfniß nach einem anständigen Postamte auf dem Berge Sinai hat sich besonderlebhaft geltend gemacht. Die Mönche de» dort befindlichen Kloster« der heiligen Katharina sind zu dem Beschlüsse gelangt, zwischen diesem Kloster und dem nahen Hafen von Ter, in ivclchein die Dampffchiffc der ägyptischen Gesellschaft „Khcdiviehauf ihren Fahrten nach Dschiddah und Hodcidah immer Station inachcn, einen regelrechten Postverkchr herzustellen. Die auf dem Berge Sinai und in dessen llmgrgeiid hausenden Beduinrnstämme haben dem Abte de« Klo>ter«, gegen die Zusage eine« schönen Geldgeschenke«, schon versprochen, daß sie den Postboten ungehindert ihr Gebiet passireit lasse» werden.