Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 19 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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.*■19. . Aüdische» 1884. |fiilft0n«Srila§f -er..Z-rEklitischt« Wochtnschnst". .Drr golbenr «oben" Ein, «rzöblung von «. Haus,. iLchiust.» — 3iU>ifdK «faioufltfii au« Galizien. Bon Aalha» Hnff'* « am»,ln. llnfrr Dawibsobn. — «it ich Pbilvleinii gnuorbru bin. Erinnerung an altr j,ltrn von Moriz Jokai. — Allerlei für »en tVamilirnliftf): Die «egenwan. — Pest. - «»«lin. — «er ist „Jiiftiw“? — ul, iII, jübliche Eharallerzilge. 7. Die lugend an sich. — H. SchlagfeNig. — Inserate. Der goldene Boden. Eine <kr^ädlung von B Hause. (Nachdruck unl-rsagt.» fSchlust.) Jakob Blumenseld ivar tvdtenbleich gnvorden und trat vor schrecken eine» Schritt zurück. .Ach Gott," sagte er. .entschuldigt! Ich wußte nicht". Weiter vermochte er nicht zu sprechen. .Run. Tu wußtest nicht, daß ich hier wohne," sagte Iokel. .Jetzt «ißl Du es aber und wirst mir doch wohl die Hand geben?" Jakob legte seine Hand zögernd in die Hand Jokel'S. .Ach. ich halv —. ich war" und wieder versagte ihm dir Stimme juoi Weitersprechen. .Ich lfabr. ich war" sagte Iokel lachend. .Wir halten, wir ivarrn" willst Du sagen. .Wir haben uns als Kinder schlecht miteinander vertragen und waren zwei böse Buben. Jetzt alvr sind wir Männer, Jakob! und dalfn damit nichts mehr zu schaffen. Ich freue mich, Dich wieder einmal zu sehen. Es ist schon lange l»er. daß ivir uns nicht gesellen haben." Jakob erholte sich von seinem schrecken und wurde ein ivenig zutraulicher. .Du iveißt wohl, wie es »>ir geht?" sagte er. Iokel ivußte dieses nicht Er Halle früher wohl gehört, daß Jakob Blumenseld nach Berlin gczvgz» sei, sonst aber nicht« iveitrr erfahren. Li» Blick aus de» schäbigen Anzug Jakob'» aber und aus I sei» gedrückte« Aussehe» sagte ihm Alle« und ergriff ihn! machiig. .Ich iveiß nichts!" sagte er. indem er Jakob zum Sitze» einlud. Jakob setzte sich und seufzte tief. Frau Birk war Ansangs überrascht, in dein Manne eine» Jugend- Mannten ihre« Manne« zu sehen, l>egriff aber alsbald aus de» gefallenen Aeußerungen und dem Benehmen des Mannes de» Zusammenhang und sah theilnahmsvoll auf ihn hi», kic mkrttr wohl, daß er de» Muth nicht habe, ihrem Manne sa» Anliegen vorzubringen. Sic sagte dal»er z» diesem: .Der Man» hat unsere Annonce gelesen und ivünscht unsere schriftlichen GeschästSarbeiten zu übernehmen." .O, gewiß, gewiß kannst Dn diese» Posten erhalten!" sagte Iokel mit Lebhaftigkeit. .Wenn Dir damit gedient ist, hast Du den Aorzug vor allen Andern!" Jakob athmete freudig auf und rcichte Iokel und seiner Frau mit Dhräneu im A»gr und erstickter Stimme da»le»d, die Hand. Sein Herz thaute aus unter dem erwärmenden Hauche der freundschaftliche» (Be iinnung. der ihm hier rnlgrgenwehte Er erzählte nun seine Vrbensfchicksalr. wobei zahlreiche Thronen über seine sorgengebleichten Wangeu rollten. Iokel und seine Frau waren aui's Tiefste ergriffen. .Weiß« Du auch." sagte Jakob, als er seine Erzählung beendet hatte, zu Iokel, .wie sehr wir ikinber in der Schule gelacht haben, und ich zuerst und zu» ums«, als Du sagtest. Du wolltest ei» Schuhmacher werden? Ta sagte der Lehrer: .E« wird vielleicht später noch mancher sage»: .Wäre ich doch auch so gescheidt gewesen, wie der Iokel und hätte in mrincr Jugend ein Handwerk gelernt!" 0. reit recht hat er gehabt! Mich hat e» zuerst betroffen! Vif oft habe ich schon grtvünscht, ein Handwerk erlernt zu haben! Es» tüchtiger Haudwerkcr kann sich und seine Familie u»u>cr ernähre» u»d braucht nicht so bittere Roth zu leiden, wie ich und die Meinigen schon haben erleiden müffen." äokel tröstete ihn und gab ihm die Versicherung, ihm mvg. W lfistehen zu wollen. E» wurde nun verabredet, daß er. jeden Tag. Bor- oder Nachmittags, auf einige Stunden in das Geschäft kommen und die Buchführung und sonstige schriftliche GeschästSarbeiten besorgen solle. Die Einladung, mit in die Wohnung zu gehen, schlug er für heute au« und entfernte sich wieder. Er versah die übernommciic Beschäftigung bei Iokel sehr gut und pünktlich. Er war in seinem ganzen Wesen ein anderer Mensch gcivvrden. Das ividrrsahrene Lcbensgeschick hatte dir Mängel seiner Erziehung verbessert. Iokel erwies ihm viele Wohlthaten und er zeigte sich derselben auch würdig. Um ihm vollständig aufzuhelfcn, errichtete Iokel in einer, von seiner Wolniung entfernten Straße ein Filialgeschäft und ließ es durch Jakob und seine Frau verwalten. Beide hatten Ursache, mit dem Erfolge zufrieden zu sein. Die früher übernommenc Beschäftigung bei Iokel wurde beibehalten. Ein Sohn Jakob'« ist bereit« bei Iokel in der Lehre und ivird Schuhmacher; ein zweiter wird Blechichwico. Die beide» jünger» befinden sich noch im Aiter der Schulpflichtigkeit. .Ich habe vier Jungen, die müssen alle Handwerke erlerne», wenn ich am Leben bleibe;" sagt Jakob oft. .Ich sehr immer mehr ein. daß da» Handwerk noch einen goldnen Bode» hat." .O ja," antwortetegetvöhnlich Jakob .man muß demselben nur mit Fleiß und Liebe obliegen und stets gute Arbeit liefern! Es ivird nicht Jeder r-ich dabei; da) hängt beim Handwert, ivie bei jedem andere» Geschäfte, immer von besondere» Umstände» ad. Aber das Handwerk ernährt zu jeder Zeit und nun: fleht auf festem Bode», llnd da« ii« schon sehr viel, und man kan» sich daran genüge» lasse»!" jüdische Silhouetten aus ttalizien. Pv» Watt) ii ii -n Hinein. >«»n,diuck uu,rri<i,i.> VI. Anser pawidsohu. Ich glaulw ihn noch jetzt vor mir z» sehen, den langen, klapperdürren Jankelc Grünfpann, mit dem kleinen Zottelbärtchrn, dem abgcmagcrteu kränkliche» Gesicht, de» traurigen stet« vrrschlascncn Augen und dem übergroßen Kopfe, der ihm immer auf die flache Brust herunlerhing. wie eine überreife Frucht, die sich vom Baume ablösc» ivill. Er war der traurigste Mann der Gemeiudc, ivas ihn jedoch nicht verhinderte. eine» sehr heitere» Lebrnsberuf zu habe». Er war nämlich Lustigmacher, oder ivie ein solcher hier zu Lande genannt wird .Marschalk", und keine Hochzeit gab cS im Städtchen S., wo er sich nicht einftclltc, um das Brautpaar und die Hochzcitsgästc zu belustigen. Daß der so kranke und melancholische Jankelc sich just den Beruf eines LustigniachcrS gewählt, mag dcnfclbc» Grund l-aben, weshalb äici» einstiger Schulkollegc Ahron Grünfcld, der als Kind ein glänzendes Talent für Zeichnen bekundete, in seinem später» Alter Flickschneider geworden ist. oder daß ein Anderer, Ehajcm Dreifuß genannt, der schon in seiner Kindheit ein großer Rechenmeister war, später das Amt eines Synagvgcndieucrs in irgend einem kleinen Städtchen verwaltete. Die Sünde ihrer armen, unwissciiden Eltern ist e«, welche die Kinder oft bi« in das greiseste