Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 17 (1884) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
17 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/6492351-8722841-5938211--0082-5377645
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1884. k 17. Jüdisches 4^*- |f»ilfton«Öfilögf -er „Isrurlitifdirn Wochtnslhrift". ,K-.fi. »Ifr ftoibene vode»" ttliif UrVtltliinn von B Haus», t!fonsepu„a>. — «u« dem vebe» Bertbold iltiierbaäiS — 3ubifrtK Bilde» lUllllll. »»»!«»>'.,>e». Bo» ^Hinridi Woltllfb. — Xrri bebe,lisch« Lieder. Uebetsetzl von S. «rlsteller. I. «n de» «ru„. II Da» J 0»l'»e»,adr. III. Da» Vicfc vom Wasser. — Kllrrlri für den Jamlllentlsch: Pari». — Kiew. — New zhort. — llnrlosum. Der goldene Boden. Eine Erzödlnna vo» B. t»ause. I« 17.') (Hochdruck nnl-rlogt.« Es ist Zeit. das, wir un» auch eimmil »ach Jakob lummfdb u midien, um zu erfahren. >va» au» ihm geivvrden iü. Nach Perlauf feiner £d)ulpfli<bti}ifeit lvar er mehrere ' »ihre im Geschäfte seines Paters lhätig. Dann schickte ihn lau Pater zum Zwecke der Erlernung der kausinänuischeu Buchführung aus ein Jahr als Bolontär in ei» grösseres in miiM benachl>arten Städtchen Infindliches Geschäft. Da er ,e»'ug gut begabt war. fiel es ihm auch nicht schwer. sich ibreub dieser Zeit die deireffende» Kenntnisse anzueignen. In dem letzte» Monate seines dortigen Nnfenthalt» Isatte er a» Unglück, tab ihm ein schwere» Fass auf die Hand fiel und ihm den Mittelfinger der linken Hand zerquetschte, sv dass dieser al'genvmme» werden »insiie. Er wurde dadurch mtlitiirrrri und da seine Elter» aufjer ihm keine Kinder dalten. sv dachten sie frühe an seine Perheirathung. NI» einziger Lohn de» reiche» Perez Blninenfeld war er auch nne gesuchte Partie Er hatte kaum da» 2k. Jahr zurückizelegi. als er sich.verlobte Lein Wahl war aus ein schöne» Mädchen au» einem lieuachdarte» Städtchen gefallen. Sie , war da» Kmb reicher Eltern und erhielt eine Mitgift von . zchiitausend Thalern Da» iväre Alle» sehr gut »nd ent-! spkcchend gewesen. lueuu ihre Erziehung nicht eine solche -nveseii iväre. wie sie vermögende Eltern ihre» Töchter» zu geben in der Jetztzeit — leider! — oft für gut Isalten Bi» zu > ihrem fünfzehnten Jahre hatte sie wenig gelernt, war aber ' bereit» in de» Künsten der Pvrnehmthuerei und in der Nrt »nd Weise, sich nach der nenestett Mode zu kleiden und zu \ geren. sehr ivvhl erfahren. NI» sie d>i» fünfzehnte Leben»- > >ahr zurückgelegt hatte, brachte» ihre Eltern sie iu eine grössere Stadt in ei» feine» Mädchenpensionat. Da sollte rin Jahr bleibe» und. wie ihre Elter» sich ausdrückte». .Äildnng lerne»". Mit dem „Bildung lernen'' ist r» aber nne eigenthümliche Lache. Bildung ist nicht», >va» dem Menschen von Nutzen beigebracht oder wie ein heilsamer tsliiiderirnnk eingegeben werden kan»; sie mutz vielmehr von )nnni heraus augebaut werden, innerlich ihre» Grund und ihr Wachsthuii, haben. Wo diese» nicht der Fall ist. beschrankt sich da» Ganze auf ein Paar äutzerliche Manieren, di« durchau» keinen Werth haben und sich bald wieder veraschen. Bielen Elter» ist e» Imuptsächlich auch »ur darum in tlmi«, sagen zu können: .Unsere Tochter ist in Pension ßnvese»-. Damit glaube» sie ihrer Trichter einen Geleiten mit in'» Leben zu gebe», der sie vor jedem Zrveisel »n ihrer Bildung sicher stellt. Die beste Pension»- und Uniemchtsanstalt ist aber nicht im Ltande. au» einem unwissenden. innerlich ungebildeten Müdchen in einem Jahre ”nc gutunterrichlete. wvhlgebildete Dame zu machen. Gervitz ht aber, datz die von so vielen jungen Müdchen augestrebte Damenqualität für Bieter Berhültnisse und zukünftige Lebe»»- I« vor. Nr. lese man: L t. d. Z. r» v. u. „trotz seiner ««tttommrnheltstatt fugend-, ^eitr 5» b. •}. * ». o. „seine eil alb“ statt „seine tze »eath plötzlich. Daselbst >>- ». u.: „Srundsötzen" statt ttzrunbsesten. stellting weder vvrtheilhaft, »ach wü»>che»swerth ist. Eine einfache bürgerliche und häusliche Erziehung mürbe dem Lebensglücke Vieler eine bessere und dauerhaftere «Grundlage gebe». Die nähere und ausführliche Erörterung diese» wichtigen Thema'» lätzt sich jedoch d m enge» Nahmen» dieser Erzählung nicht anpossen. tlZcnag. die in Rede stellenden Eltern hatten ihre Tochter auf ei» Jahr in eine Pension» anstalt gebracht. Nach einem Jahr war sie zurnckgekoninie» L>e mar grvtz und schön geivvrde» und hatte sich alle Manieren einer grvtzen Dame angeeignet. Lie trug im Hause ei» Hauskleid mit einer zwei Ellen lange» Schleppe, lieft die Haare nach Teutvnenart frei über den Nacken herunterhängen, hatte sehr seine Hände, machte sich zuweilen an einer Scheinarbeit zu «hu», die einer Stickerei ähnlich sah. und haue eine» gründliche» Nbscheu vor jeder häu» liehen Thätigkeit. Nlle» diese» hielte» ihre Eltern, die uutvisseude Menschen ivaren. für untrügliche Zeichen einer hohen Bildung. In die Küche ging die junge Dame gar nicht. Wozu auch'{ Sollte sie sich etwa ihre schönen seine» Hände an» Küchenheerde beschmutzen und verderben? Und wie leicht konnte unbemerkt eine Kohle auf ihre lange Schleppe fallen »nd Unglück aurichten! Sie hatte in der Pensionsanstalt auch einige ftanzösische Wörter gelernt, und al» einst ei» Fremder, der gescktztftslsaIber bei ihrem Pater lvar. sie fragte: „Parleg voum t'ranzai», MademoiMlIe?*1 „nd sie erröthend zur Nativvrt gab: ,.Xon, Monuieur!“ wäre» ihre Eltern antzer sich vor Entzücken und hätte» nunmehr zehn Eide darauf geschworen, datz sie eine sehr gebildete Tochter haben, die sogar mehrere Sprachen spreche „wie Wasser"! Dieses war das Mädchen, die Jakob Blunieufeld mit ihrer Hand beglückte. Sie fühlte sich zwar ein wenig verstimmt darülvr, datz sie nach Brixenhausen und nicht nach Berlin oder Pari» zu wahnen fomiuat solle: die Partie lvar aber zu vortheilhaft, um sie zurückzuweisen »»d dem Wunsche ihrer Elter» zu widerstreben, zudem Jakob Blumenseid ein hübscher junger Mann war, den sie gut leiden mochte. Aber sie sagte e» Jedem, der es höre» wollte, das, sie nur so lange i» Brixenlmuse» wohnen bleiben werden, al» ihre Schwiegereltern lebten, nach dein Tode berfelbeit würden sie sicher in eine grotze Stidt ziehe». Ei» halbe« Jahr »ach stattgefundener Berlvbung wurde die Hochzeit gefeiert. Jakob Bluinenfeld bekam von seine,» Schwiegervater baare zehntausend Thaler ausbezahlt. Neben diese», brachte die junge Frau eine Nusstattung mit in die Ehe. wie Brixenhausen »och keine gesehen hatte. Jakob'» Elter» waren nicht wenig stolz darauf und seine Mutter sagte: „Da müssen sich die sämmilichen Frauen in ganz Brixenhausen verkriechen!" Sie verkrochen sich zwar nicht, aber die Ausstattung war wirklich grotzartig. Diese hochfeinen Menble», diese Damastvorhänge und diese Teppiche hätten eine Fürstenwohnung zieren küniien! Es wurde viel darüber gesprochen unb die Honoratioren Brixenhausen» und der Umgegend kamen, um zu sehen Die Familie Blumenfeld glaubte sich dadurch hochgeehrt und war zu beschränkt, einjusehen. datz man sich über da« Uebertrlebene und Pomphafte einer solchen, weder den Wohnung-bedürfnissen. noch der Lebensstellung der Betreffenden angepatzte» häuslichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.