Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 15-16 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
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68 Vo4) schwebt f«ia Bit» mir klar und lebhaft Ja brr Arinn'rung buntem Spiel, Den Alten srh ich sonnig «Ilde, Ar sah gelehnt aus iveiche« Pfühl. A4 war der erst« Peßachabend Und Festt»«eihe füllt da« Haus, Und Baker, Mutier, Linder — all« Versammelt find zum Prßachschmau«. Die Stube füllt gar heimlich, traulich Der Milrachlampe Feuerschein. Die Strahlen lieblich hell beleuchten Im Kelch den goldnen Peßachwein, Vom Kelch sie fallen hell sich spiegelnd Aar buntgebrochen tausendmal Wahl schöner war noch nt« erleuchtet De« größten König» Krönung«saal. Da« Licht e« war so traulich innig. Sein »lau« er schimmert hell und rein, A» schien al» wlir' die Mtsrachlampe Ain mäichrnhasier Zauderschein. Und aus dem Tisch da« weihe Linnen, Und Teller zierlich spiegelblank, Die schönsten lßläsrr, die zur Zierde Sonst immer trug der Aichenschrank. Und alle« glänzt und alle« spiegelt. Und Fes«e«dusl da» Hau« durchzieh«. Und Peßach ist hereingezogen, Mit ihm ein neue« Jahr erblüht. Den Tisch herum stehn Bank und Sessel, Sie nimmt die frohe Jugend rin, De« Hause« Vater weich gedeiiet, Ar ruht bestrahlt vom Lichterschein. Ar lieset laut nach Brauch und Vorschrift Den Zeder, der'geöffnet liegt, A« find die alten starken Worte, Die ih, in Hoffnung »st gewiegt. A« find die alten starken Worte, Durch die der llto»r»a>hem weht, — Und Zeiten sind in'« Arad gestiegen. Der Aeist de» Seder'» siegen» steht. Au« Vater« Mund die Worte kommen, Aewaltig stark und deutlich lau«; Ar liest da« Buch nach alter Weise, Sein Aug' in'« Buch gar raftlo« schaut. Und unter seine« Auge« Blicken Der Aeist de» Buche« stärker rausch«, Und alle süblen Jeder» Weihe, Und jeder still den Worten lauscht. Verklungen find dir lkinganadworte, Der jüngste Knabe bat gefragt: Wa« ungesäuert Brot bedeute? — Der Vater lesend Hai'» gesagt. Ar liest mit lauter Liegeöstimm« Da« Lied »om Auszug au» Mizrajm, Wie Aot« sein Volk herau«gesühri. Ihm Heil gab in Jeruscholajm. Und mterdurchrausch» der Dang ertönet Vom großen Zug durch Wafferflut, A« schivellt die wundersame Weise Vom Weg erhellt durch F«uer»glu«. Und jetzt erhebt er sich vom Pfühle, In stiller Wonne Schtmen Leib, Um ihn gefchaar« sind alle Seinen, Am Arm er sühn da» treue Weib. Ar schnallt rin Linnen um die Schulter, Darin gepackt da« Mazzebrot, Und manchen Sack und Pack er bindn, Wie einst dir Väter in der Roth. Und vor dem Hau»herrn hat die Köchin Die Wasserkusr hingestrll», Und um die Flut zu Überdrücken Ain lange« Vre« hingrstrllt. Und feierlich in langem Zuge, Mi« Sack und Pack und Bündel schwer. Und Lust i« froh« Angesicht« Aeh« 3*nd» Volk durch« rothe Meer. Altrrlei für de« Familieutisch. Meine jüdische Eharakter-iige.s 5. •*!>(« Wckhrhrtt. Ein antisemitischer Lehrer, der sein Lieblingswort: „goldene Wahrheit" bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit anbrachte, erzählte unlängst mit wenig Witz irnd viel Behagen einem Juden, der ein ausgezeichneter Naturforscher ist. daß seine jüdischen Schüler für seine Lehrgegenstände — Mathematik und Naturkunde — sehr wenig Interesse und nur dann, wenn er von Gold spreche, mit gespannter Aufmerksamkeit zuhören. Der Jude erfuhr jedoch schon Tag» darauf von verschiedenen Seite», daß der Lehrer, der die Wahrheit ebenso liebe, wir ein gewisser „Prediger der Wahrheit" — nur einen Schüler habe und dieser zu den befähigten und aufmerksamslen Zöglinge der Schule gehöre, sowie, daß der Lehrer, seitdem er diesen Schüler unterrichte, noch nie über Gold gesprochen, so oft er auch selbstverständlich dir „goldene Wahrheit" erwähnt hätte. Als dann der jüdische Naturforscher über da« eigenartige Phantastegcbildc diese» Pädagogen mit einem befreundeten Christen sprach, bemerkte dieser: „Was wundert Sie da? Ewar eben — „goldene Wahrheit". 6. eine Amers. Ein spöttischer Wüstling zählte in Gegenwart eine» thvrakundigrn Manne« alle Uebertretungen des ReligionSge» setzes auf, dir er sich schon erlaubt habe, und fragte schließlich denselben: .^kennen Sie — vor dessen Gelehrsamkeit ich übrigen» olle Achtung Hab« — noch eine Awero (Uebrrlretung), die ich nicht schon begangen hätte'?" Gewiß, antwonetc der Gefragte. „Und die lväre'?" Die wäre — Ibbud azmo. (Selbstmord), — __ (Wird sorlgesetzi). Treffende Antmort. Der durch seine frivolen Romane bekannte Erebillon prahlte einst Rousseau gegenüber, daß sein Verleger in diesem Monat bereits vier Auflagen seine« jüngsten Werkes verkauft!»abe, während in dieser Zeit noch lange nicht die erste Aufage von Rousseau'» .diene Heloisc" abgesetzt wor den. „Nun ja", meinte Rousseau ruhig, man kann mit Sicherheit annehmen, daß jährlich mindesten» eine Millionen Mal mehr Eicheln al» Ananas verzehrt werden, aber wer verzehrt sie?!" (Kann man da» nicht auch auf rin bekanntes jüdischorthodoxe» Blatt, da» sich seiner vielen Abonnenten ui den niederen Volksschichten rühmt, anwenden? Red.) Sin Keines hebräisches Gedicht eine» ob seiner Religion von Haß und Mißgunst betroffenen jüdischen Arzte« in Rußland, der vier Sprachen vollständig beherrscht, setzen wir hierher und füge» eine Uebrrsetzung bei: t nam ntM 'v'2 «nun njppse 'man nn 'qm oam «■mntf na*wa At» ich klein war, ward mir die Hand ttzestochen von einer Biene «und. Da bedeckt' mir die Mutier die Wund' Mil dunkler Arde! ,'312n ,"n "ab Mein Herz schmerzt, Isi» haben geschlagen mich, .Q'Bmr'ba! Sie haben » verwundet ohn'Angstu.Arbarmen 'ab DK 'DD! 'QM ,nrw Weh' Mutier — bedeckt da« Herz mir Armen, 1,-nvitt nOTKa rroa | Bedeck' t« mit dunkler Arde! Aus dem Spruchfchatz des Talmud. Poetisch übersetzt von Max Weinberg. Wer ln sein Schicksal sich nicht finden kann, Sein Schicksal auch nicht überwinden kann, Drum willst Du'« überwinden lernen. Muß« Du dich erst drin finde» lernen. Wenn dich der Freud« Becher winkt, Laß neidisch nicht da» Auge «andern, Jndeß Dein Wein lm Becher blinkt. Zum Freudenbecher eine« Andern.