Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 15-16 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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U 15-16* Jüdisches 1884. ikiilkton-Ktilagk -er „Zsraeljtislhr« Wochenschrift". —■ i ■■!■■■■■■■ i i . ■ »■■■ ■ i i —mmmmmmm ,T<r goltxnr Boden" (linf Erpthlung von B. Hause. (Jorisetzung». — Jüdisch» Zlldouetlei» au» Maliern. Bon Nathan ^tlhrtft* «omuf *#• — Ueder bif Juden. — t»erhard von Amnnior. — Jüdisch« Bilder au« «alizien. Bon Heinrich (Holtlieb. — Allerlei für den Jamilienrlsch: Meine jüdisch« Eharakierzüge. 5. Goldene Wahrheit. 6. -loch eine Aivero. — Iressende Antwort. — Ein kleine» hebrüische» tüedicht. — Au« dem Spruchschah de« Talmud. Poetisch übersetzt von Max Weinberg. — Inserate. Der goldene Boden. 15 Line Erzählung von B. Hause. («techdruck >»I-es««I.> tUvNsetzung.» Jokel drückte seinem Freunde die Hand und begab sich »jeder in da« Zimmer. Er sah jetzt ganz beruhigt und zusnebengrstellt au«. Der Kaffee stand nach unberührt auf dem Tische. Er nahm am Tische Platz und verzehrte da« Fiühstück. Han« Sach» war im Nebenzimmer geblieben. Der Unteroffizier und sein Eollege begaben sich in da«- selbe zu ihm. .Sie scheine» Ihre «ache gut gemacht zu haben. Herr Bonewitz!" sagte der Unteroffizier mit vergnügter Kiene zu Han« Sach». .Der Bursche ist jetzt ganz ruhig, üie ist e» Ihnen möglich geworden, da« so schnell zu de- »erkstrlligrn?" .Nach der Sachlage lvar da« gar nicht schwer, meine Herren!" antwortete Han« Sach« mit sehr erstem Gesicht». «u»drucke. .Wir wollen leise zusammen sprechen. Sie haben noch meyr Werblingr dort im Zimmer, die brauchen o nicht zu hören. Ich weiß nicht, wir und wo sie diese nngrsangen haben. E« gehl mich auch nicht an. Ich bin lei» Allrr»velt«a»walt; aber den Jokel Birk werden Sie al«< dald wieder freigrden, meine Heirrn. wenn Ihnen nicht arge Unannehmlichkeiten erwachsen sollen!" .Ich glaube Sir phantasirrn, Herr Bonewitz!" sagte der Unteroffizier ärgerlich. »Sie sind ja ein Poetasler, da kann man nicht immer auf vernünftige« Denken rechnen!" .Ich will Ihnen zeigen, daß ich sehr vernünftig denke, notz meiner Poetastereiantwortete Han» Sach« verlest. .Ihr College Ohldam hier hat den Birk in dem Königlich preußischen Städtchen Z. im Gasthause .zum grünen B'um" ausgegriffr». nachdem ihn ein sogenannter Schlepper au «gespäht hatte. Sie haben hierauf de» Birk, der Königlich preußischer Unrerthan ist, unter falschen Vorspiegelungen »der dir Grenze gelockt, hier haben Sie ihn bi« zur Be- »ußtlosigkr«t betrunken gemacht und ihm, al« er in diesem Zustande war, da« Handgeld in die Hand gedrückt, ohne 'hm deutlich zu sagen, um wa« e« sich eigentlich handle. Jetzt wollen Sir ihn nun in ei» indisch«» Regiment stecken, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, daß er in seinem Vaterlande seiner Militärpflicht noch nicht genügt hat. Da« sind lauirr Umstände, durch welche Sie die freundlich-nachbarlichen Verhältnisse zwischen Holland und dem preußischen Staate und dir zwischen diesen beiden Staaten über diesen Punkt beuchenden freundlich.nachbarlichen Verträge verletzen. Ihre Regierung wird Ihnen wenig Dank wissen für ein Thun, da« sic nicht billigt und da« ihr Verdrießlichkeiten zu bereiten im Stande ist. Ich gehe jetzt in ba« Gasthau« .zum Värrn" um alle« diese« in einem Schreiben dem preußischen sandten in Haag mitzutheilen. Wenn innerhalb zweier Llunden Jokel Birk nicht von Ihnen frei gegeben ist und m dem genannten Gasthausr mit den ihm gegebenen vier Dukaten, die nunmehr al« Rriseentschädigung gelten sollen, >» der Tasche bei mir erscheint, dann lende ich da« Schreiben nebst dem Wandcrduchr Birf», da« ich an mich genommen habe und da» al« Beweisstück gelte» soll, heute noch per Post ad und reise morgen selbst »ach Amsterdam, um die Angelegenheit dort auch persönlich zu vertreten: — so, da» wollte ich Ihnen nur sagen. Da« ist. wie sie einsehen werden, durchaus keine Poetasterei, sonder» die nüchternste Vernünftigkeit. Handeln Sie nun, wie Sie e« für gut finden! Adieu, meine Herren!" Damit ging er au» dem Zimmer und überließ die sich verblüfft einander ansehenden Herren ihren Betrachtungen. Im Hauptzimmrr rief er Jokel noch zu: .Im Gasthause zum Bären envarle ich Dich!" und begab sich gcradenwege« dorthin, wo er sich auch alsbald an dir Abfassung de» betreffenden Schreiben« machte. Die beiden Herren blieben noch lange in stiller Brrathung im Nebenzimmer zusammen. E« war etwa eine Stunde verflossen. da erschien Jokel freudestrahlenden Angesicht» im Gastliause zum Bären Welche Danke«- und Freude»«scenr sich hier abspielte, läßt sich denken. Die Werber hatten e« doch für gcrathen gehalten, die Hand von Jokel zu lassen. Auch hatten sie ihm J)if vier Dukaten al« Reiserntschädigung wieder gegeben. So war Jokel au« einer gefährlichen Loge glücklich gerettet. Han- Sach«, der seit vier Monaten in diesem Städtchen in Arbeit »var, hatte zum Glücke an diesem Tage .blau" gemacht. Ohne diesen Umstand hätte Jokel vielleicht seine Hrimath nie wieder zu sehen bekommen. Am aiidern Morgen fuhr Jokel in demselben Mieth«- schlitten, der ihn Tag« vorher gebracht hatte, wieder nach Z. zurück. Ha»« Sach«, der sich al» wirklicher Freund in der Roth bnvährt hatte, begleitete ihn bi« dorthin. Er kehrte darauf mit dem Schlitten wieder zurück, während Jokel seine Wanderschaft sortsetzte, b>« er endlich »ach v,er Wochen in Löln wieder bei einem Meister Unterkommen fand. 15. Jokek blieb fast 1'/, Jahre bei einri» und demselben Meister. Er hatte r« in seinem Handivrrke zu einer großen Vollkommenheit gebracht, so daß er e». trotz seiner Vollkommrnheit mit dem geschickteste» Meister hätte aufnrhmen können. Diese« wurde auch von seinem gegenwärtigen Brodherrn schr anerkannt und ließ ihn derselbe sehr ungern scheiden. Auch Jokel wäre gern noch geblieben; aber dir Eonscription«pflickt rief ihn ui die Heimath. Da« war ein freudige« Wiedersehen, al« er nach dreijähriger ununterbrochener Abwesenheit wieder in Brixenhausen eintraf. Seine Mutter war überglücklich. .Licl>e Mutter!" .Lieber Sohn!" Da« »var Alle«, iva« sic bei ihrem ersten Zusammentreffen hrrvorzubringcn verinochten, indem sie sich gegenseitig in die Arme sanken. Sie hielten sich lange umschlungen und bedeckten sich mit Küssen. Jokel machte sich endlich au« der Umarmung der Mutter frei, um auch den Bruder in seine Arme zn schließen. Dieser war zu eine»» stattlichen Knaben herangemachsen und war schon längere Zeit bei einem Schlossermristcr in der Lehre. Die beiden Brüder wurden nicht satt, sich einander anzusehen und zu l>etrachten. Sie hatten sich Beide in den drei Jahren, »vclche seit ihrer Trennung verfloffen waren, körperlich außerordentlich vor« theilhaft entwickelt, und da« Bild, da« sie gegenseitig von früher von einander in sich trugen, unterschied sich so sehr von dem, welche« leiblich jetzt vor ihren Augen stand, daß