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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 13 (1884) · p. Seite 51

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
13 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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— 51 Jüdische Leetirer i« Si«tzla«d. In Rußland hat dir Brandung der antisemitischen ,H«lrn. außer dem Mord und Brand, den Hetze» und der Brückung auch rin Ueberproduk» zu Tage gefördert. welche« - Lcktircrei. Religionsstistrn, heißt. Dcr Raine .Frilockrr". ,-pridK» drr Odessaer Apostel drS .neuen Israel- «ragt, ist!» diesem Blätter» schon öfter erwähnt worden — Ihn trügt an Schulmeister anrüchige» Ruse«. Auch in Elisabethqrad sich ein Eonventikel gebildet, gesühn von einem Manne. Zlaincii« Gordi». Dieser, rin etwa 30 Jahre alter Litthaurr, da, memal«!almud gelernt, dagegen versteht er russisch und Rutsch. 187S kam er als Lehrer dcr Talmud Thoraschulr uch E. streit- und zanksüchtig lag er sich bald mit den Koriiehcrn in den Haaren, so da» er entlassen wurde und nne Privatschule errichtete. Ta er seinen Jähzorn die rchüler suhlen liest, lüste sich dir schule aus. Durch stunlengeben konnte er seine Iran und vier Kinder nicht erribmi. Da ivard a —P.ophet. Im Marz 1K81 sing er pot jungen Menschen au« drn ungebildeten schichte» zu prktige» an. Ei» ingrimmiger Hast gegen drn Talmud br- «ll ihn und giebt de» Inhalt zu seinen Reden Dir von chm gniistcie und ihn lvsoldende l^cmcinde' nennt sich .die -rüder-. Ihr Grietz lautet: Es giebt »ur Pflichten gegen de Rebenmrnschrn. aber keine de« Mensche» gegen t^ott. so isl e« erlaubt. — jetzt vielleicht Psl-cht — den Sabbath ia entweihen, am Pestach Gesäuerte« zu esse», die Worte der Läsen zu verspotini — dagegen sollten sie nicht schnaps «kaufen. nicht Wuchrer und Makler sein. Es wird natürlich nicht« so Heist gegessen, wie'« gelocht wird. Und so ist Irr Tugendspiegrl der Theorie viel fleckenloser, als dcr dcr frazi«. Zweimal in der Woche, Dien «lag und sabbath. »mammrln sic sich in dem .Hause eine« Mitglied«, und rin Mitglied — gewöhnlich eine der Schwestern — liest einen ffialm in russischer Ucbersetzung vor, Ps. 21 oder 72 als Gebet für den Herrscher. Tann halt Goldin eine Predigt über einige Schriftvcrse. schimpft auf die Talmudisten. welche alle« Unheil über Israel gebracht haben. — ES giebt wohl lmit» Antisemiten, der die Juden ingrimmiger hastt, als äefer Gordin. Da« wird natürlich mit der Zeit langweilig nnb so hat sich die Zahl der Anlstingrr zusehends verringert. .Innge. unwissende Männer, reise, unverheirathete Damen «ob — ein Rechtsanwalt, der rhiliche» religiöse« streben, ater leine Kenntnist der jüdischen schristm hat, bilden die 'Semeiildc. Im vorigen Sommer war der oben genannte Anlocker hier und predigte einigemal bei drn „Brüdern", klber. da F die lalmndisten rühmte. gab'S Zank und streit, s« grasten Ganzen scheint», dast die Srktirer die Sekte der .stund,sic»" nachgeavmt habe, welche im Süden Rustland» ta den Christen Tausende von Anhänger« zählt und .von körn Einzelne die Predigte» G.'« besuche». Immer mehr anscrnen sich dirie Gordinisten vom Judenthum, wie ihr Reister r» schon ausgesprochen, hängt er mit den Juden »>r durch den Zufall der Geburt zusammen, Gott ist ihm n» erlml'ener. hoher Weift; die Seele, der gute Namen, der den Mensche» belebt! Er glaubt nur, wa« er versteht und Do« zeitgemäß ist. <Hamrl iz..i Mo»ka«, früher und jetzt. ' Zu den Altcrthümern. ivelchc unsere Stadt enthalt, gehört «» lnebäudr. welche« besonder« als jüdische Antiquität Be- «chtong verdient. Mittm im Stadttheil Saradic, in welchem beute „och viele Juden wohnen, liegt da» Glechowsky'schr »u». da« ehemalige Ghetto. Diese« Hau» hat rin Mann, limni« G l e ch o w S k y einem HoSpital geschenkt und diese« botte e» bei der.Polizei durchgrsetzt, als Kaiser Ricolau« den dolaischen Juden erster Gilde gestattete, da» heilige Mo«kau « betreten, dost diese anordnete, alle Juden müssen in diesem Mt wohnen. Da« ging so zu. Sobald rin Jude an« vtadttdor kam. nahm ihn ein Polizist in Empfang und führte ihn in diese« Hau». Sein Patent der ersten Gilde nahm er er ihm ab und notirte darauf den ersten Augenblick, i» dem er die Stadt betreten. Denn unweigerlich in demselben Augenblick nach dreimal 24 Stunde» muhte dcr Jude wieder hinaus. Auck ivenn mitten in der Nacht, wenn 40 Grad Kälte herrschten, nützte Nichts, der Jude mustte hinaus. Seine Effecten, sein Patent ivurden ans die Straße geworfen, Niemand ivagtc e». ihn auszunehmen — fort mustte er. So lange rin Jude aber die <Luft Moskau'» athmcn durfte, mustte er im Hotel Glcchowsku wohnen — mochten die Zimmer voll und übervoll sein, mochten S. 0. 10 Jude» in einem Zimmer hausen, mochte» die Betten zulangen oder nicht — ganz gleich: Hier und nur hier durften die Juden — die Kausleu tr erster Gilde — ein Unterkommen juchen. Da» war eine reiche Einnahmequelle, denn der Jude muhte dort das Nöthige kaufen und zahlen, wa» gefordert wurde! Jetzt, besonders unter Leitung de« Grncralgouverneur» Dolgvrukoff. ist Mo»kau vielen Judcn eine süste, liebe Hcimath grivordcn. — Besonder« großartig sind hier die Hospitäler, deren cs eine Unzahl für die verschiedenartigsten Krankheiten giebt, eingerichtet. Ohne Rücksicht auf Nationalität und Religion werden alle Kranken zu jeder Zeit ausgenommen. Der Kranke wird untersucht, ob er in virses HoSpital, bei welchem er sich meldet, hincingehürt. Weist ihn seine Krankheit in ein anderes, dann ivird er sofort mit einem HoSpitalwage» an die richtige Stelle geführt. Dort wird er aufge- »vnimcn. ohne dast Name und Herkunft ihm abgesragl werden. Deshalb hat auch die Moskauer Jndenschajt, als Frau Baron P o l i a t o w WH» für ein jüdisches Hospital zu sammeln l>cga»n. Einsprache erhoben, um diese Gleichheit dcr Kranken nicht zu vernichten. (Wir steht« aber mit Koscher» essen?) Elxuso großartig sind die von christlichen Reichen gegründeten Nachth rbrrgcn. I» ein ivarine», reine«, gutgelüstetes Zimmer ivird der Arme geführt; Jeder erhält 1 Pfund Brod und einen Krug Thre. am Abend uud Morgen 2 Pfund Brod und 5 Kopeken. Außerdem schläft er in einem ordentlichen Bette. So wird für 800 Personen täglich gesorgt. Allerlei für de« Familienlisch. ^akäftiuareisender Unter dcr Protektion de« deutschen Palästinaverein« l»at Herr Adolf Frei von Uster im Januar eine wissenschaftliche Reise nach dem Orient angetreten. Al« Hauptziel seiner Forschungen hat er sich die Umgebung des Sers Gcnezareth erwählt, weil auf diesem Gebiete noch eine große Zahl von Fragen unerledigt ist. deren getreue Beantwortung für Kennlnist de« bibl. Altcrthum» hohe» Werth hat. Doch möchte unser Reise».er da« ganze Land in den Kreis seiner Beobachtungen ziehen, soweit die« dem Einzelnen in einem Zeitraum von ü—Ü Monaten möglich ist, z. B. im Süden von Hebron die Feste Kana'n durchforschen, die nach den Annalen dcr ägyptischen Pharaonen einst eine so große Rolle spielte, in dcr judäischen GebirgSivüste die vielen Klosterruinen aussuchrn. von denen un« griechische Berichte au» dem 5 und 0 Jahrhundert n. Ehr. Kunde gebe. Roch wartet auch manche Frage über die physischen Berhältnifle Palästina» drr Beantwortung. Ob z. B die Küste daselbst einer säkularen Bewegung unterliege, kann nur durch Unteraung der uralten Hafenplätzc von Gaza und Askalon chieden werden .... Mit tüchtiger Kenntnist der arab. Sprach« ausgerüstet, mit der bisherigen Kunde über Geschichte und Natur Palästina'» gründlich vertraut, in beit einschlägigen archaeologischen und naturwissenschaftlichen Fragen wohl orirntirt, auch mit wissenschaftliche» Jnstruinente» versehen, beginnt unser Forscher seine Reise. Wie die Schweizer Burkhardt. Toblrr. Furrer wird auch Herr Frei da« Land zu Fuß durchwandern. in den Hütten' der Fellacheit, unter den Zelten der Beduinen Herberge nehmen, um mit Land und Leuten möglichst bekannt zu werden.

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