Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 12 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 47 — um bcr ihm wohlbekannten filbernen Schränkchen öffnen zu fjm. In der diesem Tage vorangehenden Nacht wurde <7 dem gotteSsürchtigen Synagoaendiener Ephrai» Baruch „„ einer visionären Gestalt der Auftrag erlheilt, sofort in Lv»agoge zu eilen, die Thorarollen in die zu ihnen geilenden silbernen Futterale hineiiizulegen, nach Bollführung eie* Werke» sich wieder sofort zur Ruhe zu begeben und dem Geschehenen Niemandem Mittheilung zu machen, oleiäier Weise wurden auch die Diener der anderen Lyna» ij,en veranlaßt. Dn*felhe zu th»n. Am anderen Tage wnri, „int die Juden wiiklich wiederum durch einen Besuch * Königs überrascht, der. von Mark»» »>,d anderen Würden- .igerii begleitet, an der Spitze eine» große» Gefolge» und „gebe» von dreihundert Bewaffiieien seinen Weg durch die udengasse nahm. Sofort setzte sich auch die Proeession der obl'iiu'ii mit den sechsunddreißig Thorarollen i» Bewegung »d e* wurde in mißtlichster Eile dem Könige die übliche Mium dargebrachi. Die Juden, die über diese hohe Gunst, ilmeu zu Theil ivurde, sehr erfreut sein mußten. geriethen!<r bald in großen Schrecke». denn, wie der Leser bereit» mmutlien wird. drückte König Alphon» den Wunsch au», > a* heilige Buch d,r Goiterlehre zu sehen. Doch wie groß du ihr Erslannen. als ein Gelfänse »ach dem andern auf» ochlvssen wurde und in jedem die zu ihm gehörende Ge- ^»rolle sich lvfand! Nicht »ne, daß sie mit erleichtertem ytii-n ansakhmen konnten, sie wurde» von Alphon* belobt. „fr ui außerordentlicher Weise für ihr Wohlverhalten l»e. »miigl. ja mit einem Erlasse ihrer steuern auf drei Jahre dehnt, währenddem Markus, dessen Anklage sich als falsch lese», in Ungnade fiel »»d de» an seinen frühere» Glanl>enseijen begangene» Berrakh mit dem Leben büßen mußte. >i, Andenken a» diese ans wunderbare Weise erfolgte Netder in der aragviiische» Hauptstadt wohnende» Juden » de» gleichzeitigen Sturz eines gefährliche» Widersacher» nbe nun alljährlich an dem denkwürdigen Tage — dem I Lchelmt — an dem dies sich ereignet, nach vorlfergeüigenem Faste» ei» .Puru»" gefeiert und a» demsellien die n Hergang dieser erfreuliche» Begebeulfeit lieschreibeiide enagosja-Megilla vorgelese», welche Sitte de»» auch die dditommen der jüdische» Familie», die vor der Bertreibung m Lpanie.i i» Saragossa ihre Heimath hatte», bis auf dm henligen Tag n >ch lieiliehalle» hal»en. Allerlei für de« Familierrtifch. vie -Zfidische privat-Kaukstummeu-Aullttstzu l>rtle»»«ttz«, welche It<73 von dem kanl'stnmmenlehrer öl Ni ich errichtet wurde, publizirt einen Ausius zur torbirnng der gemeinnützigen Anstalt, da die vorhandene» Wittel nicht ansreichen. um mehr als 3 arme tanbstnmme imber kostenfrei anfznnehmen und die Zahl der Bedürftigen aber viel größer in. Die Anstalt bat bereit» 10 Schüler ■ii gulem Erfolge dem Gewerbestand zngeführt. die dort als iächickie und fleißige Artviter geschätzt werde». Die Zöglinge Anstalt werden in alle» Polksschiilgegenstände» unterste! : Lese», Schreiben, Nechne», Zeichne», Geographie, Geschichte. Naturkniide. Daneben erlange» sie praktische Migkeit in Handarbeiten aller Art. Da» körperliche Gedeihe» ■rd diiich Spaziergänge und gymnastische Uebnnge» im »rnen gefördert. Um das Institut »n» besser nnd dauernd j* finanzieren, hat sich in Berlin ein herein gebildet unter dem «men .Freunde der Taubstummen-, dessen Mitglieder in >mchiede»e» Städten Deutschlands Beiträge und Bermücht- •’fir für die Anstalt annehmen werden. Die»fllote»tre«e. Daß Dienstboten 2ö Jahre und «Tuber bei einer Herrschaft gewesen, ist nicht» Neue», daß aber toe Tienerin 71 Jahre lang einer Familie, vom Großvater »um Enkel, ihre treuen Dienste ohne Unterbrechung üOeütet hat, steht wohl einzig da. Die unter dem Borname» -Hannchenbekannte Dienerin de» SaniätSrathe» Dr. Frenckel in Bernburg, welche in wenigen Wochen ihr 80. Lebensjahr znrücklegen wird, trat mit ihrem neunten Jahre in den Dienst der Frenkel'schen Familie und ist bi» jetzt in derselben verblieben. Nur das zunehmende Alter beranlaßt sie, ihren langjährige» Dienst zu verlassen und in einem Stift Aufnahme und die ihr wohl zu vergönnende Ruhe zu suchen. Per Herodi«nische Kempek. Im Königsbane in Stuttgart sind gegenwärtig zwei in Holz ausgeschnittene Kunstwerke des Bildhauer» Herrn I. Nischert in Baden-Baden ansgestellt. Das eine derselben ist eine Nachbildung de» herodianischeii Tempel», da» andere stellt die Stadt Jerusalem dar. beide sind »ach den Schildernngen des Josephu» und den Forschnngen de» Grase» Boguö ansgeführt. Die Arbeiten sind ebenso originell wie interessant; der herodianische Tempel ist in größeren Dimensionen ansgeführt, zeichnet sich aber dennoch durch feine Wiedergabe des Details an». Ei» großer freier Naum wird von Säulenhallen. welche durch Thürme unterbrochen werden, umschlossen. Eine der Ecken diese» viereckigen Raums nimmt die Burg ei», welche dem Pilatu» als Wohnung diente. Die Burg ist auf einem Felsen erbaut, welcher, um Zugang im Kriegsfälle zu verhindern, mit glasirten Platten belegt wurde. Die Säulenhalle, unter welchen die Königshalle mit 167 Säulen hervorragt, umschließen den große» Borhof de» Bolke». Die eigentlichen zu l>ihl. Berühmtheit gelangten Bolkshallen »ehmen Theile der Säultiihallen ei». Zn dem Borhvf führen unterirdische Gänge, da der ganze Ban nur ein ans der nördliche» Seite sich befindende» Thor hatte. Auch die Burg war durch eine» unlerirdischen Gang mit dem eigentlichen Tempel verbünde». Die Gänge sind genau sichtbar. Inmitten de» Borhofe» befindet sich der Tempel mit dem Heiligsten »nd AUerheiligsten. dem Opserstock und den Wohnungen der Priester. Der prächtige Tempel ist höchst kunstvoll mit allen Detail» wiedergegeben, eine äußerst mühevolle Arbeit. Bon hohem Interesse ist auch da» zweite der Werke, die Stadt Jerusalem mit ihrer Unigebnng darstellend. Bedeutend kleiner als der herodianisetfe Tempel bietet e» »n» »i anschaulicher Weise die heilige Stadt mit ihren denkwürdigen Stätte», Plätze». Gassen. Hügeln und Wegen. Pie deutsche Hkevue vom September 1883 bringt einen Artikel von Braun-Wiesbaden.Vagabunden und Gauner in Denlfchland". in welchem er den Schinderhannes, Hoelzerlip und ähnliche Galgenhelde» ans der Zeit von anno 11 schildert. Dari» lfeißt es: .Danelyn war der .schwarze Peter" entschieden .antisemitisch". Da» Wort ist eine neue Erfindung, die Sache ist alt. Der schwarze Peter hat ohne einen nöthigenden Grund in Seilersbach einen Jude» auf eine wahrhaft gräßliche Weise ermordet. Bei einem anderen Raub hatte ein Ehrist Die Waare» de» Juden. ans den es abgesehen war. tapfer vertheidigt und dabei ichwere Verletzungen davongetragen. Als man de» d.ibei mitbetheiligte» schwarzen Peter darüber zur Rede stellte, sagte er: .'Nun ja, arg gehauen worden ist der Man», und es thnt mir eigentlich leid für ihn, denn er zeigte Evnrage; aber im Grunde genommen ist e» ihm doch recht geschehen; den» warum schlägt er sich für eine» Inden Diefellv Anschannng wiederholte sich tu allen feinen Verhören. Ei» Verbrechen, gegen einen Inden verübt, hielt er weniger strafbar, wen» nicht für straffrei*). Dieselbe Anschannng hat er auf seinen Schüler, aus Schinderhannev. übertragen. Die Uiitersnchnng hat unzweifelhaft festgestellt, daß» bei keiner der von diesem nnd dem schwarzen Peter verübten Nänbereien ein Jude mitgewirkt hat. Ich füge »och hinzu. daß .der Heinstädter Peter* (Peter Eichlerf, ivelcher mit dem .schwarze» Peter" in Verschmitztheit •) D»S ist eine Aachwirtnng de* Jahrhiinderlk bestehenden Recht« (?) Jnsiande», das, a» Inden geübte verbreche» geringer oder gar »ich! bestraft wurden. <R. d. W.)