Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 12 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 12. Jüdisches 1884. .4-3- |r«illfton*ßfilagf der „Zsraelitischkn Wochenschrift". »oldkm Bodtii" llnit lkrziUlluiia von V. Haust, (ftortft&uiifl). — Tao Laragossa Purim in Attiisiiitm. — Ailttlei \IlIlCIll f “ x dtn K am llitn I l s ch: Tir Aüdilidt Prival-Iaubstummc» Anstall j» Aürslrnivaidr. — Tiki'sidolcnirkUt. — Der lxrodianisch« Tempel. — Tie dtulschr Ütevue. — Itlriiif jiidischc lkharaki erzligt: l. Lee Vorrang — Jnjeralt. Der goldene Boden. 12 ikine üizülilmig von B. Haust. («ochdrn« unr-rlogl.' <^»nlttz»ng ) Aus dir Entgegnung Oppenlleiiii's. datz ja rin jedes öleschäft Arbeit. sogar oft rcctil saurc Arbeit rrfvrdrrr und rr doch auch tüchtig arbeiten musst, antwortete rr. dag dicsr allerdings gcgrünvtt sri, jedocki lirgr drr schwere Tl>c>l drr Arbeit aus drm Handiverker. Wer in seiner Jnqend kein hanbiverk grsrrnl halv, drm könnt es auch »ich! zum Borwurf zereichrn, wen» rr fein solche» betreibe. Wenn adrr riue lhtnvssrnschast im Staate, ivtc dicsr» unsererseits doch wirklich drr Fall ist. dir wcnigcr schivrrcn Brrussarlteiien für sich in Acschlag nimmt und dadurch drn jchwrrcr« Tl>eil aus dir schultern drr übrigc» Staatsangehörige» abivälzt. sa entstehe dadurch ritt Misivrrltältuist. da» mir Neid und Feindschaft .drevorrufr. Wir feien allerdings an dirsrnt Mitzverhältnissc inschuldig, da man uns viele Jahrhnnderte lang drn Zutritt a>m LVindtoetke tind zu jrdrm ses.lKijten Enverbszweige vrrsagt dabe. so dag wir drm Handweile dadurch rntsrctndrt wordrn te.en. Daran kclnrn sich atvr unsrrr Fetndc und Ankläger nicht Cf» sri darum jetzt. tvo un» jeber Enverbszweig offen ürtit, sicher an drr Zeit und für unscrc Zukunft scl>r ratltsam. tut» ernstlich dcttt Handwerke und drtt jchwrrcn BerussarlKiteu iuzuwenden und zu zcigru, dag r» uns torbrr an drin gtttrn AiUcn, noch an Geschick dazu sehre. Jeder jungr J»raelit dale in drr Gegenwart dir Pflicht, ans dtrsr Wrisr au drr Vernichtung drr sich grgrn uns crl>cl>cndcn Pvrurtl>rilc mitzuwirkrtf. rr tvvllc sich dieser Psttcht nicht entziehen uttd l>ossr auch als Schuhmacher scincn Lebensunterhalt fttidrn zu künnru. Es war Oppeuhritn viel daran grlcgrn, drn jungcn Mann, wrlchrn rr schätzte und liebte, sür fein Geschäft zu grtvtttttrtt, da rr ihm wrgrn srinrr Meitntitiffc im Lcdrrtache schr nützlich hatte wrrdcn kötincu. Er strigrrlc dahrr srinr Auerbictungen u»d eröffnete ihm sogar dir Aussicht aus spätere Tlteilhaberichast und Familicnvrrbindung. vhnr adrr drn gcwüuschlcu lfrsolg zu erreichen. To lctd ihm dirsrs auch tlntt, konntr re doch drn vcrständigrn Ausrinandrrsctzuttgrn Iokrl's dir innere Billigung nicht vrrsagcn. Srinr Freundlichkeit und jcinr wohlwollrnde Gesinnung grgrn ihn dlirdru dahrr auch unverändert. Jokel adrr rmpsand cs peinlich, rach drr Zurückweisung. wrlchc rr drm gutgriurintru AncrbirtcnOppenl>cim's taitc zu Theil tvrrdrn lass:«, noch drn freien Mittagslisch bci drmsclbrn in Anspruch nchmrn zu müsscn. Dirs brachte drn Entschlug. drn Ort zu verlasse», zur vvllstündigrn Reise, und da auch srinr Mutlrr. drr rr Alle» gctrrulich brrichtctc, iritik Ansicht thriltr, so kündiglr rr nach acht Tagen feinem SWeiftcr dir Arbeit. Dirsrr sowohl, als auch allc srinr Freunde und lgönnrr, dcrrn Zahl nicht gering tvar, tvarcn von dirsetn irnlschlusir überrascht und uuangeurhm bcrührt. Einritt Jeden von jhnrn wäre fein Blcibrn cnvünscht graust»: abrr man konnlc sein Streben, sich weiter in der Welt umzusrhrn und skinr Brrvollkvmmnung zu suchcn. nicht migbtlligrn. Bct lcincut Abschied gaben Biele durch recht ansrhuliche ^leschrukc >dm noch Beweise ihrer Liebe und Freundschaft. Der Abschied von der Familie Oppenheim glich dem Abschiede eines Kindes "on feinen Eltern. Oppen Heini selbst, so wie die jungen Leute. mit welchen Jokel verkehrt hatte, gaben ihm noch eine weite Strecke ba« Oieleite, und er konnte jetzt aus eigcner Erfahrung da» ermuthigrndc Betvugtsrin mit aus dir Wanderschatt uehmen, dag drm rechtschaffenen und da» blute ernstlich anstrebenden Menschen der Beifall Gotte» und der Menschen allerorts sicher ist und zur Seile steht. 12. Wie glücklich macht doch das erste Gelingen auf der Bahn de« Guten! Welch' froher Math, welch' sicheres Be> luutitkiit entspringt au» ihm! Wie ganz anders fühlte sich Jokel bci dem Antritte der jetzige» Wanderschaft gegen seinen Abgang von BÜLeithausen! Sv leid ihm auch da» Scheiden nou den lieben und liebgcivon,>cnen Menschen that, Setten er soeben Lrbeivoltl gesagt hatte, wie froh schlug ihm doch das Herz bei seinem Dahiuschreite»! Wie beiter schaute sein Auge ül>er die lachenden Fluren, durch tvelche er etnem nitbefannten Ziele zuwauderte! Und wie keck und tnulhtg schritt rr daher! Wie fest und selbitbewunt war sein Gang und seine Haltung! Man mrrkle es an Hinein ganzcn Wesen: au« dem zaghaften Knaben war ein mulhiger Jüngling geworden! E» war ein schöner Maitag. an welchem er leinen Auszug genommen (Kitte. Die Natur hatte sich mit ihrem schönsten Feslklcidc geschmückt, als habe sie cs daraus abgesehen, den jungr», hübschen Wanderer festlich zu entpsangeu und ihm ihre ganzc Schöne zu zeigen aus seinem Wege. Die Sonne sandte ihre goldnen Strahlenbündel zur Erde nieder und tausend und abertausend BlüthenkelckK' öffneten sich ihrem Lichte und liegen ihre süncn Dn>te al« DankrSweihrauch zu ihr emporstrigcn. Aus den Feldern sprositen die Saaten üppig hervor und auf den Wiesen stiinmertcn und blitzten die Thauperlcn iv>c Diamattlrnschtnuck. Es suinutte und zirpte und zwitscherte und sang in allen Ecken und Hecken, in allen Sträuchcrn und aus allen Baumen, und hoch oben in der Lust trillerten die Lerchen ihr »tuntcrcS Ltrdchcn: Ueberall Leben und Bewegung. Frohsinu und Jubel! Und auch im Herzen Jvkel's jauchtte es freudig auf und seine Stimme mischte sich 'in den Sang der Böget und ltejz ein heitere» Lied in den Ehoru» htneinlönrn. Eben hob sich wieder eine Lerche langsam vor ihm in die Höl>e. als wolle sie sich den muntercit Länger genauer ansclleu. und stimmte, sich auf» und tttcdcrschwittgcnd, auch ihr Liedchen an. Er ahmte muthwillig ihre Bewegung nach, als wolle auch rr sich in die Lüste cinporschwingen; der l-rftigc Ruck feine» Felleisens belehrte ihn aber alsbald, dag er cs dem leichtbeschwingten Sänger nicht gleich zu thun vermöge. Er lachte selbst über seinen tniglungencn Versuch, erschrak aber, als ihm plötzlich von einem Seitenwege aus zugcrufen wurde! »Ho. ho. ttamerad, das war sehlgesprungeu!^ Er sah sich um und zivci zerlumpte Hundwerksburscheu lenkten eben in die Slratzr ein. Ihre 'Felleisen würden ihnen sicher im Fliegen keine Hindernisse bereitet haben, wenn die sonstigen Bedingungen dazu vorhanden gewesen waren; denn das schmächtige Aussehen derselben zeugte von ihrer Jultaltlosigkeit. Sic kamen näl)rr und gaben sich als Wandcrgenossen zu er» leunru. Drr Eine war ein Tischler, der Andere ein Drechsler. Es schienen lüdcrlichc Burschen, echte Stromer zu sein, deren schi'.apsgcröthcte Nase» Zeugnis! davon gaben, daß sic nicht als MäßigkeitSapostel umhenvandcrtrn. Sic fragten Jokcl,