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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 11 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
11 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches 1884. a ■$/»//. |f«ilrtoii«Jriligr -er „Z-raelitischk« Wschkaschrist" ^Ithfllt * "^fr »oldknc Bodkn" 9m« (IrVUlluitfl von B. Haus«. <,^orls«pu>m». — Ha,»an und Vitcai». — Dt« Ziilin« Lcm». — » 2pr«chsaal. — Au» d«m Zpruchlcbad d«» Talmud. Poeiisili üb<rfe»t von Max ©finbftn. — I nserai«. Der goldene Boden. >> «tili« tkrxähluna von B Haus«, c^onl«»»»«.» Ed war ihm nämlich, als iväre rr in Brixenhausen bei «nnr Mutter in drm hübsckfen, netten Stübchm, in welchem n die Tage seiner ÄinMjcit verlebt hatte. E» war Samstag. Id« Zimmer w»tr samstäglich geschmückt und von jenem hauche der Weihe und Ruhe durchiveht, die seine Mutter a diesem Tage stets über dasselbe auszubreiten verstand. Laue Mutter stand i» ihrem netten, aber einfache» Samstag»- n»igc neben ihm, seine Hand ruhte in der ihrigen und «sah mit freud, erfüllte» und mullerselige» Bli'en auf ihn «der. Da öffnete sich die Thüre und herein trat sein Vater in feinen Sabbathgewündern, wie er bei seinem Leben fsotmlid) am Samstage gekleidet war Die Mntter sah «mdig zu ihm auf. Er schritt auf Ivkel zu, sah ihm lunMid) in « Gesicht und legte seine Hönde auf beffen hupt, »idem er, wie beim Lebe» an jedem Samstage, wenn Iiau» der Synagoge kam, gell,an batte, die üblichen liqnisworte leise, aber dvch hörbar flüsterte: »Gott mache >!ch gleich Ephraim und Menascheh!" Diesem setzte er noch Ituzu: .Bleibe fromm und brav!" Dann zog er seine Hönde iVirder zurück. Ivkel bückte sick>, um sie zu ergreife» und lp küsse». Da war die (Gestalt verschwunden und Ivkel erlaubt«. Sv lebensfrisch und lebensfroh ihm da« Aussel-en lim«» Vater» auch erschienen war. so ivar es ihm dvch beim iPxicheii, als habe soeben die kalte Hand eines Tobten auf lumr» klopfe beruht und als zöge jetzt »ach seinem Erwachen »fc klälieempfinduiig noch durch seine Kopfl>aut. Sv lebhaft [tote er geträumt. Em Schauer durchrieselte ihn und er Ilwcd tiefer unter die Decke. Ala er endlich da« Gesicht unter Idnse.be» hervorwagte, überzog die Angst seine» ganzen Ilirper mit einer Gänselfaut. Er ivagte es. die Auge» zu »dßncn und sich umzusehen. Die Sonne lugte bereit» ganz Ißnindlich durch die Fensterscheiben auf sein Bett. Sei» ITimmerchen hatte noch ganz das alte Aussehen und nicht« Ilkgie sich j„ demselben. Er hörte nur seine eigenen Athem- Iw ,E» war nur ein Traum!" sagte er. indem er sich |ait der Hand über die Stirne fuhr. Er dachte ei» wenig I »ch Seine A:mst schwand. E« trat ein Gefühl des Frohan deren Stelle. .Mein lieber Baker hat mir zugelüchelt! Er hat mich gesegnet und mich ermahnt, fromm und Itat) zu bleiben!" Dieser Gedanke erfüllte ihn mit Freude» If»b mit einem nie empfundenen SeligkeitSgesühl. Er erhob Id. um an sein Tagewerk zu gehe»; aber der Gedanke an I« Traum verließ ihn nicht und kehrte auch spater noch oft I« ihm ein und stand ihm in mancher versuchungsreichen ■ etunbe bei, daß er der Verführung nicht anheimfiel. 1 So vermag der Tugendsuchende auch leicht eine Tugendzu finden und wäre e« auch nur in einem Phantasie» Ipilbe seine» Geiste», in einem Traume! Oder ist mancher I träum vielleicht doch mehr, al» ein bloße« Phantasiegebilde'? nicht alle Tröume — Schäume? Die heilige Schrift I ptnnm die letzte Frage und der weltlichen Schriften viele I™* fofelben Meinung. E« wird vielleicht auch Manchen I der au« eigener Lebenserfahrung diesem beistimmen zu könne» glaubt. Aber wer vermag die Tiefe» unseres Seele»- , leben« zu ergründe» und seine «Geheimnisse offen zu legen? II. ' Beim Mittagessen zeigte Jäkel den Brief, welck)e» er von seiner Mutter erhalten hatte, seinem «dünner Oppenheim. Dieser las ihn mit steigender Bewunderung und e» bedurfte erst der mehrmaligen Versicherung Ivkel'». daß seine Mntter wirklich die Abfasseri» des Briefe« sei, ehe Oppenheim! diese« glaube» wollte Iokel mußte ihm erlaube», diesen I Brief abschreibe» zu lassen, damit er diese Abschrift seinem, ' in einem auswärtige» (Geschäfte als Lehrling befindlichen i Sohne sende» könne. Da Oppenheim auch in ander» ■ Familie» von diesem Briese sprach und auch diese de» Brief z» lofen wünschte», so wurden mehrere Abschriften von dem- ' felben genommen und bald gingen diese im ganzen Städtchen ' von Hand zu Hand. Jeder beivlinderte den Brief und empfand .Hixhachtnng vor der Absasserin. E» ist sehr natürlich, daß diese« sich auch zu», Theil auf Iokel übertrug. Er gewann Zutritt z» den besten jüdischen Familien des - Orte«, unter denen mehrere recht gebildete waren, und genoß! einen Umgang, der sein Bildungsitreben wach hielt »nd ihn I auf der Bah» de« (vjuten förderte lind festigte. Salomo hat i hat Recht, wen» er sagt: „Der Schmuck der Kinder sind ' ihre Eltern". Rechtschaffene Eltern geben durch ihre eigene > Rechtschaffenheit ihren Kindern eine» Einpsehlliiigsbrier mit, ' der diesen de» Lebensweg sehr erleichtert und sie über j manche Klippe hinweghebt. „Er oder sie stammt von braven > Eltern," da« ist nicht selten da» Zaubermott, da« de» Kindern j die Herzen und die Häuser der Mensche» öffnet und ihnen ihr Vertrauen verschafft. Dieses Glückes hatte Iokel sich in holfem Maße zu erfreuen. Er blieb ein ganze« Jahr in diesem Städtchen und bei demselben Meister. Diese« Jahr ' war grundlegend für seinen Eharakter und dadurch für da» Glück seine« ganzen Leben». Zwar ist e» da« Elternhaus, welches in dem junge» Mensche» die erziehlickfe Grundlage bereitet, aber der echte Kitt für diese, der derselbe» Festigkeit verleiht »nd den Weiterausba» zu Stande bringt, ist die freie selbsfftändige Bewegung in der Menschenwelt. Wenn da die ersten Berührungen dazu diene», die guten, aber »och losen Elemente in der noch jugendliche» Menschenbrust zu verbinden und zusammenzuführen, dann erhebt sich der iveitere Ausbau auf festem Bode» und vermag allen Stürmen Stand zu halten; wehe aber, wen» gleich der erste Luftzug der Außemvelt trennend zwischen die Baustücke fährt und sich zerstörend und ausei»a»derhalte»d in die Grundlage einschiebt. Der Umgang, die Gesellschaft ist e«, die da« Eine oder da« Andere zu bewirke», die Segen oder Unheil zu schaffe» im Stande ist. Daü hat sich im Guten, wie im Bösen schon oft bewahrheitet. Junge Menschen sollten darum besonder» in der Fremde in der Wahl ihre« Umganges sehr vorsichtig sei» und sich liebet auf sich selbst beschränke», al« sich schlechter oder ztveifelhafter Gesellschaft anschließen. Da« Beispiel ist verlockend und da« Böse, das man täglich üben sicht, verliert in den Augen des Beschauer« an Häßlichkeit und scheint schließlich gar nicht mehr so böse zu sein, während da» Gute durch den täglichen Anblick nicht» an seiner Liebenswürdigkeit einbüßt. Da« Sprüchwort sagt mit Stecht:

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