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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 10 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
10 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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J 10* Jüdisches 1884. / .'U^l_«__ U< . I_, ,_-^ |f«ilrtoB«J rilagr der „Isriklitischkn Wochrvschrist". -^r- Der gvldene Boden Eine Erzählung von B. Hause <Aorisetzung>. — Jüdisch« Silhoueiien au» Gallien. Po» Aaihan 3t- " u e ly. Meierl der ilhewrrmachcr. (Lchlub) — Allerlei für den Familienlisch: Berlin. Wie». Rntzland. Bagdad. 4 Benoil Lev». — Prolessor Hüll. — Purim-Legenden von Alexander Elsässer. ^Rabba und Radi Zera.) — Au» dem sprach schätz de« lalmud. Poetisch übersetz! von Max Weinberg. — Inserate. Der goldene Boden. 10 Eine Erzählung von B. Hause. <«ach»lu« »ai-rl»,!.» t^onsetznng.) Hüte Dich auch vor dem Maulhkldenthum! Was ich darunter verstehe, lveisu Du. E« ist dies der unverschämte Ncdevorwitz, dir Worldrristigkcit und das unbescheidene Vordrängen so vieter jungen Leute, die an all-n WiNhstafcln. in allen Bier- und Eaffrhüusern und in jeder Gesellschaft sich so duinmdrrisl taut vernei>mi>ar mache», gern das grobe Wort führen, ältere Leute über den Mund fahren und ihr Bischen grünes Wissen, das sie eben von der Schule mitgrbracht haben, auszukramen suchen. Man niacht dieses »amkntlich Jünglingen unseres stamme« zum Vorwnrfr und leider! nicht mit Unrecht Tu wirst schon l>emrrkt haben, wie unleidlich und überaus widcrwrirtig sich viele junge Leute dadurch niachen. Beste!he Tu dich der Bescheidenheit : sie ist cs. die den Jüngling ziert. Der wahrhaft gebildete Mensch ist stets bescheiden nnd zurückhaltend; der vordringliche Maujheld schreit nur seine Viertelbildung und seine innere Leerheit aus. Wirf rine» Pfennig in rin leeres Gefäß und es rappelt und niacht tyeräusch, so oft Tu e« bewegst: wirf aber eine ganze handvoll Münzen in ein volle« Gesäß und e« bleibt still in demselben, so sehr Tu e« auch schütteln magst. In Sparta dulsten Jünglinge nur zuhören. nicht mitsprechen; r« ist diese« auch seht noch und überall der Jugend zu empfehlen. Hüte Dich ferner vor allzugrober Empfind, lichkeit! Diese« muß ma» sich sowohl in Bezug ans de» gesellschaftlichen, als auch auf den geschäftliche» Berkelir zur Regel machen. In Bezug auf den Erster» führt dir übergroße Empfindlichkeit leicht zu Streitigkeiten und zur gesellschastlichen Berrinsamung. Es ist nicht Alle« so bö« gemeint, wie r« herausgesagt ivird. In Bezug auf das Letztere, hal>en viele junge Leute die Unart, daß sie bei jedein Tadel, de» sie Seiten« ihre» Brodherrn erfahren, diesen den Dienst kündigen und die Arbeit niederlrgen. Tie Neue folgt geivöhnlich nach. Eü ist keine #un)t, ei» Stück Brod, da« man in der Hand hat. wegzuwerseu; schiverer aber ist cs. ein anderes wieder zu finden. Der Meister oder Lchrherr muß von seinen Kunden auch oft argen und nicht selten unver» diente» Tadel geduldig rntgegenehmen. Ist c« ihm da zu verargen, wenn er einmal in verdrießlicher Laune einen, wenn auch vielleicht ungerechten Tadel gegen seinen Arbeiter ausspricht? Wollte der Meister oder Lehrhrrr gleich bei jede», Tadel, den er erführt, die Verbindung mit seinen Kunden abbrrchen, so würde sein Geschäft bald am Boden liegen. Auch darf mau sich nur nicht für unenrbehrlich halten. E« ist Niemand unersetzlich, und rS sind noch stets alle Lücken in der menschliche» Gesellschaft wieder ausgrfüllt worden. Hüte Dich auch vor der Spielsucht! Sie kostet Zeit. Geld und auch oft Gesundheit und übt einen nachcheiliarn Eindruck auf die seelische Entwicklung der Menschen. E» ist sicher kein Zeichen fortgeschrittener Bildung, daß die «Pielsucht so sehr im Zunehmen begriffen ist. Nicht, als °>r ob man nicht auch zuweilen ein Spielchen machen dürfe; aber jeden Tag im Wirthshausr, im Eaffehausc und i» Gesellschaft mehr siundcn im spiele vergeuden, mit Gier zum spiele eilen und keine angeiichmere Unterhaltung kennen, als diese«, ist eine traurige Vergeudung der Zeit und führt zur Armuth des Herzens, sie stunipft das Gefühl für alles Höhere ab. drückt die geistige Strrbkrast nieder und stempelt nach und nach die hochanbelegtesten Naturen zu gewöhnlichen AUtagSmenschen. Ter geistig angeregte Mensch weiß durch Lese» guter Schriften, durch anregende Unterhaltung und durch freie Bewegung in der Natur seine freien Stunden bv,,cr anzuwcnden. Und dann mein Sohn! »och diese«: Gehe nie in eiii HauS, zu einem Menschen und mit einem Menschen, wenn Du i» diese« HauS, zu diesem Mensche» und mit dirscm Mensche» nicht am hellen Mittage, vor de» Auge» aller Welt und i» Gegenwart der Personen, aus deren Achtung Tu Werth legst, ohne Scheu gehen kannst! Die Beobachtung dieser Ncgel wird Dich vor vielem Unheil bcivahrcn. DaS ist's, mein lieber soh»! was ich Dir besonder« an's Herz lege. Halte fest daran und die wohlthätigcn folgen tverden nicht ausbleibe». Daß Tu dich stet« der Wahrheit befleißen, die Lüge meiden und gegen jeden Mensche» zuvorkommend bezeige» sollst u. s. w. brauche ich Dir hier nicht zu wiederhole». Ich glaube! daß dieses Dir durch die Erziehung genügend zur zweite» 'Natur geivordc» ist und Du daher nicht wieder davon iveiche» wirst Wege» meiner kannst Du ganz »»besorgt sein. Dein Weggang von hier thui mir, wie Du dir deukeu kannst, sehr leid; aber ich finde mich auch darein, weil rS zu Deinem Wohlc nicht anders sei» kan». Der liebe Samuel, der wie iinmer brav und fleißig ist. hat es sich nicht »chmrn lassen, einen besonderen Brief an Dich zu schreiben, der hier beiliegt. Lebe reckst ivohl und sei herzlich gegrüßt nnd geküßt! Bleibe stets mein lieber, guter, braver Soh», wie ich immer sein und bleiben werde Deine Tich innigst liebende Mutter Nosalic Birk. IU. Jokrl befand sich gerade in der Wcrkstätte, als er diesen Brief seiner Mutter erhielt. Er konnte ihn also nur oberflächlich lesen; aber er zitterte vor freudiger Aufregung, endlich Nachricht von seiner liebe» Mutter zu erhalten. Al» er aber de« Abends allein in seinem Schlafkämmerchcn war. da holte er de» Brief aus seiner Tasche und las ihn. und wenn er ihn durchgelrsen hatte, dann fing er wieder von vonie an und laS ihn wieder mit derselben Begierde, wie zum erstenmale, zum zweiten-, dritten- und viertenmalc. Und es wurde ihm so wchmüthig und auch wieder so wohlig dabei zu Muthe. Der Brief hatte das Bild seiner Mutter, da« ihn stets umschwebte, jetzt noch lebhafter vor seine Seele gerufen. Es war ihm, als ob sie neben ihm säße in dem kleinm Kämmerchen und mit ihren lieben treue» Augen ihn anblicktc und alle diese Worte, die er in dem Briefe laS,

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