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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 8 (1884) · p. Seite 31

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
8 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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I .Wir Sir wollrn. oder ein Vermittler für BereinS- Munduiigrn. wenn e« besser ftingt. — Und wie gesagt. Mnstausend Gulden!" M Mrierl besah die Photographie und sein Schmunzeln Lg langsam in ein Lächeln über, da» breit und immer Lirr sich über sein ganzr« «Besicht auSdehntr. > .Hören läßt sich davon jedrnfall»", sagte Mrirrl, immer 1, dir Photographie hinrinsehend. | Ä^örnt — >vaS haben Sie vom Hören?' entg^nete »drrlr und schneuzte sich die feuerrothr 4kase, das, sic wir L Älarmtrompetr Nang. „lieber »verdr ich Ihnen l^elrgr»' V gctxu das. Sie diese» Jemand sehe» und spreche». L brauchen nur mit in<r eine kleine Reise »ach L. zu L<hen — verstände»?" Fortsetzung soigi.» I Richard Wagner und die Juden. I Der Sohn de» Beireuther Bürgermeister». Herr Franz «unlter. veröffentlicht in der .Wiener Presse" Erinnerungen |« Niebard Wagner, dir für die Brurtheilung seine» »dunkler» von Werth sind: f .Wtigncr war kein orthodox-gläubiger Uhrist und noch Lager tiotz aller nur erdenkliche» Belehrung Luther» ein Lager Protestant. I Leine ruischirdenr Abneigung gegen die Juden hatte mit Inmn religiösen Ansichten gar nicht» zu Ihn». Hier waren In ,hn vielmehr nationale und allgemein ethische Gründe Liebend. Merkte er. das, man über diese Ursaclfcn i>» MllKiren ivar, so fügte er. um alle Ziveisel zu tzelvii, seine» Mcherungcn über dir Juden den — freilich auch übertriebenen — Mq bei: .Die Ehristr» sind mir »m kein Haar lieber." kr!t man ihm al»cr gar entgegen, jemand sei zwar als Bucht geboren. halv sich >cbvch taufe» lasse», so antwortetr »kosort mit dem Ausspruch eine» alten Jude», der ihm einst Mi xrsichert habe: »Wir sind jetzt lauter gescheite Mensche», Inn dir dummen Jude» habe» sich alle lausen lassen." Und «nuf folgte gewöhnlich ein*' Philippika gegen die hebräische Rasse. I Nur gegen diese richtete sich sein Haß; den einzelne» nbitzle und liebte er oft. Bon einem Man» >vie Levi z. B.. na ihm in de» letzten Jahren innig »ahegetreieii war. sprach a mit größter Achtung und Freundschaft, und nie hat er mein einzelnen Israeliten darin», iveil er ei» Jude war, ein Knönlid) .ersetzende» Wort gesagt. Aber geivisse Sitten der fchiminttKit konnten ihn in die äußerste Leidenschaft bringen. Sem Pater besuchte ihn einmal an rinrm sonnigen Sommerte u, seinem Garten. Rach der ersten Begrünung fuhr biagnei plötzlich aus: .Herr Bürgcrmcisicr. warum jage» eie dir Jude» nicht au» ihrer Stadt?" Lachend antwortete oem Pater: .Wie kann ich denn da»? Und warum?" Rn» srtztr ihm Wagner i» immer hestigercm Zorn dir Art de« schachten» auseinander. von der er erst kurz zuvor oft um» Handlicher gehört h,>ite. schalt wüthend über die Grausainkeit bese» Prrsahren« und schloß im größten Aerger: .Und waü Infamste an der Sache ist, wenn eine ttlrinigkrit bei der tzinjen Prozedur versehen ist. dann ist da« Fleisch nicht mehr wchei. dann dürfen'« wir Christen fressen." Damit rannte fl aufgebracht davon und lief mehrere Minute» lang >m tonen aus und ad. Dann kehrte er ruhiger zurück, bat *8tn seiner Heftigkeit um Bcrzeihung und küßte meinen toter mehrmals auf da» Herzlichste. »Da sehen Sir." meinte »im« mir meine Heftigkeit für Streiche spielt. Run ja. eit kennen mich und nehmen mir r» nicht übel; aber bei ^fladen Menschen mache ich c« ebenso. Da war ich jüngst men,er Frau in Rürnberg und wollte ihr die Wiese aus der die letzte Scene meiner .Meistersinger" spielt, wir hinkommen, ist dort Miliiärmusik. Der Musikmeister "fl«cki mich und läßt mir zu Ehren den .Tannhäusrr-Marsch" >p«kn. Die anderen Leute werden auch aus mich ausmerksain ^° >ch reiße au«. Am audern Morgen macht mir der E^Ilkcr seine Aufwartung und vrrsichert mir unter anderm, *** ich hier in Rürnberg die ergebensten und begeistertsttn Anhänger hätte. »Wa« wollen Sie?" rufe ich. .Ergebene Anhänger? — Daß Ihr mich bei der Enthüllung Eure« Han« » Sach« - Denkmals nicht einmal eingeladen habt, da« habe ich Euch nicht verdacht, davon soll jetzt keine Rede sein; aber daß Ihr neben meinen deutschen Han« Sach« gleich eine Judenschule hingcbam habt, da« ist schmählich." Und in dem Tone zankte ich den armen Menschen noch weiter herunter, daß er zuletzt ganz betroffen davon ging. Run sehen Sie. der Man» wollte mir eine Aufmerksamkeit erweisen und meinte r« so herzlich gut und ich vergalt e« ihm mit Grobheiten. Nachher that e» mir freilich leid, aber da ivar e» zu spät." Allerlei für de« Familientisch. Kl» Amerikaner gegen die Antisemit,». Im Seiiate de» Staate» Pennsylvanicn ließ sich rin Mitglicv eine judenfein bliche Aeußerung zu Schulden kommen. Darauf erwiderte rin anderer Levator, Mr. Amcrma»: „Die jüdische Bevölkerung Amerika'» bedarf wohl keiner Schutzrede, da ihre Geschichte mit allen großen Unternehmungen der Welt r>erknüpft ist. Seitdem r« eine Eivilisation gibt, habe» die Juden immer »» Borderlreffen des Fortschrittes gekämpft, immer einen erste» Rang eingenvmincn in der Littcratur und de» Wissenschaste». I» F,nanzsack>en lenke» sie dir Welt, in Sache» der Wohltlsätigkeit beschämen sic ihre Gegner. Zerstreut über die ganze Welt, waren sic stet« und überall bemüht, den Staaten, welche sic bewohnte», dienlich zu sein. Sir haben ihre Aiilbiiiglichkeit mit Blut und Geld rnviesen. Nehme» Sie unserem Lande da» Geld, den Unternehmungsgeist und den Bcrsiand. seiner jüdischen Bürger, so werden -sie felK». mir sehr Sie den Fortschritt aushalte». Wenn Sic den Fleiß, die Nüchternheit, die Untcrnehmungolust brandmarke» ivollr», dann könnrn Sic fortfahren, i» einem Tone gegen die Jude» zu spreche'», de» ich für jämmerlich und »»würdig erkläre. Unsere Asyle beherbergen keine Juden, unscrc Gefängnisse schließen sic fast nikinal» ei», und dennoch wagen Sic dieses Bolk für unredlich zu erklären? Sic verlangen »lemal» einen Pfennig Almosen, und Sic beschuldigen sie der Habsucht? Ich bi» kein Jude, wäre ich c». so würde ich mich glücklich schätze'», daß Leute Ihre» Gelichter» nicht zu de» Juden gehöre», Leute, welche durch ihre Angriffe nur ihre teZemcinlieit und Unwissenheit eriyeisc». Befreie» Sic un« doch endlich von dem schmachvollen Schauspiel, daß ein Repräsentant dieser Republik sich in solch' unwürdiger Weise üt>erein großes Bolk ausspricht." Vrnftf: Warum hänge» die ,:lkh»gek»>k" ln den Tempel» so hoch? Aniworii Tom» sie »ichi übertreten iverocn. Aus dem Lpruchschatz des Talmud. Poetisch übersetzt vv» Max Weinberg.*- Leichi wie der Aar die Lüste rnis», Und wie der Hirsch sänesit durch de» Walde» Lichtung. So eile ohne «falsch und Lisi,;{u deine» wolle« Prei« und Tankoerrlchinng. sind rnusi e» sein, rnli Heldenkrasl Ten Vätern gleich, dich ausgernffi um Kampf für seine» Namen» Ehre, nd stolz und frei, ml, Löwenmut!, Und deine« Herzen« bestem vlui Tritt ein für Gott und seine Lehre. » » » Wo man ihn noch al» Kind getan»!. Wird kein Prophet, Prophet genannt. » » « Keckheit — ein Reich ohne Krone — Dem Abgrund nah, wie dem Throne. « * Wer seine« Weibe« Herrschaft duldet, Hai, wa» er leidet, selbst verschuldet. *) In vor. Nr. ist in dem ersten Spruch« Z. 9 „Irisch und" und Z. < .und fahl" zu streichen.

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