Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 8 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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.fy! 8 Jüdisches 1884. HtUif i ‘§lntf Fruilltllin Skilligk der „Israklitifchen Wochenschrift". > Der goivene «ove» ck»,e LrHtdlu»,, von B. Haus« i^onsepung». — Jüdischc Lithouenen au» Utaliiu'ii. Bv» Nathan 3 a rilfhnft‘ Meierl der UlKUMftiiadHr. — «ichard «agncr und die Juden. — Allerlei sür den ftamilicntifdi: vi» «mnitmicv murn die Mmifrmittn. — J^rauc. Amwon. — Au» dem Lpiuchschavc de» Dalmud. Pon Mar Weinbcra. — Injeraik. Ter goldene Boden. " Eine Erzüdln»^ von B vausc. («ochdrnck unr-rtafM 3ofri war schon 14 Tage auf der Wanderschaft. harte schon viele Stadl» und Städtchen durchwandert und bei vielen Meistern angeklopst, ohne Arbeit finde» zu können. Meinen» war kein Bedürsniß an Gesellen vorhanden; bei einigen Meiner», wclctie eine« solchen wohl bedurft hätten, ivar feine Eigenschaft al» Jude da» Hindernis;. Zivei wollten tibcrlHiupr keinen Jude» i» ihrer VIerkslalt liaben, meiner andere hätten sich wohl dazu vclPande», wen» er sich dazu lülir rnischlirßen wollen, auch am Samstage zu arbeiten. Ta er dieses aber verneinte, so fand er keine Aufnahme, irr befand sich in sehr gedruckter Stimmung Seine Mutter batte ihm zehn THaler, an welchen sie lange gesammelt halte, mir auf die Reise gegelie». Diese ivaren schon arg jusaniiiiengrschmvlzcl' Er halte es noch nicht ül>er sich gewinnril könne», nutzer dem «Geschenke-, d^>» er nach vand» »elksbrauch bei dem Zunftmeister entgegriizunehme» hatte, auch noch bei >rmand Änderet» um eine Gabe vorzufpreckicn, so sehr dieses auch allgemeiner Brauch der auf der Wanderschaft befindlichen Handivelisgesellen ist. da rin Fortkommen auf andere Weise de» meisten gar nicht möglich ist. DaS von der Zunft verabreichte «Geschenkist in der Regel so gering, datz ee zur Erhaltung auf der JKeifc nicht ausreicht, und selbst von H<i»s au» wvhlbemiiielie Handiverker, sehen sich daher oft in die Nvtbweiidigkeit verseht, die Wohlthäiig- Icit auch nicht zum Haudwerkc gehörender Familien in Anspruch zu nehmen, wmn sie lange arbeitsuchend umherwandern »üssr». Aber es ging Iokel in dieser Hinsicht, wie rS wohl manchem anderen anständig erzogene» Handwerker ergangen seiu mag. Die Noth mutzte erst die natürliche 2cl>eu vor einem Schritte überwinde», der so leicht als gewöhnliche Ärttclci angesehen werden kann und auch oft so augcselie» wird, ivährend cS sich bei deiilfelbeu de>ch nur um eine »othwendige llnkersiützung de» Handwerk» handelt. Nicht einmal um ei» Mittag» oder Aliendesie» hatte Iokrl an de» auf seiner Wanderschaft berührten Orte», wo Juden wvhiilcn. onzusprechen de» Muth gel)abt, sonder» stets für sein Geld gezehrt und wo »ach israelitischen Speisegcsetzen Erlaubte» für Geld nicht zu haben war, sich lieber mit einfacher Kost begnügt. Da» hatte seine Kräfte fühlbar geschwächt, noch mehr aber seine Kasse. E» war an einem Freitag Nachmittage, als er müden Futzcs und mit niedergeschlagenem Herze» einem Städtchen zuwauderte, da» er gern vor Beginn de» Samstag» noch erreichen wollte. Er hatte an diesem Tage schon eine ziemliche Strecke zurückgelegt und war sehr erschöpft. so dag er sich oft zum AuSruhen nirdersetzrn mutzte. Er hatte noch eine Stunde Wege» zu wandern und J*tte sich eben auf eine Ltciubaak niedergelassen, welche am «ege angebracht war, als ein Herr in einem elnspäiniigen Wägelchen desselben Wege» und in der Richtung nach dem Vtädichrn hin fuhr. Der Man» satz allein in dem Wägelchen und kurschine selbst. Al» er nahe gekommen war, erhob sich -»kel und bat um Auskunft, wie weit noch bi» nach dem nächste» Städtchen fei. Der Mau» hielt das Pferd an und fragte ihn, woher und wessen Handwerke» er fei. Iokel sagte ihm. datz er au» Brixenhause» und rin Schuhmacher fei. «Aus Brixenliaiife»?“ sagte der Mann. «Ich war schon in Brixcnhausc». Wie heiße» Sie?" Der Man» war Jude und hatte auch Iokel als folckx'» erkannt. «Ich heitze Birk", antwortete Iokel. «Sind Sie ein Sohn de» verstorbenen Simon Birk?- fragie der Man» weiter. Iokel bejahte dieses. «Wenn Sic mit mir fahren wollen, steigen Sie hrrein. ich fahre nach dem Städtchen-. sagte der Mann, indem er sich rin ivcnig auf die Seite rückte. Iokel nahm diese» Anerbieten mit Freuden an. Der Mann erzählte ihm nun lintenveg», datz er in dem nächsten Städtchen ivohnhaft sei, Abraham Oppenheim heitze und Lcderhandcl betreibe, 1 datz er den Bater Jokel's i„ Leipzig in der Messe kennen gelernt habe und mit ihm befreundet geworden sei und datz j er. als ihn eine geschäftliche Angelegenheit einmal in die Nähe ' Brixenhansens geführt, feine» Vater besucht und bei ihm übernachtet habe. Das waren für Iokel sehr angencl,iile ' Mitthcilunge». Al» Oppenheim ihn nun nach dem Befinden! seiner Mutter fragte und ivie e» ihm auf der Reife ginge, ' öffnete er ihm vertrauensvoll fein Herz, schilderte ihm seine 1 Lage und die unliebsame» Erfahrungen, die er auf dieser ' seiner ersten Wanderschaft bereits habe mache» müsfc». ' Oppenheim, der ein sehr braver Man» war. sprach ihm Muth ' zu. sagte il»». datz er Samstag sei» Gast sein solle und datz; er auch hoffe, ihm bxi einem tüchtigen Meister Arbeit zu verschaffe», da er in Folge sc>ur» Geschäftes mit vielen Schuhmachern in Verbindung stehe. Da» klang Iokel ivie melodienreiche Musik in den Ohren, namentlich^ das Letztere, und frohen Hcrzens fuhr er in das nette Städtchen ein. Oppenheim litt nicht, daß er in ein Wirthshaus einkchrc. sondern er muhte über Samsiag vol.ständig sei» Gast sei». Da» ivar dererste freundliche Lichtstrahl, der erhellend in Jokel's Wanderschaft fiel. Sonntag» darauf verschaffte ihm Oppenlieinl auch wirklich bei einem sehr geschickten Schuhmacher Arbeit, welche ihm durchaus keinen religiöse», Zivang auflegte. Datz er. so lange er in dem Städtchen in Arbeit sein iverdc, bei Oppenheim, der ein sehr ivohlhabendcr und dabei auch ein sehr wohlthätiger Mau» war. freien Mittag»- tisch annehme, hatte sich dieser gleich Vorbehalten. So war deiili seiner Noth durch wunderbare Fügung plötzlich abgeholfen. Iokel betrachtete dieses mit Recht al» eine Hilfe, dir Gott ihm gesandt hatte, und er danktc auch Gott dafür. 9. Iokel'» Mutter hatte bei seiner Abreise gegen ihn damals geäußert, datz er ihr, bis er Arbeit erhalte, jeden Tag Nachricht von sich gebe, später aber sollte er ihr wenigsten» in jeder Woche einmal schreiben. Diese» hatte er auch bis jetzt pünktlich befolgt. Während feiner vierzehntägigen Wanderschaft schrieb er jeden Abend an seine Mutter. Er hätte auch ohne den ihn, gegebenen Befehl dein Verlangen, ja dem Bedürfniffc c« zu thun, nicht widerftchen können. ^Lr war au» dem Elternhause, au» dem stillen gemüthlichen Stübchen, da» die Erinnerung an seinen Vater geheiligt, das die Liebe