Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 5 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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— IS — gtunbf mit Jäkele im verschlossenen Zimmer flüsterte und tafe eifrige Lauscher draußen Worte vernahmen, die bald wie Drohungen, bald wie flehentliche Bitten klangen. Die vor Thür und Fenster lagernde Menge murmelte nnskändnißinnig: .Der Zaddik treibt dem Armen einen bösen gtm ouS. Sicherlich wird er durch ihn geholfen werden!" Lo war e» auch. Rach einer halben Stunde verließ Jäkele freudestrahlend Zimmer de» heiligen Manne». Der Zaddik hatte da» non plus ultra eine» WunderthäterS geleistet. Die gestohlenen fünftausend Gulden befanden sich wohl verwahrt in der Tasche Jäkele PfefferamcnS. Die Welt erklang vom Rufe diese» Wunder», und die Thajs,bim von N. gingen Jäkelen gratuliren und suchten voll Neugierde den Verlauf der Action zu erfahren. Allein dieser blieb allen Frage» gegenüber verschlossen, gal er dem Zaddik da» Wort gegeben batte, da» Mysterium nicht;u vcrrathen. Doch eine» blieb zur allgemeinen Verwunderung von Int; N. constatirt. Jäkele der Freund und Anhänger der labdi'r, setzte seit jenem Tage nicht mehr seinen Fuß über de Lchivelle eine» Kundcrrabbi und wenn man ihn dieserhalb «ifzog, so spie er verächtlich au» und knirschte: .Und ich Zokelc soll an solche Betrüger glauben!" Und s o hatte, wie de tshassidim von N. seufzten, diese merkwürdige Wunderthat dei Jäkele Pfeffersamen, offenbar durch die Macht de» Satan, »mau eine verkehrte Wirkung hervorgebrachl. Vom Tage «o nämlich, wo er sein Geld zurückbekam, hatte er seinen einzigen letzten Glauben, den Glauben an die Rabbi'», für immer verloren. Allerlei für de« Familientisch. L«»ker6.letzte öffentliche Siede in Amerika. Während seine» Aufenthaltein Ncw-Aork hatte Dr. LaSker delfach mit hervorragenden Israeliten verkehrt und von defen veranstaltete» Festlichkeiten beigewohnt. So war er di der Jahre-feier der Libanon-Loge Nr. t> I. O. B. B., dim Schluß der mit dem Tempel Abavatb 6b«»«<l in Verbindung stehenden Religionsschule und bei der Jahre»- ttrfammlung de» Mount-Sinai-HoSpitalvereiu» zugegen. Er hietr bet solchen Gelegenheiten stet« kurze Ansprache« Seine ützle al» öffentlich zu betrachtende Rede hielt er am letzte» « genannten Mount-Sinai «HvSpital. Dieselbe lautete folgendermaßen: .Ich bitte, mich zu entschuldige», daß ich ich mich der deutschen Sprache bediene. Obgleich ich höre, df> Ihre Verhandlungen englisch geführt iverden, so weiß ich, dß die »leisten von Ihnen Deutsch verstehe», und e» erscheint »r deshalb angrincssen, mich meiner Muttersprache und der «uiicrsprache der Mehrzahl der Anwesenden zu bedienen.!n der deutschen Sprache kann man ja auch herzlichen Ge- >hle» den besten Ausdruck verleihen und ich muß Ihnen voll«>n Herzen für die Einladung zu dieser Versammlung >»d für den freundlichen Empfang, ivelchc» Sie mir bereiteten, «nken. E« macht mir da» größte Vergnügen, Augenzeuge lebhaften, in dieser Versammlung sich kundgebenden mteresse» zu sei». Bei meiner Reise durch Amerika haben fvvhlthätig en Anstalten der Jude» einen besonder» ünsiigcn Eindruck auf mich gemacht. Ich fclK in diesem Dresse an den Werken der Liebe und der Wohlthätigkcit * schönste und erhabenste Auffassung de» Judenthum». lnd die sorgfältige Bewahrung dieser heiligen Pflicht veran- «v mich auch, die Thatsache zu übersrl)en, daß ich in anderer Plicht nur geringe Versuche unter de» Juden Amerika'» zur Wahrung der Traditionen au» alten Zeiten wahrgcnommen?U» die Gottheit Israel envählte, um der Lehrer und 80 Führer der Nationen zu sein, sollte, wie ich e» auffaßte, "" großer Theil dieser Pflicht in der Ausübung de» Wohl« V»gkei,»si„ne» und der thatkräftigen Bruderliebe, tvelche jüdische Charaktereigenschaften sind, bestehen. Die heutige Versammlung liefert mir einen genügenden Beweis dafür, daß dieser Theil der Mission unserer Nation in hinreichendem Maße auSgeübt wird, wenn ich sehe, daß Männer, welche die ganze Woche hindurch Sklaven ihrer eigenen materiellen Jntereffen sind, den einzigen Tag der Erholung der Sorge und dem Schutze der Armen und Leidenden widmen. Ich sehe hier dicht nebeneinander die Behütung der Waisen und «ranken und Leidenden, und ich kan» mich an nicht» unter allem, wa» ich bei meiner Reise in Amerika gesehen, erinnern, daß so erfrischend und anregend aus mich wirkte, al« diese Beweise dafür, daß die Jude», welche hier freier sind, al» in irgend eine,» anderen Lande, mit um so größerer Energie und Hingebung die Ausübung der Wohlthätigkeit pflegen und dadurch Zeugniß oblegen von all dem Guten, welche» Gott sei Dank in der jüdischen Rasse zu finden ist, wo immer dieselbe auch wohnen mag. Möge deren segensreiche Thätigkeit auch i» der Zukunft nicht abnchmen und die nationale Mission niemals weniger auSgeübt iverden, als bisher. Gestatten Sie mir nun. Ihnen dafür zu danken, daß Sie mir eine Gelegenheit boten. Zeuge dieser glänzenden Bestätigung Ihrer wohlthätigen Gesinnung zu sein." Bei einer Unterredung mit einem der Redakteure de» Blatte» „American Hebrew“ sprach sich Dr. Laster über die Lage der Jude» in Deutschland im Wesentlichen folgendermaßen au»: .Die Juden gehören zu den besten Bürgern Deutschlands. Sie machen nicht nur in intcllcctucller Beziehung große Fortschritte, sonbern auch in der Industrie, in der sie eine hervorragende Stellung erringen. Dein juristischen Berufe geben sich eine Menge von ihnen hin, die durch Fähigkeit und Integrität einr» hohen Rang unter ihren Cvllegen erlangen. E» stehen ihrem Streben nach hohen Posten keine andern Schwierigkeiten im Wege, al» daß vielleicht die Regierung nicht zu viele jüdische Richter in einem Districtc anstellt, weil dadurch Vorurtheil und Mißstimniung hcrvorgcrufc» würde. Auch im mcdicinischcn Fache ist der Einfluß der Juden fühlbar, und auf dem Gebiete der Wissenschaft nehmen sie eine eminente Stellung ei». Auch hierin treten ihrem Weiter» kommen keine Hindernisse entgegen. An den Universitäten sind sie zahlreich zu finden und Viele nehmen Lehrstühle ein, obgleich nian hie nnd da noch Vorurtheile gegen sie hegt. Gegen die Envählung meine» Freunde» Prof. Ros ent hat wurde al» Argument geltend gemacht, daß die Universität einen au»ge« sproche» christlichen Charakter habe. Die Professoren, die gegen ihn stimmten, hatten keine persönliche Abneigung gegen >h» und wußte», daß er bei den Studenten ungemein beliebt sei. Der einzige Einwand gegen ihn war, daß er Jude ist. Dagegen wurde ein anderer Freund von mir, Prof. Lehrend, der Rechtswissenschaft lehrt, zum Rector der Universität Greifawalde gewählt. Obgleich ohne Zweifel an der deutschen Presse zahlreiche Juden thätig sind, und selbst an tonangebende» Blättern hervorragenden Stellungen cinnchmen, hat man ihre Zahl doch überschätzt. Sie controliren die Presse in Deutschland sicherlich nicht in dem Maße, wie die» z. B. in Oesterreich der Fall ist. In Bezug auf BiSinark» Beziehungen zur Antisemiten« frage geuügt e». anzuführen, daß er dieselbe dadurch, daß er sie nicht unterdrückte, ermuthigt hat. Die reaktionäre Bewegung, die jetzt in der dciitschcn Politik vor sich geht, wird zwar blo» eilte temporäre sein, allein e» wird Jahre erfordern, um sic ivieder zu beseitigen." lieber Laöker'S Aufenthalt in England, schreibt Herr Dr A. Asher: Daß der leider in so frühem Alter dahingcraffl« Lasker einst in England sich aufgchaltcn und dort die Berfaffui.g de» Lande» und seine Recht»- und anderen Institutionen gründlich erforscht hat, ist, wie au» den jüngst in deutschen Blätter» erschienenen Nekrologen ersichtlich, allgemein bekannt gctocfcit; neu aber dürfte wohl Bielen die vom „Jewish Chronicle" berichtete Thatsache sein,