Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 4 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/6492351-8722841-5938197--0020-5377595- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
15 — Ihaitgtrn sich Hinkende, Blinde und Aussätzige, die er kuriren IiM Hin stand eine Mutter mit einer langen Hopfenstange |„„i Tochter, welcher der Rabbi den rechten Bräutigam nennen, Itz-r, wieder ein Bater mit einem sechszchn jährigen, glotz. |i»«i0>'". blöden Jungen, dein er einen bösen Geist auStreiben IjoUtf- Hin ein Weib, wie ein Fettklumpen, dem der Rabbi Igmdcrsegcn verschaffe», dort eine runzlige Megäre mit haar. Idkwachnnen Warzen ans der Rase, der der Zaddik Lirbesgunst Iw de» Augen ihre» Manne» verleihen sollte. Hier fortgejagte IPächter, dort schiffbrüchige «aufleute, eine bunte Menge, die Isich von den Wundern de» Rabbi erzählte, wie er beim Bete» 1,1t cm Löive brülle, Dämonen au»treil>e. die Zukunft ver- Ilündk. Unfruchtbitrr» mit ikinder segne. Stummen eine» liebende» Mund und Blinde» schende Äugen verschaffe. I (Lchluf, folflt.. I Allerlei für de« Familieutisch. Sri«»erungeu a« Eduard Laster. I Al» nach Beendigung de» Kriege» gegen Frankreich ein oilprcußisches Infanterie. Regiment. vvn den rnlhusiastische» tzürger» freudig begrüßt. rinzog. konnte sich der Abgeordnete üarkcr nicht den Wunsch versagen, den ihm in einer Gesell» jchaft vorgcstclltcn Oberst »ach der Aufführung der im Reimen« kämpsenden Israeliten zu fragen. .Brav, sehr brav, «>n lieber Herr Dvctvr. haben sich meine Leute geschlagen, ich hätte e» Ihne» gewünscht, zu sehen", antwvrtete lächelnd der Lbcrst. .Danke verbindlichst, Herr Oberst", rntgegnete raeler etwa» unbefriedigt, .aber ich bitte um Berzeihung, er» smckt sich Ihre Zufrirdrnl»cit auch auf die Juden?" .Juden!" nrt erstaunt der Oberst, .Jude»'? Herr Doetor, die kenne ch gar nicht. Wer bei uur in de» Kaiser» Rock ftetft, seine Pflicht und Schuldigkeit erfüllt, für» Baterland sei» Leben «wsetzt. für De» habe ich n»r eine Benennung: Soldat. la« Ändert ist für mich Privatsache."-In La»krr« bantbaren Blicken glänzten Thränrn der Freude, r» that seinem schwergepniften Gcmüthe ungemein wohl, von dort, po einst da» schärfste Borurthcil geherrscht, eine gerechte klnschauung zu höre». Der Oberst war gerührt vvn der jeelenvvllrn Gemüthsart seines Zuhörers, reichte ihm vertraulich die Hand und war sehr bald mit dem geistreiche» Manne in eint lebhafte Convcrsatio» verstrickt. Aber merktvürdig genug, man war beim Schlüsse jeder Eontroversc iinmer wieder dem nsten Ausgangspunkte näher gekvminen. Da» offene gerade Wesen de» liebenswürdigen Officicrü konnte nicht länger, nachdem c» die edle, von jeder pedantischen Empfindelei mie Gesinnung de» Doetor» erkannt hatte, mit der Erzählung der folgenden wahrheitsgetreuen Episode zurückhaltrn. Er eizäbltc: In einer der groben Schlachten diese» Feldzüge» hatte «rin Regiment den wüthcndcn Anprall de» vierfach überlegenen Hemde» stundenlang Stand zu halten; der Tod würhcte erschreckend in unseren Reihen, aber meine Braven wichen keine Handbreit von dem werthvollen Irrrainabschnitt. Während de» ununterbrochenen Kampfe» konnte keiner der Schwcrvcr- «undeten in Sicherheit gebracht werden. Da» entsetzliche Zammern und Schreien lähmte die Energie der Kämpfenden. .Sinder," rief ich ihnen zu, .verbeißt Euren Schmerz noch tinige Minuten. dann soll Euch geholfen werde», «ecundenlang wurde meine Bitte erfüllt, dann aber begonnen auf'» Keut die herzbrechenden Rufe. Al» ich die Stelle bettat, wo die Granaten eingcschlagen, gräßlich verstümmelte Soldaten «it dem Tode rangen, unterließ ich auch diesen Wunsch. Ta richtete sich ein mir bekannter Mann, dessen Tapferkeit schon «ü dem eisernen Kreuz belohnt war, au» dem ttaurigen Ühao» empor und sprach mit namenloser Anstrengung: .Ich bin gleich ruhig. Herr Oberst." — .Ist » denn so schlimm?" «rinte ich tröstend. Statt aller Antwott nahm er die linke öand von der Brust und zeigte die klaffende TodeSwunde. Tie standhafte Art de» Sterbenden hatte meine ganze Theilnähme erweckt, ich drückte ihm die Hand und ftagte nach seinem letzten Wunsch. Bei diesen unerwarteten Worten zuckte c» in den halbaebrochcnen Augen, die Lippen bewegten sich krampfhast, ich fühlte, daß de» Sterbenden LcbenSfunke sich an meinen Trost anklammcrte, daß in der himmelwärts gerichteten Seele noch ei» Wunsch vorhanden war. Mein Mitgefühl hatte den Höhepunkt erreicht, und ahnungsvoll versprach ich dem Sterbenden seine» Eltern persönlich Kunde zu geben von dem pflichtgetreuen, tapferen Bcrhaltcn ihre» braven Sohne». Die Brust de» Sterbenden bewegte sich nur noch leise, und wie zum Abschied sprach ich zu ihm, au» dessen Mund ich ein hebräischcck Stcrbegcbet vernahm, tief ergriffen: „Du warst ein braver Soldat, der beste Kamerad, Deine persönlichen Vorzüge haben alle kleinlichen religiösen Borurtheile verdrängt, vor Gotte» erhabenem Thron sind wir Alle gleich." Mit der letzten Anstrengung raffte sich der Sterbende bei diesen Worten cinpor, ich fühlte den schwachen Druck seiner kalten Hand, rin glückselige» Lächeln strahlte auf dem Antlitz de« Tobten.- Tic zwischen dem Erzähler und dem Zuhörer seit jener Zeit entsprossene innige Freundschaft ist nie getrübt worden. Am Grabe de» vor einigen Jahren sanft entschlafenen gcmüthvollen Officier» hat der nun dahingcschicdcnc treue Freund LaSkcr die heißeste» Thränen vergossen. S. Stein bcrg. Kduard Kanskick schreibt über Mehcrbccr und Wagner: „Uns berührt der EnrhusiaSmu». »mit welchen! eine fremde Nation die Vorzüge eine» deutschen Künstler» hervvrhcbt, immer »och shmpathischer, als der gehässige imvertincnt, wegwerfende Ton, in dem ei» großer Theil der deutschen Kritik sich Meycrbcer gegenüber gefällt. R. Wagner dessen Ricnzi, Tannhäuser. Holländer wir un» ohne Meyerbeer» Vorgang gar nicht denken können, urthcilt über Meyerbecr nicht, wie man über einen Künstler, sondern über einen Verbrecher urtheilt". Kpocint äußerte in einer Rede die er in New- Zjork über KatholieiSmu». Protestantismus und Judaismus hielt, unttr andern folgende» über die Juden und deren Religion! .Diese» obscure Volk, welches blo» zu wählen hatte .zwischen Vergessenheit oder Geringschätzung der Welt. Dieser »kleine Staat, welcher kaum eine Breite von 20 Längen- „Meilen besaß, hat der Menschheit die größten Dienste ge> »leistet, denn ihm die Humanität alle» zu verdanken. Seine, nicht semitische, sondern hebräische Idee von einem einzigen Gottt hat unsere Vorfahren bekehrt, civilisirt, und die christliche Gesellschaft gegründet. SokratcS Lehren waren „vergeben», weil Athen und Rom an ihren Göttern und „darum an ihren Charakter» fcsthielten. Daß wir aber „gegenwärtig in christlichen Ländern leben, haben wir bloß „den Söhnen Juda» zu verdanken, die un» ihre Schätze »brachten, welche sie durch viele Jahrhunderte, während der »Zeit der nationalen Unabhängigkeit in ihren wohlbewachten »Schreinen gehütet hatten." P«s tobte Meer. Im Januarheft von „Unsere Zeit" ist eine Schilderung de» tobten Meere» in einem Aufsatz von GregoroviuS „Ritt nach dem Tobten Meer" enthalten, durch welchen irrige Vorstellungen widerlegt werden. „Wenn Gott in seinem Zorn." so schreibt GregoroviuS. „die blühenden Thäler. durch welche einst der Jordan zwischen Palmen- Hainen herabströmte, vernichtet hat, so war noch sein Fluch schöpferisch, da er an ihre Stelle eines der wunderbarsten Gemälde der Erde gesetzt hat. Der furchtbare Salzsee sttahlt in Jrisfarben, wie nur ein Golf Siziliens oder der Meerbusen von Korinth. Aber sei» Scl-ein ist dunkler, wie von geschmolzenem Metall, seltsam und geisterhaft. Seine Wellen ruhen nicht in bleierner Unbeweglichkeit, sondern sie ziehen, wie jede» andere Meer, weiße Schaumbrandungen um die Küsten." Die sehr verbreitete Annahme, daß kein Vogel