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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 4 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
4 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I Ifl W '■Mfi jk4. 1884. L^UUlkll-S/ii// ~ |fuillfton*ßrilflgf der „Zsraklitischtn Vochknschrifl". . Xtr fli'lhfito <to>rn (f ne ErZItil»»» tum B. Hause (,fortf.). — Jüdisch gaiitische 3illi»nettcn. Bon ')!. Samuelit. — tllliall I Allerlei für de» Jauiilieniisch: Ei inner»»,>e» a» Eduard Laster. — Eduard Hansliit. — Paler Hnacim. — Tao iodie ' ’ Meer. — üiillnrrd Le»>». 4s>ie» — Inserate. Der goldene Bode«. Eine ErKIilunn tum B Hause. IV. (-taiddruck unlrrfagt.) Trr inner Jokel'S, Simon Birk, lunr, wir wir bereite ttiiililt haben, rin ullflcntcnt geachteter und geliebter Mnnn (teipeiru. Achtung und iliclu' wurm aber uuch du» LebenSeiemcnt. in welchem und durch welch« allein rr zu leben vermochte. (io wur die l!eben»luft, bereu er vor allem Ander» bedurfte. Böller Thatkraft butte er doch ein zurtl>esaitetes i^einiilll. du» nur vom Himmelsihaue der Achtung und Liebe sich nährte, nur int Sonnenschein der Achtung und Liebe sich moltl fühlte. Cr glich der Sonneublunte. die il»r Haupt ■ui fröhlich zu erheben und uufrecht zn bullen vermag, so lange der Lichtstrahl der Sonne sie Iterührt, dieses über traurig senkt, solmld dieser Lichtstrubl ihm fehlt. Co war hei« >'nbt jener gemeine Cbrgeiz. der nur »ach Sicherer Auszeichnung und Chrenl>ezeugu»g geizt uud trachtet, mögen diese nun verdieut oder erschlickse» sein, sondern eS ivar >ener edle Cbrgeiz. der den Menschen ziert, weil er auf Leil'stachtung beruht und darum zu jeder uuedlen Handlung »isabig macht: jener edle Cbrgeiz. der nichts als das Achlnugs- und Liebesbedürfnib ein« reinen, edlen Ge- »uibes ist, welches der Achtung uud Lielv sich würdig miü. Starke Geister, kräftige Gemtitber ertrugen « schon Mldig, wenn die Kurzsichtigkeit oder Berkebrtbeit der 1Xe»sct»en. wie dieses ja nicht selten der Fall ist. die Achtung versagt, die Liebe unerwidert lägt oder dafür Gleichgültig- Kit. Geringschätzunzz, oft sogar Hast zurückgiebt. Sie ziehen sich, wenn gleich nicht ohne Schmerz, in il>r rein« Beivußtsan zurück und finde» da CKnüge. Ander'» aber ist'S bei ichiviichem Gemüt her« Sie vermögen die Verkennung. die Kifiachtung kaum zu übenvinde» und fühlen sich tief unglücklich. So war « Simon Birk oft ergangen. Nicht als ob mau feinen Charakter nicht erkannt und vielfach anerkannt hätte: nicht als ob Achtung Liebe ihm nicht oft begegnet wären im Leben; aber tief schmerzlich venvundete « ü)n immer, wen» ihm, trotz alledem, doch zuweilen als Juden, Mißachtung und Mißtrauen widerfuhr, wenn er. der ein frommer, für seine Religion begeisterter Jude war. zuiveilen Amßerungen entgegennehmen muhte, die ihm als Jude ivehe tbatrn und loche tl>un mußten. Da sagte z. B. ein Bauer oder jaust irgend Jemand, der in sein Geschäft kam, bei ihm (frnw» zu kaufen, dann zuweilen einmal: »Aber, Birk, befchuinmle mich nicht, wie « die Juden machen!" oder: „Die )ude» betrügen Alle!" oder: »Die Inden sind arbeitsscheu, darum wollen sie nichts als schachern!" Das tt>at ihm immer ifbr UHhe, ihm, der sich so rein von Betrug und Hinterlist Büßte und der bis jetzt ein so mühe- und arbeitsvoll« Leben batte führen müssen! Und war « meisten» auch nur scherz- Bcije gesagt worden, er wußte: ein Hörnchen Crnst steckte doch immer dahinter. Was half es ihm, wenn er solche oerletzende Aeußeruugen und Urtheile zu widerlege» suchte'? wen» er auseinandersetzte, wie es sich dach ganz ander» verbalte, daß « wohl einzelne Juden gt bc, welche schlecht genug seien, andere Menschen zu betrügen, wie e» auch einzelne Christen gebe, die dasselbe thun, daß aber auf beiden Seiten die Gesammtheit nicht nach diesen CinzelfäUen beurtheilt werden dürfe: wenn er ihnen auaeinandersetzte, daß das Publikum doch wohl recht gut wisse, das; e» bei dem jüdische» Geschäftsmann mindeste»» eben so gut wegfotnntf, wie bei dem christliche», weil « doch sonst nicht überall mit Porliebe den jüdischen Geschäftsmann anfsuchen würde; wenn er sie darauf aufmerksam machte, daß zwar christliche Geschäftsleute undJudenfeinde dieses gern.-jüdifcherZudringlichfeit" zuschreilten möchten, daß man aber doch die ganze nichtjüdische Welt für gar zu gimpelhast halte» müßte, wenn mau dies« glauben wollte; wenn er ihnen ferner nachwies, daß die Inden durchaus nicht arbeitscheu seien und nie waren, sonder» nur dadurch dazu gekommen seien, sich in ihrer großen Mehrzahl mit Vorliebe dein Handel zuzuwenden. weil ihnen früher »nd vor noch nicht hundert Jahren »och jeder andere Erwerb in allen christlickien Staaten untersagt worden sei und sich dadurch mit der Länge der Zeit Vorliebe und Geschick zum Handel naitirgemäß hatte herausbilden müssen — Was half dieses Alles'? Mit der Muttermilch eingesogene Vorurtheile lassen sich so leicht nicht beseitigen. Zehn- und hundermal widerlegt, kommen sie immer wieder zum Vorschein. Hat Unkraut einmal Wurzel gefaßt, so wächst es immer von selbst üppig hervor, mag man « auch »och so gründlich und fleißig auszujäte» suche», während die gute Saat nur durch mühsaine Pflege uud Arbeit gedeiht. So kamt sich auch die Wahrheit tute nach langen schweren Kämpfe» Bahn brechen, während die Lüge sich breit macht im Leiten und lustig gedeiht. Simon Birk fühlte sich unglücklich dadurch, und wenn er zuweilen »eben seiner Frau saß und das herzige Kind auf feinen Knien umherkletterte, dann sagte er oft: „Wenn ich es erlebe, darf keiner meiner Junge» Geschäftsmann werden, wenn mir Gott deren auch noch viele bescheeren sollte. Die sollen Handwerke erlernen. Ihne» solle» die Beleidigungen und Kränkungen erspart bleiben, die der jüdische Geschäftsmann oft zu erdulden hat. Einem tüchtigen jüdischen Handwerker wird mau so etwas nicht zu sagen wagen!" Und das waren bei ihm nicht etwa leicht hingeworfene Aenßerungen, die nur aus einer augenblicklichen trüben Stimmung hervorgegangen waren, sondern « war sein ganzer vollster Crnst. Auf die Einwendung seiner Frau, daß der Jude nicht gut von einem Handwerk leben könne, weil der Sabbath und die viele» jüdischen Festtage der Ausübung d«selben hinderlich seien, auch der jüdische Haushalt kostspieliger als der der Christen sei, erwiderteer: „Das ist eines von unseren Borurtheilen! C» sind nur einige Handwerke, wie z. B. ein Theil der Bauk-andwerker, welchen die Sabbath- und Festesseier Einbuße verursacht; bei den übrigen Handwerken aber bietet die SonntagSarbeit vollständigen Ersatz. WaS den behaupteten Mehraufwand des jüdischen Haushalte» betrifft, so ist derselbe so bedeutend gar nicht und wird durch die den Juden eigene Nüchternheit, Massigkeit und Sparsamkeit mehr als ausgeglichen. Der Jude läßt nicht so viel im WirthShause sitzen und macht keine blauen Montage. Ich

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