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Jüdisches Familienblatt · 1884-01-01 · 2 (1884) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1884
Issue
2 (1884)
Date
1884-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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1884. jg 2» ^ainvlien-Blatt/ |fHilftin«6filögf Irr „Zsrarlitischr« Wochrnschrift". Vo*frt'» Kltrrnbau*. — Trr aolbtnr Boden tt nr Lrzahlung von <9. Hause (ftovlf.t. — Jüdisch,,il>zischc Silbeurttrn. Bon » di. Lamuel». Unser lldeber <J«ns.>. — Allerlei für den Jamilientisch: Tessau. Hamburg. Alexandria, üoiisiantine. zlllfUtt » Algier. Amerika. — Hin sranzüfische» Unheil über Graep «Ueschichle der Juden. — Au» dem Loruckischap de» Talmud. Von M. Weinberg. — Ter glückliche Zahn. — Jnserale. Laster'» Slternhans. Et» Blick »> das Ellernhaus eines großen Manne« ctidilieftt uns oft bcffcr fein Weifteelelien und feinen l£nt« wicklungsgang, als eine Aufzählung all' der Leistungen, die er ipäter, in den Jahre» größerer Reife, vollbracht hat. so lenll auch die Trauettunde, die der Telegraph über den Lenin zu uns herüb,»gesandt, unseren «in» zurück »ach lernm kleinen Posener Sladlchen Jaroci», wo einst Eduard Lasier d,i» Licht der Welt erblickte und den ersten schritt ms Leben that. Wir stehe» vor einem unscheinbare» Häuschen. Drinne» Milet ein ernster. fleißiger Mann — der Pater unseres Laster — am Tage seine» mühsamen Gewerbes; sei» kleines chjei» und Glaswaarengefchäft erfordert die ganze Kraft des Mannes, der de» Mangel a» lnrare» Mittel» durch Intelligenz, Rührigkeit und Sparsamkeit ersetze» in »ft. DeS kidend» aber, wenn die Feierstunde geschlagen, venvandi'lt sich der bescheidene Handelsmann in eine» emsigen Jünger der Wissenschaft, der in den verschlungene» Gängen der lalinudischen Dialektik ebenso zu Hause ist, wie in der logisch geschlossenen, systematischen Weisheit eine« Maimonides und Mose« Mendelssohn, der die tiefsinnig schwungvolle» «länge der Psalmen, wie die der spätere» jüdischen Poesie eine« Jehuda Halevi und Gadirvl. mit Begeisterung in sich aufninrmt. Unter solcher Leitung bildet sich der kleine Eduard bera», wachse» ihm die schwinge» des OMftc«; er horcht begierig auf. wen» der Pater dal>e»», oder auf Spaziergängen von den Leiden de« jüdischen Polke», aber auch von inner wunderbaren Erhaltung und seiner geistigen Grvftchatea. von dem siege de» Göttlichen und der sittlichen «rüste über Bosheit und Elend erzählt. Tief prägt sich in ihm ei» die Ueberzeugung von dem unvergleichlichen Werthe und der unüberwindliche» Macht der Bildung, aus deren ltrwerb er mehr und mehr sei» sinnen und Trachten richtet. Da« ist der Erwerbssinn. den der kleine Judenknabe von seinem Pater, dem jüdischen Händler, überkommt. Und schnell rafft er zusammen, was in der engen Umgrenzung de» Elternhauses und de» (leinen HeimathSorte» an geistigen Schätzen zu holen ist. Mit acht Jahren hat er die fünf Bücher Most« im Urtext überwunden, hat er sich zugleich in den Gedichten Schiller» heimisch gemacht und übersetzt er die »Theiluna der Erde" in'« Hebräische. Die »Theilung der Erde"! Ist nicht schon die Wahl diese« Gedichtes bezeichnend für den frühzeitig im Kleinen enveckten idealen «>nn? Ist nicht da» Loos des Poeten, der die Bertheilung der irdischen Güter verpaftt hat im Himmel wohnen muß, eine Borbedeutung für da« Schicksab de» nachmaligen graften Volksvertreter». der in seinem selbstlosen Schaffen auf irdische lkhren und Battheile, auf die Gunst der Machthaber, ja schlieftlich selbst auf die Gunst de« Bolke« verzichten und fern von der heimathlichen Erde ein Leben v»ll mühseligen rfingen« für ideale Ziele beschließen muft? Eifrig und mit Hast, al« ahnte er. daft ihm hinieden »>cht viel Frist vergönnt sei, setzt der Knabe seine Arbeite» wt; da« Studium der Bibel und de« Talmud besruchttte und schärfte feine» Geist, und als er mit bei» dreizehnte» Lebensjahre »ach altem jüdische» Brauch in de» Berband der Synagoge aufge»o»»»e» wurde, da koimle er in seiner Konfirmation«- iBarnnzwah ) Rede Zengnift davon ablegen. daft er mit Nutze» vom Baume jüdifcher Weisheit gepflückt hatte. Das >v>ir die erste Rede Lasier«. Der goldene Boden. Eine Erzätllnng von V. Hn »se. (Aoiddruck uiitrrfe|M Ter Lehrer trat in die schnlstnbe. Tie Kinder ckhoben sich und er setzte sich ans seine» Platz. Jetzt kamen die Kinder einzeln herbei und legten dem Lelirer da» „Ehamischvnchergeld" aus den Tisch, vor ivelche» er sah Rur Jäkel blieb aus seinem Platz sitze» und sah ünstlich und verzagt z» dem Lehrer hinüber. Erst nachdem die Kindc'r bereit» alle wieder aus ihre Plätze zurückgekehtt waren und mehrere ihm ermuthigende Worte zngeflüslett und ih» saust von seinem Platze weggeschvben hatte», saftte er sich ein Herz und lies eilend« aus de» Lehrer z» und übergab ihn seinen Mitbracht. Er wollte eben so schnell wieder ans seinen Platz zurückkehre», aber der Lehrer, der ih» zu durchschauen schien, hielt ihn fest, lieft sich ei» Händchen vo» ihm geben nnd streichelte ihn die Wangen. Ta» nahm einen Alp von seinem .Herzen und er schöpfte tief Athen», al« wolle er alle Angst nnd Besorgnift mit einem Hauch vo» sich wegweise». Als nun gar eine Kanne mit Ehoeolede und Kuchen in die Schulstube gebracht und an die Kinder vettheilt wurde», da erheitette sich sein Gesicht vollständig und aller Kuminer schien vergessen. Glückliche Kinderherzen! Wie leicht ist e», die Wolken be» Kummet» von Euch wegzuscheuchen! Der schwächste Sonnenstrahl genügt, den eben noch getrübte» Himmel Eure» Gemütl)« wieder heiter zu gestalten! Euere schmerzen und Euere Freuden sind nur Kinder de» Augenblicke»! Nur selten vermag eS die Pslugschaare de» Trübsal» eine bleibende Furche durch da« Leben eine» Kinde« zu ziehen! Die Kinder ließen e« sich trefflich munden und Jvkel kaute mit volle» Backen. Die ersten Tasse» waren geleett und der Lehrer reichte eben die zweite Auflage herum. Jvkel war eben im Begriffe. da» zweite stück Kuchen nach dem Munde zu führen und hatte diesen schon geöffnet, um den Angriff zu beginnen, da sah der aus derselben Bank sitzende Jacob Blumenfeld zu ihm hinunter und sagte: „Der^Jokel hat zwei Silbergraschen gebracht und ißt für zehn Silbergraschen!* Jvkel sah erschrocken »ach Jacob hi» und dirigitte den Kuchen schnell wieder rückwärts. Die Kinder lachten. Der Lehrer, der an einer andere» Bank beschäftigt war, hatte nicht» gehört. Jvkel legte den Kuchen sachte wieder vor sich hin, schob die Tasse zurück und legte den Kopf betrübt auf den Tisch. Au« seinen eben noch so freudig glänzenden Aeugelein drängten sich Ihränen. Er weinte still vor sich bin. Er fühlte sich durch die boshaften Watte Jacob'» arg beschämt und in seinem kindlichen Stolze gedemütigt. Der erste Kummer war vor einigen Minuten erst van ihm gewichen und er hatte sich eben noch so froh und glücklich unter den

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