Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 3 — AReriei fir bnt Fa«ttir«1ifch. z>«göeß«rß. Wir entnehmen der Zeitschrift des jtatiftifcncn Bureau« zu Berlin in Bezug auf Preußen« tismtliche jüdische Volk»- resp. Elementarschulen viaende Zahlen: lilnsche Schulen 1871: 3W 1882: 250 ,N Knidern . 18878 . I8V37 Lehrer» . 537 . 310 Slio in 11 Jahren eine Abnahme von 140 jüdischen Elementorittwlra: man braucht kein pessimistischer Prophet zu sein, um p sagen, daß die jüdische Elementarschule leider bald zu den geschichtlichen Erinnerungen gehören wird. P«ke»I»r§ «. d. Auls«. <Or.<Eorr.) Die Chanuka- Lchulseier scheint sich in den israelitischen Schulen nach iut> nach einbürgrrn zu wollen: diese« Lichtrrfett ist seinem ganzen Charakter nach geeignet, einer religiösen Schulfeier ale Grundlage zu dienen. In der hiesigen (Gemeinde hat sch diese Ehanuko-Schulseier seit zehn Jahren stet« der regste» Theilnahme seiten« der Gemeinde zu erfteuen gehabt md haben manche Gemeindeglieder bei dieser Gelegenheit Peranlossnng genommen, die Schüler durch mancherlei Aus. unh'amlriten zu erfteuen. Bei der diesjährigen, am ersten Ctzanuka-Abend stattgcsundenen Schulfeier, überreichte der lttnsvonlcher Herr H Heß der Schule eine prachwolle, emgeralimte. lebensgroße Photographie unsere« allverrhnen Sägers als Geschenk. Bei der Uebergabc diese« herrlichen Klbes wurde von tK-nt Lehrer Herrn I Cornelius ein dreifackes Hock, aus unseren allgeliebten Landesherrn auSgcdr.cht und hinaus von den Schülern und allen Anivesenden du -iationalhhmne gesungen. Die sinnige Gabe de» Herrn ych zeigt soivohl von dessen Liebe zu Kaiser und Reich, al« auch von seiner Thcilnahme für die Schule. Bon seiten de« Gemcmdrältesten Herrn M- Sommer wurde für tme Gal>e auch im Namen der Gemeinde der grbüh ende Lank ausgesprvchen E« wäre gewiß wünschrnSwerth, wenn diese religiöse Schulfeier in allen israelitischen Schulen einzeiuhrt würde, aus die Sympathie der Gemeinde kann wohl sicher gerechnet werden. £«RM»rr Der hiesige israelitische Kinderverrin .M&lbisch Aromiin“ hat auch in diesem Jahre gezeigt, daß er seine» Namen mit Recht trägt. 100 arme Schulkinder <«4 Knaben und 45 Mädchm) wurden mit vollständiger Bekleidung versehe». Die Knaben erhielten je einen Anzug. Hemden, Strümpfe und Stiesel; die Mädchen je ein Kleid, Mnellrock. Hemden, Strüaipfe und Schuhe, einige auch Lintermäntrl. So können auch unsere Kleinen Große« leisten. Arautfurl c. M., 22. Decbr. Bor einigen Wochen luchte rin angeblicher Flüchtling au« Balta unsere Stadt ltkim. Er gab vor. an der Zunge verstümmelt zu sein; er behauptete ferner, seine Frau liege, entsetzlich zugerichtet, zu Bim im Spital. Ein Stoß Zeugnisse, der durch hiesige Kabbiner noch Zuwach« erhielt, verlieh den Angaben den kchein der Glaubwürdigkeit. Sie genauer zu untersuchen, »»ternahm Niemand, vielmchr fand, der Bettler offene Hände »»d brachte einige lausend Mark zusammen. Erst die Direktion be« Be,ein« zur Beschränkung de« Wanderbrttel« stellte fest, daß dir meisten Zeugnisse schon Jahre lang vor den Baltarr iftrignissrn ausgeslellt waren. Al« man nun der Sache etwa» »äher treten wollte, verschwand der Schwindler au« Frankfurt, alme Zweifel, um seine Betrügereien andrrwärt» fortzusetzen. ^ägrn dir Bewohner anderer Städte gewarnt sein! Al« vielvrrheißend wird der junge Maler Leon ">oldbkrg vom „Journal de« Artistr»" empfohlen. Der ISjihrigr Jüngling, dessen Hauptfach da» Portrait ist. da» ältrtte?°» 8 Kindern einer nicht wohlhabenden Familie, ist ein Enkel» 'cha de» littrrarisch bekannten Herrn Baer Goldberg. Paßek demi», die getaufte Jüdin, sagte fünf Tage vor Tode zu ihrem Garten Barnhagen von Ense: .Welche ^chhichlc! Eine au« Egypten und Palästina Geflüchtete bin ch hin und finde Hilfe, Liebe und Pflege flon Euch! — Mit erhabenem Entzücken denke ich an diesen meinen Ursprung und diesen ganzen Zusammenhang de« Geschicke«, durch welche« die ältesten Erinnerungen de« Menschengeschlecht« mit der neuesten Lage der Dinge, die weitesten Zeit- und Raumfrrneu. verbunden sind. Wa» so lange Zeit meine« Leben« mir die Srvßtr Schmach, da» herbste Leid und Unglück war. al« eine Ifibtn geboren zu sein, um keinen Preis möcht' ich da « missen". , Amfnrf für die arme» fftrrit der verörannte» Schüler i» chalata. Ein neue« Brandunglück, viel furchtbarer al« da« jüngste in der Borsladt Haskiöi. hat am 23. Dezember r« der türkischen Hauptstadt den Stodttheil Ga lata heimgesucht. Die - dortige Kinderschule der deutschsprechenden Jsrarliten-Gemeindr ist während de« Unterricht« abgebrannt. Es befanden sich zur Zeit de« Brande« in den Räumlichkeiten fünfundvierzig Kinder, von denen ungefähr die Hälfte gerettet wurden. Schnell herbei eilende Nachbarn breiteten Teppich« und Decken als improvisirte Sprungtücher au«. Wer von den Kleinen noch nicht durch den Rauch ersttckt, die Fenster gewann und muthig herabsprang, wurde gerettet. Die S zcne ivar furchtbar. Ein Augenzeuge erzählt: .Ich befand mich am Schauplatz der Katastrophe und zählte mit eigenen Augen neunzehn gräßlich verkohlte Kinderlrichen. Außer mir befanden sich in dem Raum, wo die kleine» Leichen aufgeschichtet waren, nur noch die unglücklichen Elter», welche man zur Rekognoszirung ihrer vermißten Lieblinge zugclassen hatte. Zn crkenncu war in diesem Hansen verbrannter und verkohlter Gebeine nicht« mehr. Bcrgrblich stierten die händeringenden Mütter, die Bart und Haar sich raufenden Bäter auf die halbverbranntcn Fetzen, die vor ihnen lagen. Ring» um mich her ertönte da« Jainmergcheul und da« wilde Schluchzen der armen Eltern. Ei» Mann, dem vor Grause» und Schmerz die Augen weit heroorquollen, geht suchend von Gruppe zu Gruppe. Plötzlich reißt er ein Häuflein schivarzcr Fetzen. die mit gcronncncin Blute bedeckt sind, empor: .Mein Kind! Mein süße« Kind!" heult und wimmert er dabei, während er da« schaurige Bündel zärtlich im Arme wiegt. Diese Kinder waren der einzige Besitz ihrer bitter»armen Elter». Wir würden Vorschlägen, daß in allen jüdischen -Schulen eine Geldfammlung — etwa 10 Pfg. von jedem Kinde — durch die betr. Lehrer veranstaltet würde, und erklären unt bereit, die Gaben zu befördern und über den Gingang in unserem „Familieablatt" zu referiren. — Solche Erweckung zur Theilnahmc an fremdem Leid und Linderung fernen Elend« ist von siltlich-erzichlichem Einfluß. __ Die Redaktion» Ar»- dem Sprachschatz des Talmud. Poetisch überseht von Max Weinberg Wohl ist auch der Wels« zornentbrannt. Steht er Dummheil herrschen im Land Und Treue und Alanden versolgt und vertan»!. Doch wäre er nicht der Weise genannt. Hä»' Ihn der Zorn drob iibermannl. » » Kenn! auch die Well, die kalte, hin ltrdarme», Aatur, sie wendet ihre (baden Auch Denen zu, die gar nicht» haben. Und wenn er will, in ihren Armen Kann auch der Aermste noch erwärmen. . " Zum Greise, der — da« Hau»« gebleicht — von Al'-e« Last zur Erde neigt, Ein Knädletn spricht: wa» suchst D» Man», Vielleicht, das, ich e» finden kann? .Ach nein, «et» Kind, spricht jener malt. Ich suche metne — Ruhestatt".