Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1884
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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_k» au _... |nilrin-j)tili|r In ^»nelilischnt Wichnilchkift Inhal» D«r golbfnc Oekfit *mt CrjAWuna mm C. Haus». — Jüdisch galizische «ill,»>ikNk,i. V»» V. fHlcrld sür brn Jamltientlsch: Magdeburg. Wotmburg. Hannover, shranksur» a. VI. Ansrus. — «m* de« Spruchschad de» Dolmud. von M. «einberg. — Inserate. Samuel». Unser (lheder. Pari*. Nadel Lewin. — Der golde»e Vode« ttine Erzühlunß von B Hause. L inntiftgi.i *»n txui Dorfe Brixrnhausrn herrschte unter der i«raetckschen Schuljugend freudige Erregung (i« war an einem Mittwoch Nachmittage. Dir Kinder liefe» geputzt zur i«rar» litischc» Schule. Auf ihren Gesichter» spiegelte sich freudige lkrroartung. und n»e»» zwei unlerrveg« zusammentrafen, so ßnsfen Bride in dir Taschen. holten jeder ei» Papierchen au» dnsell>en. in welche» Geld e»,gewickelt ,var und zeigten sich gegenseitig. wir viel sie .bringe»". Wo» lmtte da» zu de. , Kntrn? E» tvar »Ehamischo-Lstcr be-Ow!'*) Biele meiner! jidilcden Leser und Leserinnen iverdrn verwundert fragen:! .va« ist da«,'" Der größeren Mehrzahl unsere« jetzige» Geschleckte», welche der israelitischen Religion onaehörrn. sind! solche religiösen (tzedenktagr, dir der Frommst»« unserer Väter mit dem Eharactrr eine« Halbsrirrtagr« ausgestaltet! Hai. unl>ckan»l. geworden. Um verständlich zu sein, iverde > ich daher erst eine kurze Erklärung geben müsse». Lolche» ' >» Halbsrirrtag-chararter auSgeslattetrn Ehamischo-Oster Tage j sind zwei im Jahre, Ehamischv-Osser bi-Schrvat—> und! lldaanfcko-Oster de Ow Der erslere hat in dem »m diese , Httl wieder erwachenden Raturleben, im Wiederbeginne de» j -rühling», seine Begründung. Rach der Meinung unserer i kllteii sängt an diesem Tage der EntwickclungSsas« in de»! vaumc» an. sich wieder zu regen, und sie wollten diesen! «chtigen Act im Leben der Natur nicht vorübergeheri lasten. * 1 ohne ihm eine religiöse Weihe zu geben, ohne un» zum Br-! Mißtsem zu bringen, daß Gott e» ist. der de» Kreislauf der! Antni t>eherrscht und den Wandel und Wechsel der Natur! ^stimmt und leitet. Der Letztere, Ehamischo-Oster bk Ow! otwlnh. hat sriuc tlegründung in einen» zum Tempeldirnste | »hörigen Acte und in nichrerrn geschichtlichen Ereignissen.! »elche in den» Dankrsbewußtsein de» iSmelitischen Bolle« er- , doltm bleiben solltm. Da« Letzte dieser geschichtlichen Er- , «Hiiiste. ivelchent mit der Ferndiese» Tage« ein Danke»- ' krähul gegen Gott in den Gemüthern der nachfolgenden Ekschlechter errichtet werden sollte, ist der Umstand, dasr an ^snn Tage unseren Boreltern vom römischen Kaiser Anloniru» P,u» dir Erlaubnis ertheilt wurde, die Leichname ^rr Juden, namentlich der Bewohner der Stadt Betbar. *iche i» den letzten Schlachten de« unglücklichen, ungefähr W Jahre nach der Zerstörung de« zweiten Tempel» statt, lchtvdrnrn sogenannten Bar-Eochba-Aufitande« gefallen waren, i» beerdigen. Dieser Austtand, der nahe daran war, da» fische Reich zum Sturze zu bringen und dessen Bewältigung J* Römern erst nach schweren Kämpfe» und ungeheuren «ostrengungen gelang, hat drei Jahre gedauert und einer mldei, Million Juden da« Leben gekostet. Dir Leichname hatten sehr lange „ndeerdigt gelegen und t* wird al« ein «aader berichtet, daß sie trotz de« in Palästina herrschenden *1*1' Klima « während dieser Zeit nicht in Verwesung grrathen. sondern noch ganz gut erhalten gewesen seien. in 16. Zog de« Monat« >w. > Der 16. Zag de» Womit« Gchewa«. I In den srühercn Zeiten wurde» diese Tage, »anientlich , Ehamischo-Oster be-Orv. anher der gotte-dinistlichen Feier - auch noch durch Bolk»l>elusligungen geseiert. Später verlor > sich Letztere«. Da» Lebe» der Inden hatte sich im Lausk der Zeiten durch die schweren Brrsvlgungrn und lrartrn Be. i drückungcn so trübe und dlister gestaltet, daß sich zu öffent. I lichen freudigen Kundgebungen weder Stimmung noch Raum i mehr vorsand. Rur in dir Schule», welch»'» die Juden stet» auch i» den traurigsten Zeiten, Liebe und Aufmerksamkeit zugcwrndet habe», lratte sich »och ei» kleiner Rest dieser Bolk«brl»stiguiig geflüchtet und bi» vor nicht langer Zeit erhalte». E» waren diese läge zwei Lichtpunkte i>» jüdischen Schullrbe», deren jedr«»ialigem Eintritte die Kinder schon lange vorher mit freudiger Envariung rn«grgc»sel>e». E» wurden ihnen dann in der Schule Leckerbissen gesvrndet, auch wohl vom Lehrer »och ein Spaziergang in'« Freie mit ihnen gernach«. Dir armen Kinder hatte» sie »öthig, diese Lichtpunkte und sie thatcn ihnen wohl: denn die Schule bot ihnen außer diesen der Freuden- und Erhvlung«tagr gar wenige. Der Unterricht war ernst und die Schulräume düster, wie dir ganzr äußere Lage der Juden. Die shnagvgale Au», zrichnung dieser Tage hat sich i» sofern erhalten, daß einige Wochentng-gel'etstücke an dcnselben nicht gel>etet werben, und Biele, denen da» riiwerkürztr .Hersagen der vorgeschriebenen Gebete al» eine pflichtmäßige Arbeit gilt, halte» diese Tage darum noch im (Gedächtnisse. .Heute sperrt man ctiva«", sagen sie dann gewöhnlich, d. h. .Heute braucht man nicht Alle« zu .sagen!" Ein großer- Tl>eil unserer jetzige» Glaubensangehürigc» aber spart »och mehr und zrvar täglich, da sie gar nicht inehr oder docli nur selten beten. So viel steht indessen fest, daß durch diese Art von Sparsamkeit noch nie Jemand »vrder äußerlich nc'ch innerlich reicher, wohl aber innerlich ärmer, viel äriner gcivorden ist. Doch kehren wir zu »nserc» Schulkindern in Brixen» hausrn zurück! Sie liefen, ivie erzählt, in freudigster Stim. mung der Schule zu. Ei» Jeder von ihnen lsatte nämlich Geld von seinen Elter» erlmlten, f« den» Lehrer zu bringen. Dafür sollte dieser den Kinder» eine Freude bereiten. So war der Brauch. E» wurde dieser Beitrag für den Lehrerin der Regel nicht zu kurz bemessen, damit diesem noch ein Ueberschuß verbleibe. Auch der kleine Jokel Birk, ei» allerliebster munterer sechsjähriger Knabe, kam mit vor Aufregung Serötheteni Gesichte herbeigerannt. E» war heute der erste Hamischo-Ossertag. den er milfctevit sollte, und er hatte sich denselben schon wochenlang mit feiner kindlichen Phantasie gar rosig ausgcmalt. Und heute brauchte ja auch er nicht zu lernen! Ergehörte erst seit zlvei Monaten der Schule an und konnte sich mit dem Stillsitzr» und Lerne» noch gar nicht recht befreunden. .Wie viel l)ast Du?" fragten ihn die in der Rähe de« Schulhausc« versammelten Kinder. Erlangte schnrll mit seinen kleinen Acrmcl)en in die Hosentaschr-, »velche so tief rvar, daß Hand und Arm bi» an den Ellenbogen in derselben verschrvandrti. Nachdem er eine Zeit lang mit nach und nach immer angswvllrr iverdendcn Miene in den vielerlei Siebensachen, »velche seine Tasche füllten, herume" ibbelt und nicht« gesunden batte, fiel ihm erst ein, daß Mutter ihm da« Geld ür dir Westentasche gesteckt hatte. i