Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 15 (1884)
- Issue
- 15. Jahrgang Nᵒ 52.
- Date
- 1884-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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- 408 — ftolt au«geschlossen werden? Beruft er sich doch auf ein ^bezügliche« Reskript de« hohen Kultu»ministerium«, da» n auf da« um Abhilfe ri«gereichte Bittgesuch de« schwer tanffene» Bater« — de» RabbinatSvrrweserS der Bajarr -Ikllgu'nSgemrinde — diesem al« Indossat zukoinmcn ließ? Ich H'lltf verblüfft dastehen, wenn ei» Professor unkerer Hochschul, einen seiner Liebling-schiiler ooram pablioo bet der -.rul's hiedung de» Letzteren sagt, er finde nur 2 Fehler an ibin zu rügen, den einen, daß er den stark deutsch klingenven Sioiiu n nicht in« Ungarische ummodle,' den andern, daß er JutH' sei? Ich sollte mich wnndrrn, daß von 20 gleichzeitig pwiiwvirtrn jüdische» Mittelschul-Prosessoren nur jene 4 zu hnciii öffentlichen Posten ernannt ivurden. die auf eine» vi»k mit dem Zaunpfahlr — natürlich von hochkompetenter Stelle sofort Name und Glaube vcrleugnrte»? Ich könnte m solchem Tempo »och eine geraume Strecke fvrtsahre», süichieir ich nicht, den freundlichen Leser zu ermüden. Genug datier. Nicht umsonst sagte der römische Dichter: „Und au« dem Emen erkenne sie allrsamuit." Und strenge ge»v»»»en, wäre» iveder Gymnasialdirektor noch Culiusininistrr irgendwie verlege», ihre Handlung«,veisc zu »wtiviren, so sie sich dazu herbeilassc» niüßten Wenn von e»va öO Schüler» de« katholische» Obergymnasium« 48 »»dedingt und ohne »lindesten Zwang allen Schulpflichten am «oiniabend ebenso eifrig Nachkomme», wie an den Werktagen. wir sollte de» lVenannie» rinleuchten, 2 Knabe» mit ilirki» starren Verweigern de« Schrcilv»« seien al« inatz- |rkiilx Repräsentanten ivahrhast jüdischer Gesinnung zu be» trachten'? Wüßte» dir 48. wa» wir Andern einr,"0kSö 3K für den Ruhckag nenne», dann schriebe» sie erst recht au« volle» Leibeskiäste»: schreibe» doch dir Väter nicht minder nmg. Ja! um de» Kinder» jede unnöthige, oder, wie da« bruic beliebte Schlagwvrt lautet, jede unpraktische Ueberdurdung, tveil sie die physische Entwicklung der Jungen be* ninrachngrn dürfte, zeitlich genug zu erspare», befürworten »»d urgirrn sic schon innerhalb der vier Volksklaffe». da« Letnanche, soviel nur irgendwie möglich, in dir allerengste» Amizen emzuzivänge». auf die Gefahr hin, daß e» in solcher modernen Schnürbrust naturgemäß ersticke. Wa« nun der Kiapp lvjährige Knabe. bei dem e« kaum gelungen, ihn über venesi« und Exodus hi»au«zubringrn, mit in'« Gymnasium hinüberiichmk. um dort p«ck» auch diese minimalen ltlemenie seine« — sit veni» verbo — religiösen Wissen« punduch >o« zu weiden, begreift jeder, ohne eben rin Oedipu» sein. Zive, Stunden wöchentlicher »oi-ckroaud-Religion»- inerricht sollen der Gla»bcn«prvvia»t sein, der den jüdischen >iiabe» und Jüngling durch'« Leben sättigen und nähren soll! Wa» Wunder dann, ivenn man dem Digestio»«apparate de« Kiiaben so wenig Material zur Verarbeitung geboten daß er an, Bar-Mizwahtage sich die Segen«sprüche über die lbora in zierlichen ungarischen — fast hätte ich gesagt ldmiiche» — Lettern, auf einen Papicrstrcife» niederschreibt und ße von hier au» herabduchstabier«? Gott besser'«! Ich wmmc bald wieder, um die Eorrectur de« massoretischcn «fic« — vielleicht durchzuführru. Wen» r« »och eine« äußere» Beweise« dedur,, yaite für die hohe Verehrung, die der greise Scelendm Abraham Plarzek allgemein genoffen, so gab hierfür «r Lcichenftirr am l2. d. M. rin entsprechende« Zeugniß. A>ch> allein die Bevölkerung der Gemeinde, die Beamten und v>norai>oren der Stadt halten sich eingesundcn, auch au« »iid Fern waren Leidtragende herbeigestrümt, Dcputa- >io»e„ de« Landcsmaffafvnde«. der >»rael. Gemeinde Brün», lowie der meiste» mähr. Gemeinden, viele Rabbiner und schuler Placzek'« waren hcrbeigecilt, n»> den Verblichene» den letzlen Tribut ihrer Verehrung zu zollen. Im Trauer k">sc hielt zuerst der Schwiegersohn desselben, Rabbiner ** ^äck au« Lissa. einen warn> empfundene» Nachruf, S“ra,,f der Sarg »ach Abstngung eine» Ehvrc« in de» bywarz derorirten, bi« auf den letzten Platz gefüllten Trntpel 0,1 den Vorstehern getragen wurde, wo sei» Sohn Dr. Placzek eine t ef ergreifende Trauerrede hielt, die kein Auge thränenleer ließ. Hierauf bewegte sich der Zug nach dem Friedhofe, wo Dr. Unger au« Jglau un Dr. Placzek die Reihe der Sargrrdrn schlosse». E« herrscht nur ein Urtheil über de» Verstorbenen, daß er. obwohl von rigorosester Strenge gegen sich, in Sachen der religiösen Observanz stet« tolerant gegen Andere war. Den häufigen Insinuationen, bei den Kämpfen der streitbaren Orthodime mitzuthun, ging er stet« beharrlich au« dem Wege. Sei,, Unheil über Andere war nie absprechcnd. stetmilde und so war er mit Recht der Typ»« einer der „Schüler Hillel«." _ Vermischte und neueste Nachrichten. Nre»ka«t. Am 11. Januar k I. findet hier die Jnstallirung der „Lcssing-Loge" statt; die Bewilligung diese« Namen« ist von demExecutiv-Eoinitä in Rew-Zfork cingciroffe». Aenttze« H -K. Am 20. Deccmbcr c.. Abend«, wurde von zahlreichen angesehene» jüdische» Bewohner» von Kreuz burgO.-S. eine Bitte an die obersteLogr»>Bchürde um Errichtung einer Pflanzstätte de« Orden« in dieser Stadt unterschrieben nachdem einige Dclcgirtc der hiesigen Mamreh'Logc eine» ciiigel>ende» Vortrag gehalten und Aufklärung ül>er Wesen, Verfassung re. de« Orden« gegeben hatten. etatzia» (Ostpreußen), 18. Deccniber. Vorgestern fand man an der hiesigen israelitischen Syiiagogc einen großen Theil der Fensterscheiben zertrümmert, dazu Theile von der Einfriedigung de« Gebäude« eingerissen und zerbrochen. Da hier von antisrmiiischcu Regungen nicht die Rede sein kan», wird dieser grobe Unfug »luihwillige» Strolchen zugeschriebcn, dir leider noch nicht ermittelt sind. Der Gemeinde-Vorstand bietet für dir Enldcckuna de« Frevler« eine Belohnung au«. Mannheim, 13. Deccmbcr. Im GcscUschafl«ha»>e de« Liederkranz fand gestern Abend die alljährliche Beschenkung der Zöglinge de« Israelitischen Waisenhauses unter lebhafter Bethciligung der Freunde und Gönner diese» so segensreich wirkenden Vereine« statt. Herr Siadtrabbincr Dr. Skeckel» wacher hielt al« Vertreter de« Vorstände« eine die Bcdentnng der Feier ivürdigc Ansprache, in welcher er auch insbesondere, der vrrdieiistvvtic» Wirksamkeit de« verstorbene» Verein«- prüsidentc» Herrn Rud. Lehm. Mayer, soivie der ebenfalls verstorbenen Frau Jda Dar»islädtcr, die dem Fraucnvorstande angehörte, rühmciid gedachte. Die Rede machte auf alle Anwefcndr» eine» ergreifende» Eindruck. AraRa«. Der Privatdoccnt De. Rose „blatt ist zum Professor a» der hiesigen Universität ernannt worden. VW**, >>n Deccmbcr. (Or.-Corr.) Svnntag, den 14. d. M. fand »ach einem erhebenden GottcSdicste. an welchem sich die israelitische» Zöglinge säunntlicher Schulen bctheiligte» die Ehanukabeschciikuiig von 22 arme» Kindern statt^ Dieselbe erhielten theil« neue, theil« gebrauchte Anzüge, Schuhe, Stiefel, Tücher, Hemden, Strümpfe re. eine Menge Schnl» requisite» und auch baare« Geld. Um da« Arrangement und um die Beschenkung der freudig erregten ttindcrichaar hatte sich in crsler Rcilx Frau Dr. Anna Earo. die Gattin unsere« Rabbiner«, rastlos bemüht. Zn dem erforderlichen Aufwande steuerten die hiesigen Vereine da« Mcific bei. Die leuchtende» Gesichter der Kinder waren den Woylthätcrn ei» schöner Loh». — Hierbei sei bemerkt, daß der Standpunkt de« Berliner Rabbinai«, wa« da« „öffentliche" Beschenken anlangt, manche« für sich hat. Aber »> Wie» sowohl, wie Prag und hier geschieht die Veriheilung stet« »ach der öffentlichen Ehanukafeier, »nr i» Gegenwart der Voritchcr der betreffenden Vereine. Sonst wußten wir nicht, iva« an der Miziva von O'öns nwabn „U,«jüdische«" sei» könnte. Zk«rt». Die Kainmer hat dem Anträge der Budget- Eoininifsion cnigegen von de» gestrichenen 32000 Frc«. für da« Rabbincrsriinnar 22000 Frc«. beivilligt. N«m»gate. Ai» 2Ü. November starb Fra» Schwerin, di« 40 Jahr da« Hauswesen Montefiorc'« geleitet hat und die treue Reise-Begleiterin der Lady Judith war.